Erstellt am 10. November 2015, 05:02

von Christian Eplinger, Hermann Knapp und Walter Fahrnberger

Scheibbs als „Gewinner“. Bis Ende 2016 wird in den Mostviertler Spitälern kräftig umstrukturiert. Scheibbs verliert 20 operative Betten, erhält dafür aber die Remobilisations-Station aus Mauer.

Das Landesklinikum Scheibbs muss bis Ende 2016 zwar 20 operative Betten abgeben, bekommt dafür aber die 24 Betten der Remobilisation und Nachsorge aus Mauer hinzu.  |  NOEN, Christian Eplinger

Aufregung und Verunsicherung herrscht in der Belegschaft der Landeskliniken Mauer, Scheibbs und Melk. Grund dafür sind geplante Umstrukturierungen.

So werden 20 operative Betten (Bereich Chirurgie, Gynäkologie, Orthopädie) am Landesklinikum Scheibbs und 30 am Landesklinikum Melk abgezogen. Im Landesklinikum Mauer wird der Pavillon 19 geschlossen. Die Remobilisation und Nachsorge (RNS) mit insgesamt 24 Betten wandert nach Scheibbs. Dort ergibt sich rein bettenmäßig gesehen somit ein Plus:

Scheibbs hat danach 197 systematisierte Betten, während Melk von 173 auf 143 Betten abspecken muss. Die Beschäftigten in Melk und Scheibbs wurden in der Vorwoche bei Betriebsversammlungen über die geplanten Schritte informiert, in Mauer findet diesen Dienstag um 11 Uhr eine Informationsveranstaltung für die Belegschaft statt. Schlagend werden sollen die Umstrukturierungsmaßnahmen Ende 2016.

"Es wird in keinem der Häuser zu 
Entlassungen kommen."
Andreas Krauter, Regionalmanager

Vonseiten der Holding wird ausdrücklich betont, dass es zu keinen Entlassungen kommen wird. Das betroffene Personal werde entweder eine andere Beschäftigung am Standort oder an anderen Landeskliniken bekommen. „Es ist aufgrund der demografischen Entwicklung der Gesellschaft notwendig, in anderen Bereichen zusätzliche Kapazitäten aufzubauen – wie im Bereich der psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise Burn-Out, müssen weitere Vorkehrungen getroffen werden.

Daher werden alle Mitarbeiter weiterhin benötigt“, versichert Regionalmanager Andreas Krauter. Für die Patienten sollen die Umstrukturierungen nicht spürbar werden. „Es handelt sich dabei um eine rein innerorganisatorische Maßnahme, die keinerlei Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten hat. Es sind genug Kapazitäten vorhanden“, betont der Regionalmanager.

Hauptgrund für die Reduzierung der operativen Betten sei der medizinische Fortschritt, der eine massive Verkürzung der Verweildauer nach Operationen mit sich gebracht habe. Die Bettenreduktion in diesem Bereich sei die logische Folge davon.

Die Verschiebung der Remobilisation von Mauer nach Scheibbs garantiere, dass diese Patienten in modernster stationärer Struktur mit geeigneten therapeutischen Einrichtungen betreut werden könnten. Zudem werde durch die in Scheibbs schon bestehende Physiotherapie das Behandlungsspektrum sogar vergrößert.

Vereinfacht hat die Entscheidung zur Übersiedlung der bauliche Zustand des Pavillons 19 in Mauer. Dieser hat starken Sanierungsbedarf und das Land hätte in nächster Zeit eine beträchtliche Summe Geld in die Hand nehmen müssen.

"Noch ein ganzes Jahr für organisatorische Vorkehrungen"

Für ÖVP-Landtagsabgeordneten Anton Erber ist Scheibbs einer der wenigen „Gewinner“ der Strukturreform der Holding: „Immerhin bekommen wir in Scheibbs auch Betten dazu und erhalten damit in einem Grundversorgungskrankenhaus einen neuen Schwerpunkt. Das ist woanders nicht der Fall. Die Finanzierung des Spitalwesens ist insgesamt eine Herausforderung, die immer wieder ein Überdenken der Strukturen notwendig macht“, betont Erber.

Dass in der Scheibbser Belegschaft mit insgesamt 604 Beschäftigten (inklusive Teilzeitkräften, 404 Vollzeit-Dienstposten) dennoch eine gewisse Verunsicherung herrscht, bestätigt Betriebsratsobmann Rudolf Zeller. „Aber wir haben ja noch ein Jahr, um in Ruhe alle organisatorischen Vorkehrungen zu treffen. Es steht weder fest, wo die RNS räumlich genau angesiedelt werden wird, noch wer auf dieser Station künftig Dienst machen wird“, sagt Zeller.

Er sieht diese Umstrukturierung durchaus positiv für die Mitarbeiter in Scheibbs, da die Patienten in der RNS-Station eine längere Aufenthaltsdauer haben und auch die Dienstpläne geregelter sind. „Vor allem für ältere Mitarbeiter könnte dies eine überlegenswerte Alternative sein. Wir werden natürlich auch Schulungen für die neuen Tätigkeiten anbieten. Die Details werden wir in den nächsten Monaten klären“, betont Zeller.