Erstellt am 23. Mai 2017, 05:00

Lebenswelt Heim im Wandel. Individuelle Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bewohner steht im Mittelpunkt des Leitbilds des Hauses.

Landespflegeheim-Direktor Norbert Loschko und Therapeutin Kathrin Wippel mit Erna Baumgartner und Ilse Buchbauer, die derzeit zwei der insgesamt 24 Übergangspflegeplätze im Landespflegeheim belegen  |  CE

Norbert Loschko, Direktor des Landespflegeheims Scheibbs, spricht im NÖN-Interview über die Entwicklungen im Bereich Pflege.

NÖN: Welche Herausforderungen sehen Sie im Bereich Pflege?
Loschko: Als Herausforderung kann man die Altersentwicklung der Bevölkerung betrachten. Speziell in den ländlichen Gebieten wird der Bedarf an Pflege und Betreuung in den nächsten Jahrzehnten stark steigen. Hier ist sowohl die Gesellschaft als auch die Politik gefordert, das bestehende System so weiterzuentwickeln, dass es auch in Zukunft noch finanzierbar ist und alle Menschen das für sie beste Modell in Anspruch nehmen können. Egal ob dies nun zu Hause ist oder in einer Betreuungseinrichtung.

Ergeben sich aus dieser Situation auch Chancen?
Loschko: Diese notwendige und stetige Weiterentwicklung birgt natürlich auch die Chance, das Sozialsystem regelmäßig den Erfordernissen anzupassen und in einem für die Bevölkerung und die betroffenen Menschen guten Sinn weiterzuentwickeln.

Inwieweit hat sich die Lebenswelt Heim in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Loschko: In den letzten Jahren hat sich natürlich sehr viel verändert in der Lebenswelt Heim. Früher waren die Bewohnerinnen und Bewohner der damaligen „Altersheime“ meist noch sehr rüstig. Derzeit liegt der Fokus in unserem Haus eher im Bereich der Pflege. Die Menschen bleiben heute so lange es geht in den eigenen vier Wänden. Daher hat sich unser Angebot auch dementsprechend verändert. Wir bieten neben der Langzeitpflege auch die Möglichkeit der Tagespflege, Kurzzeit- und Übergangspflege. Diese Pflegeformen werden auch vom Land Niederösterreich gefördert und sind als Unterstützung für pflegende Angehörige gedacht, oder auch als Möglichkeit, sich nach einem Krankenhausaufenthalt wieder auf das Leben zu Hause vorzubereiten.

Was reagieren die Heime auf diese Veränderungen?
Loschko: Die NÖ Pflege- und Betreuungszentren sind derzeit mit der Umsetzung des Innovationsprojektes beschäftigt. Hier wird angefangen von den baulichen und strukturellen Gegebenheiten bis hin zu einem einheitlichen, wissenschaftlich begleiteten Pflege- und Betreuungskonzept alles evaluiert und den Bedürfnissen der Bewohner angepasst.

Was ist die Grundbedingung für das Leben im Heim, damit alle Beteiligten sich wohl fühlen?
Loschko: Wichtig ist die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner. Unser Leitbild im Haus drückt das sehr gut aus: „Unsere Zeit im Sinne von Wohlbefinden, offener Kommunikation, gelebter Individualität, stetiger Weiterentwicklung miteinander erleben.“

Gibt es für Sie eine „Kurzformel“ für das gelingende Miteinander?
Loschko: Der personenzentrierte Ansatz des Pflege- und Betreuungskonzeptes mit den sechs Grundprinzipien sieht den Menschen im Mittelpunkt. Hierbei geht es um individuell angepasste Betreuung, Therapie und qualitativ hochwertige Pflege.

Wie sind diese Grundprinzipien definiert?
Loschko: Sie lauten: Erstens, frei zu sein in Entscheidungen. Zweitens, angemessen an Gesellschaft und Zeitgeschehen teilhaben zu können. Drittens, bedeutsame Beziehungen individuell gestalten zu können. Viertens, vertraut-häusliche und bewohnergerechte Umgebung vorzufinden. Fünftens, Identität und Selbstwert zu erhalten und zu entfalten sowie sechstens, bedeutungsvoll den Alltag und das Leben zu gestalten.

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