Erstellt am 28. September 2015, 19:17

von Christian Eplinger

Messehallen werden Transit-Notquartiere. Bis zu 500 Flüchtlinge können in Wieselburg ab sofort tageweise untergebracht werden. Bezirk zeigt große Hilfsbereitschaft.

Bezirkshauptmann Johann Seper (2. von rechts) leitete gemeinsam mit seinem Stellvertreter Thomas Krenhuber (rechts) und Monika Kladnik die Arbeitssitzung der Bürgermeister am Donnerstag zum Thema Asyl. Grundtenor aller Gemeindevertreter: Wir wollen helfen. Foto: Christian Eplinger  |  NOEN, Christian Eplinger

Denn seit Montagmittag sind die Messehallen 12 und 13 (bei der großen Messe traditionellerweise das Landwirtschaftskammer-Zentrum) offiziell Transit-Notquartiere für Flüchtlinge.

„Das Land hat bei uns angefragt, ob wir Möglichkeiten für ein Transitquartier hätten. Wir haben natürlich sofort ja gesagt und unsere Bereitschaft bekundet. Denn wenn zu helfen ist, dann ist zu helfen – ohne wenn und aber“, legt Messe-Geschäftsführer Werner Roher seinen Standpunkt klar und deutlich fest.

„Ob welche kommen oder wann, entscheidet
sich ganz kurzfristig. Wir sind jedenfalls
bereit, zu helfen.“
Werner Roher, Messe-Geschäftsführer

Auch beide Wieselburger Bürgermeister – die Hallen liegen am Gebiet der Landgemeinde – stehen geschlossen hinter dem Vorhaben. „Es handelt sich hier nicht um ein Erstaufnahmezentrum oder ein langfristiges Quartier, sondern um ein Transitquartier, wo Flüchtlinge auf der Durchreise mit dem Bus kommen und für ein bis zwei Nächte eine Schlaf- und Versorgungsstätte finden sollen“, erklärt Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried.

„Wir verstehen durchaus, dass es gewisse Ängste in der Bevölkerung gibt, wenn man von 500 Leuten spricht. Aber die sind total unbegründet, da es sich hier nur um Notquartiere handelt. Man darf hier die Begrifflichkeiten nicht vermischen“, ergänzt Landbürgermeister Karl Gerstl.

Ob und wann beziehungsweise wie oft tatsächlich Flüchtlinge in die Transitquartiere in Wieselburg kommen, konnte am Wochenende noch niemand genau sagen. „Das entscheidet sich ganz kurzfristig, innerhalb weniger Stunden und hängt davon ab, wie die Flüchtlingsströme nach Österreich kommen. Wir sind jedenfalls bereit dafür“, unterstreicht Werner Roher.

Während die 12er-Halle als Schlafquartier dienen soll, würden die Verpflegung, sanitäre und wenn nötig medizinische Versorgung in der 13er-Halle stattfinden. Beide Hallen können durch eine mobile Heizkanone beheizt werden. Allerdings nur bis zu einer gewissen Außentemperatur. „Das Quartier ist sicher nicht für den Winter geeignet und daher können wir dieses Transitquartier nur maximal bis November anbieten“, weiß Leichtfried.

Die Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge in diesem Transitquartier würde das Rote Kreuz übernehmen. Aber auch dort weiß man vorerst noch nicht mehr. „Das wird über die Landesstelle koordiniert. Wir wissen, dass Wieselburg ab nächster Woche ein möglicher Standort für so ein Transitquartier ist, wie es dann genau abläuft und wie viele Leute von uns im Einsatz sein werden, ist aber derzeit noch nicht klar“, sagt der Scheibbser Bezirkskommandant des Roten Kreuzes, Franz Aspalter.

Grundhaltung quer durch alle Gemeinden im Bezirk

Zum Thema Flüchtlinge gab es Donnerstagabend auch ein kurzfristig einberufenes Arbeitsgespräch der Bürgermeister des Bezirks in der Scheibbser Bezirkshauptmannschaft. „Die Gemeindevertreterverbandsobleute der Bürgermeisterparteien sind mit dem Wunsch an mich herangetreten, das Thema gemeindeübergreifend zu besprechen und neben einem Erfahrungsaustausch auch rechtliche Fragen und Begriffsbestimmungen abzuklären“, erläutert Bezirkshauptmann Johann Seper im NÖN-Gespräch.

Seper kam diesem Wunsch „sehr gerne“ nach. Dabei stellte er quer durch alle Gemeinden im Bezirk eine Grundhaltung fest: Wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen. „Die Gemeinden sind alle sehr bemüht, mögliche Quartiere auszuloten und zu schaffen – aber das ist oft gar nicht so einfach, weil nicht alle über freie Kapazitäten verfügen“, fasst Seper den Grundtenor zusammen.

Thema war natürlich auch der aktuelle Gesetzesbeschluss des Nationalrates, wo als Richtwert für die Unterbringung von hilfs- und schutzbedürftigen Fremden 1,5 Prozent der Wohnbevölkerung festgelegt wurde. Das bedeutet für den Bezirk insgesamt 616 Personen – ein Wert, der derzeit klar unterschritten wird.

„Unabhängig von Quoten und Richtwerten geht allen quer durch die Bank ums Helfen“, weiß Johann Seper. Vielerorts gäbe es bereits engagierte Freiwillige, die Asylwerber unterstützen und auch Privatquartiere zur Verfügung stellen. Die Gemeinden des Bezirks wollen sich nun bemühen, dieses Engagement und all diese Anstrengungen und Aktivitäten zu bündeln und in geordnete Bahnen zu lenken und gleichzeitig Aufklärung in der eigenen Bevölkerung zu betreiben.

„Wir haben alle betroffenen Hausbewohner persönlich
angeschrieben und ihnen ein Informationsgespräch
angeboten, gekommen ist keiner.“
Günther Leichtfried, Bürgermeister von Wieselburg

Die Fäden sollen künftig bei den Gemeinden zusammenlaufen. Dorthin sollen sich alle wenden, die entweder über Privatquartiere verfügen oder Betreuungs- und Dolmetschdienste übernehmen können. „Es zählen nicht nur die Quartiere selbst, sondern dass sich auch vor Ort wer um die Flüchtlinge kümmert und vor allem die Sprachbarrieren aus der Welt schafft“, weiß die Scheibbser Bürgermeisterin Christine Dünwald aus Erfahrung. In Scheibbs werden übrigens auch gerade – so wie in Wieselburg – drei Wohnungen für Flüchtlingsquartiere adaptiert.

Dass es überall dort im Bezirk, wo Asylwerber bereits untergebracht sind, absolut keine Probleme gibt, bestätigen die Ortschefs. „Das ist aber auch der Vorteil der kleineren Einheiten. Die Integration funktioniert sicher besser als bei größeren Quartieren. Auch wenn natürlich die Betreuung logistisch dadurch schwieriger wird. Bei uns geht Qualität vor Quantität“, sagt St. Georgens Bürgermeister Stefan Schuster.

„Es gibt zig Gerüchte und Begriffe, die durch die Gegend schwirren und am Stammtisch im Wirtshaus gerne verbreitete werden. Damit wird zum Teil auch Stimmung gemacht. Nur, diese Gerüchte beruhen großteils auf einem Informationsdefizit. Dem müssen wir als Gemeinden entgegenwirken“, betont auch der Grestner Bürgermeister Wolfgang Fahrnberger.