Erstellt am 07. September 2015, 08:46

Neo-Pfarrer Kowar: „Der Anfang ist immer schwer“. Mit 1. September übernimmt Josef Kowar die Pfarre Wieselburg. Wie es ihm

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Eines gleich vorweg, mit dem neuen Pfarrer Josef Kowar hat Monsignore Franz Dammerer den Nachfolger bekommen, den er sich immer gewünscht hat.

Schließlich war es ihm ganz wichtig, dass seine Pfarre von jemandem weitergeführt wird, der seinem Gefühl nach für die Menschen hier passt.

„Den wollte ich haben“, stellt Dammerer zufrieden fest und blickt zuversichtlich seiner Pension entgegen. Mit 1. September übernimmt Josef Kowar die Pfarre.

NÖN: Was haben Sie im Hinblick auf die Übernahme der Pfarre jetzt für ein Gefühl? Wie geht es Ihnen mit diesem Neuanfang?
Kowar: Im Moment ist es noch schwierig und irgendwie ein Ausnahmezustand. Ich wohne in einem kleinen Gästezimmer im Pfarrhof, der gerade renoviert wird – mit Lärm und Staub und allem, was dazugehört. Mir ist völlig klar, dass der Anfang hier nicht ganz einfach werden wird. Ich habe schon mehrmals Pfarren übernommen und stelle mich darauf ein, dass es auch diesmal eine große Herausforderung sein wird. Der Anfang ist immer schwierig. Jede Pfarre hat ihre eigenen Gegebenheiten, ihre Prägung und eigene Gewohnheiten. Als neuer Pfarrer weiß man nicht, wie man aufgenommen wird. Da ist immer auch Misstrauen dabei, das ist ganz klar. Und als Waldviertler im Mostviertel - da gibt es vermutlich auch Mentalitätsunterschiede. Das sind keine einfachen Dinge, aber sie werden sicher zu überwinden sein.

„Wie die Waldviertler: Ich möchte mir einmal alles ansehen“

Wie wollen Sie diese Startschwierigkeiten überwinden? Was ist Ihre Mission?
Den Waldviertlern sagt man nach, dass sie eher reserviert und abwartend sind. Die schauen sich alles gut an. So werde ich es wohl auch machen. Ich möchte mir einmal alles ansehen, schauen, wie das Pfarrleben bisher ausgesehen hat. Was gut ist, werde ich übernehmen. Ich werde mich mit den Leuten unterhalten, in den diversen Gremien viele Dinge auch diskutieren. In dem einen oder anderen Bereich werden wir gemeinsam auch Verbesserungen finden. Mir geht es in in erster Linie um ein gutes Miteinander. Mein Ziel ist, mit dem Team der Pfarre und den Pfarrangehörigen gemeinsam einen guten Weg zu gehen. Ein Miteinander im Glauben zu finden. Als mein Motto würde ich gerne sagen: Mit euch bin ich Christ und für euch bin ich Pfarrer.

Sie haben es selbst schon angesprochen, dass man als neuer Pfarrer nicht immer nur Wohlwollen erlebt, und dass sich vielleicht manche Menschen auch mit der Veränderung in der eigenen Pfarre schwer tun. Wie wollen Sie den Menschen in Wieselburg begegnen?
Eine Pfarre ist ein Panoptikum an verschiedenen Leuten. Jeder Einzelne hat seine Geschichte, seine persönlichen Erfahrungen. Ich möchte den Menschen vorbehaltlos begegnen. Gerade als Christ sollte man einander ohne Vorurteile gegenüberstehen und miteinander reden anstatt übereinander. Vor Gott sind alle gleich. Es ist mir ganz wichtig, dass wir uns gegenseitig stärken und stützen und füreinander da sein wollen. Es geht nur im gegenseitigen Vertrauen. Dass das erst aufgebaut werden muss, ist ganz klar. Allen Leuten kann man es nie recht machen, aber ich möchte allen gegenüber aufgeschlossen sein, jeden ernst nehmen und versuchen, die verschiedenen Beweggründe zu verstehen.

Warum sind Sie aus Schrems weggegangen?
Ich habe immer die Meinung vertreten, dass man die Pfarre irgendwann auch wieder wechseln soll. Es ist meiner Ansicht nach nicht ideal, wenn ein Priester vierzig Jahre oder noch länger ein Pfarre über hat, weil sich mit der Zeit Dinge einschleichen und sich irgendwann nicht mehr viel verändert. Es entsteht irgendwann ein Stillstand. Und das ist nicht unbedingt gut. Ich war aber gerne in Schrems und wollte eigentlich im Waldviertel bleiben. Das gebe ich zu. Aber Pfarrer Dammerer hat mich schließlich überredet, er hatte gute Argumente, die meine Entscheidung sicher positiv beeinflusst haben. Ein wesentlicher Grund war, dass er mir seine Unterstützung zugesagt hat und ich mir die Zusammenarbeit mit ihm wirklich gut vorstellen kann. Er macht vieles so, wie ich es auch machen möchte. Zum Beispiel mit den Bußfeiern, die in Wieselburg ja sehr gut angenommen werden. Das Credo von Pfarrer Dammerer, dass in der Kirche in Wieselburg jede und jeder willkommen ist, werde ich weiterführen.

„Seelsorge ist, mit Leuten in der Pfarre Freude und Leid zu teilen“

In Schrems mussten Sie zwei kleinere Pfarren mitbetreuen. Hier in Wieselburg haben Sie eine große Pfarre über, auf die Sie sich voll konzentrieren können. War das ein Grund für ihre Entscheidung?
Ja, eigentlich schon. Ich habe die Pfarren Langegg und Amaliendorf mitbetreut. Als Pfarrer für drei Pfarren ist man hin- und hergerissen. Man ist viel auf der Straße, immer unterwegs und man kann einfach nicht überall gleichzeitig sein. Das war vor allem bei den größeren Festen im Kirchenjahr – wie zum Beispiel zu Allerheiligen oder Ostern – wirklich anstrengend und irgendwie unbefriedigend. Ich bin keiner, der bei der Arbeit gerne auf die Uhr schaut. Mir ist der persönliche Kontakt zu den Menschen in der Pfarre sehr wichtig, ich möchte Zeit haben für persönliche Gespräche. Das war dort manchmal einfach nicht möglich. Man kann nicht alles gleichzeitig machen. Eine große Pfarre hat da Vorteile. Ich sehe hier in Wieselburg die Möglichkeit, mich mehr auf die Seelsorge zu konzentrieren, die mir auch wirklich sehr wichtig ist.

Sie sehen die Seelsorge als eigentliche Aufgabe eines Pfarrers. Was verstehen Sie darunter?
Seelsorge ist, mit den Leuten in der Pfarre Freude und Leid zu teilen, ihnen aus dem Glauben heraus eine Lebenshilfe zu geben, Möglichkeiten aufzuzeigen und den Menschen zu sehen und anzunehmen, wie er eben ist - mit all seinen Schwächen und Stärken. Mit allem, was ein Mensch eben erlebt und erfahren hat - und auch mit seinen Fehlern - umgehen zu können. Wandeln kann ich nur, was ich annehme. Auch das ist eine Hauptaufgabe von Seelsorge. Aus Fehlern wird man klug, sagt ein altes Sprichwort - da ist viel Wahres dran. Deshalb finde ich auch das Angebot der Bußfeiern so wichtig und wertvoll.

Im Mittelpunkt steht für Sie die Arbeit mit den Menschen. Im Laufe der Zeit werden auch viele andere Dinge und Fragen auf Sie zukommen. Etwa das Thema Pfarrzentrum, das in Wieselburg schon seit Jahren diskutiert wird. Wie stehen Sie dazu?
Wenn ich etwas mache, will ich es gut und überlegt machen. Manche Entscheidungen brauchen Zeit, gerade ein Pfarrzentrum muss wohlüberlegt sein. Natürlich ist gerade für eine Pfarre wie Wieselburg so ein Treffpunkt in unmittelbarer Nähe der Kirche wichtig. Man muss sich genau anschauen, welche Möglichkeiten es da gibt und wie die finanziellen Ressourcen ausschauen. Man muss sich bewusst sein, wenn man so etwas baut, dann baut man es für Generationen. Und dann muss es auch mit Leben erfüllt werden, damit sich der Aufwand dafür steht.

Sie haben sich in zahlreichen Gesprächen mit Ihrem Vorgänger schon gut auf Ihre Aufgabe hier in Wieselburg vorbereitet und wirken sehr entschlossen. Trotz aller Anfangsschwierigkeiten, mit denen Sie vielleicht rechnen, sind Sie sehr optimistisch, oder?
Ja, ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Pfarrer Dammerer. Er hat mir gleich zu Beginn angeboten, dass er in Wieselburg bleiben und mir helfen wird, und auf diese Unterstützung freue ich mich natürlich. Wir kennen uns eigentlich, weil wir beide einmal Kaplan in Waidhofen an der Thaya waren. Vor einiger Zeit sind wir uns zufällig bei einer Pilgerreise in Lourdes wieder begegnet. Und ich war sehr überrascht, als er mich im Jänner dann angerufen hat. Ich habe Wieselburg ja nur vom Durchfahren gekannt. Aber Pfarrer Dammerer hat mich restlos davon überzeugt, dass das hier die richtige Pfarre für mich ist. Und wie überall gibt es bestimmt auch hier eine große Bandbreite an unterschiedlichen Menschen. Meine größte Herausforderung wird sein, dass ich im Gottesdienst für jeden Einzelnen wenigstens ein passendes Wort finde. Dass für jeden Gläubigen, in welcher Situation er auch gerade sein mag, wenigstens ein Satz dabei ist, den er sich mitnehmen kann und der ihm etwas gibt. Das ist meine Intention.