Erstellt am 17. November 2015, 05:13

Die Lücke von eineinhalb Tagen. Zwei Einsätze pro Tag hat der Scheibbser Notarztwagen im Schnitt. Doch auch im Bezirk gibt es bereits erste Notarztengpässe.

Selbst wenn es auch im Bezirk schon kleine Lücken bei den Notärzten gibt, so ist die sichere Versorgung der Bevölkerung weiterhin gewährleistet, sind sich Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter Kurt Schlögl (rechts) sowie Stefan Stängl und Lukas Hürner (von links) überzeugt.  |  NOEN, Christian Eplinger
Egal ob der Notarztwagen Scheibbs oder Waidhofen, das Notarzteinsatzfahrzeug Ybbs oder der Notarzthubschrauber Christophorus 15 aus Ybbsitz – jenes Notarzteinsatzmittel, das am schnellsten vor Ort sein kann, wird bei einem Notfall von der Leitstelle losgeschickt.

730 Mal war im Vorjahr der Scheibbser Notarztwagen im Einsatz, der mit zwei Notfallsanitätern des Roten Kreuzes Scheibbs und einem vom Land gestellten Notarzt besetzt ist. Doch seit Inkrafttreten des neuen Arbeitszeitgesetzes für Spitalsärzte mit Jahresbeginn, laut dem diese nur noch 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, klafft auch im Bezirk immer häufiger eine kleine Lücke im Notarztdienst.

Man ist im Landesklinnikum sehr bemüht,
die Notarztdienstpläne besetzen zu können.“
Stefan Stängl, Rotes Kreuz Scheibbs

„Wir sprechen hier von durchschnittlich eineinhalb bis zwei Tagen pro Monat, an denen unser Notarztwagen nicht mit einem Arzt besetzt werden kann“, erläutert der Scheibbser Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter Kurt Schlögl. Während der Rettungstransport Gemeindesache ist, liegt die Verpflichtung für den Notarztdienst beim Land.

„Wir haben eine sehr gute Kooperation mit dem Landesklinikum Scheibbs. Man ist dort wirklich sehr bemüht und versucht alles, um die Notarztdienstpläne besetzen zu können. Doch die Kapazitäten sind einfach enden wollend. Daher nutzen wir auch diese Notarztbörse. Das ist ein oberösterreichischer Verein, in dem Notärzte auf freiberuflicher Basis ihre Dienste anbieten. Rund die Hälfte unserer Dienste versehen bereits Ärzte der Notarztbörse, wir haben dort schon Stammkräfte. Trotzdem bleibt manchmal eine kleine Lücke übrig“, erklärt Stefan Stängl, zuständig für das Notarztwesen beim Roten Kreuz Scheibbs.

Notärztliche Versorgung ist auch dann garantiert, 
wenn unser Notarztwagen nicht mit Arzt besetzt ist“
Lukas Hürner, Rotes Kreuz Scheibbs

Daher hofft man auf die von Sozialminister Rudolf Hundsdorfer (SPÖ) mit Druck der Länder in Begutachtung geschickte Novelle des Sozialrechtsänderungsgesetzes, die bereits Anfang 2016 in Kraft treten könnte. Spitalsärzte dürften künftig dann zwar weiterhin nur 48 Stunden arbeiten, ihre nebenberuflichen Tätigkeiten, etwa beim Roten Kreuz, könnten sie aber als Freiberufler verrichten. Diese Arbeitszeiten würden dann nicht mit denen im Spital zusammengerechnet werden.

„Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn grundsätzlich gäbe es genügend Ärzte, die Notarztdienste verrichten wollen“, erklärt Kurt Schlögl. Bezahlt werden diese Dienste übrigens nach einheitlichen Stundensätzen – in Niederösterreich allerdings erst seit einem Monat.

Sehr viele ehrenamtliche Notfallsanitäter


Aber selbst in den seltenen Fällen, in denen der Scheibbser Notarztwagen gerade nicht besetzt ist, braucht man sich über die notärztliche Versorgung im Scheibbser Bezirk keine Sorgen zu machen. „Wir arbeiten sehr eng mit den umliegenden Notarztstellen zusammen und haben auch viele praktische Ärzte, die in solchen Fällen aushelfen und parallel zum als Rettungswagen umfunktionierten Notarztwagen ausrücken“, betont Lukas Hürner vom Roten Kreuz Scheibbs, selbst einer von derzeit 35 Notfallsanitätern, die beim Scheibbser RK im Einsatz sind.

Übrigens ist in Scheibbs bei den Notfallsanitätern der Anteil der ehrenamtlich geleisteten Dienste im nö-weiten Vergleich sehr hoch. „Praktisch alle Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste werden von ehrenamtlichen Notfallsanitätern verrichtet“, sagt Hürner.


Daten und Fakten

  • Der Verien „Notarztbörse“ besetzt seit mehr als zwölf Jahren Stützpunkte in weiten Teilen Österreichs. Alle qualifizierten Ärzte, die freiberuflich Notarzt-Dienste machen wollen, können Mitglied und dann vermittelt werden. Präsident ist Doktor Fritz Firlinger.

  • Ein Notfallsanitäter muss 520 Ausbildungsstunden absolvieren.

  • Insgesamt vergehen vom Notruf bis zum Eintreffen des Notarztes am Einsatzort durchschnittlich 12.40 Minuten. Damit liegt das niederösterreichische Notarztsystem weit unter den Hilfsfristen vergleichbarer Bundesländer, zum Beispiel in Deutschland. Niederösterreich: 12.40 Minuten (19.000 km2), Thüringen: 17 Minuten (16.000 km2).

  • Grundsätzlich wird bei einem 144-Anruf zwischen einem absoluten Notfall und einer nicht akuten Situation unterschieden. Liegt eine lebensbedrohliche Situation vor, rücken Notfallsanitäter und Notarzt aus. Ansonsten sind die Rettungssanitäter gefordert. Natürlich kann ein Notarzt jederzeit nachgefordert werden.

  • Die Einsatzradien der diensthabenden Notärzte überlappen sich. Die Versorgungsregionen sind damit bestmöglich abgedeckt.

  • Nicht-ärztliche Rettungsteams ergänzen das Notarzt-System und können via GPS permanent geortet und koordiniert werden.