Erstellt am 12. März 2016, 05:04

von Elisabeth Leichtfried

Patientin von Arzt abgewiesen. atientin äußert Empörung über Behandlung durch Arzt. Er nimmt dazu Stellung.

Was ist ein Notfall, was nicht? Für Ärzte ist es nicht immer leicht, darüber zu entscheiden.  |  NOEN, Shutterstock
Verärgert und gekränkt – so beschreibt eine junge Steinakirchnerin ihre Gefühlslage nach einem Telefongespräch mit Josef Krammer, dem Arzt, der in Steinakirchen vorletztes Wochenende Bereitschaftsdienst leistete.

Während ihrer Schwangerschaft leide sie unter starker Übelkeit und Kreislaufbeschwerden, berichtet sie. Sie musste sogar zweimal stationär im Krankenhaus behandelt werden. Um ihre Beschwerden zu bessern, wurde sie in Hausvisiten von ihrem Hausarzt mit Infusionen versorgt.

"Dringlichkeit war für mich nicht erkennbar"

Als sie aber mit akuten Beschwerden am Wochenende telefonisch den Arzt im Wochenenddienst kontaktierte, wurde ihr Wunsch nach einem Hausbesuch abgewiesen, schildert sie gegenüber der NÖN. Obwohl es ihr Zustand nicht erlaubte, wurde sie aufgefordert, am darauffolgenden Vormittag zur Ordinationszeit in die Praxis kommen – für sie in ihrem gesundheitlichen Zustand unmöglich. Sie musste das Wochenende ohne Infusion überstehen.

Dass es sich bei diesem Telefonanruf um einen derart dringlichen Fall handelte, das wäre für ihn nicht erkennbar gewesen, schildert der betroffene Arzt, Dr. Josef Krammer, auf Nachfrage der NÖN.
„Die Patientin kontaktierte mich wegen Kreislaufbeschwerden infolge ihrer Schwangerschaft. Die Dringlichkeit eines Hausbesuchs war für mich nicht ersichtlich“, nimmt er zu den Vorwürfen Stellung. Oft sei es schwierig, am Telefon einen wirklichen Notfall zu erkennen, erklärt er. Vor allem dann, wenn einem die Patienten nicht bekannt sind.

120 Patienten an einem Wochenende

An diesem Wochenende habe er in seiner Ordination insgesamt 120 Patienten zu behandeln gehabt, erzählt Krammer. Unter ihnen befanden sich dringendere Fälle als Kreislaufbeschwerden, berichtet er.
Hausbesuche seien darüber hinaus erst ab fortgeschrittenem Alter üblich, und nicht bei jüngeren Patienten, begründet er seine Entscheidung.

„Ich bin mir in diesem Fall keiner Schuld bewusst. Ich bemühe mich, alle meine Patienten zu ihrer Zufriedenheit zu versorgen.“ Dass ihm das in den meisten Fällen gelingt, das zeigen ihm die vielen positiven Reaktionen seiner Patienten, erklärt Krammer und gibt zu, über die aktuellen Vorwürfe auch ein wenig verärgert zu sein.