Erstellt am 19. Januar 2016, 05:03

von Karin Katona

Polka im Dirndl statt Tango im Ballkleid. Ballsaison / Formelle Bälle klagen über Besucherschwund. Im Trend liegen bodenständige Events – vor allem bei den Jungen. PURGSTALL, BEZIRK / Eröffnung durch die Volkstanzgruppe, Polka und Landler, das Publikum in Dirndl und Lederhosen –

Von der Eröffnung bis zur Mitternachtseinlage: ohne Jugend ist ein Ball zum Scheitern verurteilt. Und die tendiert in den letzten Jahren vor allem zu bodenständigen Veranstaltungen mit dem Dresscode Dirndl und Lederhose. Reiterer  |  NOEN

Eröffnung durch die Volkstanzgruppe, Polka und Landler, das Publikum in Dirndl und Lederhosen - immer mehr Ball-Fans wissen die gemütliche Atmosphäre bei Veranstaltungen wie dem Bauernball oder dem Landjugendball zu schätzen.

Während „formelle“ Bälle über Besucherschwund klagen, freuen sich Landjugend und Bauernbund über volle Ballsäle. Auch Martin Jandl vom Bauernbund Purgstall ist erfreut über die stets hohe Zahl an Gästen am Purgstaller Bauernball, der im nächsten Jahr sein 70. Jubiläum feiern wird:

„Der Bauernball ist für sehr viele, nicht nur für Landwirte, ein Fixpunkt im Ballkalender. Im Vorjahr hatten wir 600 Besucher. Was mich am meisten freut: 99 Prozent der Besucher sind in Tracht gekommen.“ Dirndl, Trachtenanzug und Lederhosen gewinnen als Ball-Outfit immer mehr an Beliebtheit.

Das bestätigt auch der Landjugend-Bezirksleiter Thomas Kellner, der heuer den Landjugendball im Purgstaller Ramsauhof veranstaltet: „Es ist ein regelrechter Siegeszug der Tracht, besonders bei den Jungen.“ Der Landjugendleiter selbst schätzt am Ball das Bodenständige und die ungezwungene Atmosphäre: „Bei uns herrscht eine Stimmung, die durch nichts zu überbieten ist.“

Nachwuchsmangel bei Ball-Organisationsteams

Während die bodenständigen Bälle boomen, ist der Purgstaller Ballkalender in den vergangenen Jahren um zwei Traditions-Bälle ärmer geworden. Der „Ball der Purgstaller“, veranstaltet von der SPÖ-Ortsgruppe, hat 2013 wegen akutem Besucherschwund zum letzten Mal stattgefunden. „Für die jungen Leute heutzutage sind Bälle nicht mehr so attraktiv. Es ist aber die Jugend, die einen Ball tragen muss. Der Nachwuchsmangel ist für viele Ballveranstalter der Grund, mit ihren Veranstaltungen aufzuhören“ bedauert SPÖ-Ortsparteiobmann Josef Fuchs.

Ähnliches war im vergangenen Jahr beim vorläufig letzten Ball der Sportunion Purgstall von Stefanie Brandstetter, der Chefin des Ballkomittees, zu hören: „Wir haben uns gewünscht, dieses gesellschaftliche Ereignis in jüngere Hände zu übergeben, konnten aber leider niemanden dafür begeistern.“

Eine „Auferstehung“ des Unionballs hält sie für möglich, „aber dann wahrscheinlich in anderer Form und mit der Handschrift eines neuen Organisationsteams.“ Sorgen um den Nachwuchs braucht sich der Purgstaller Bauernbundobmann Martin Jandl hingegen nicht zu machen: „Das Lebenselixir des Bauernballs ist, dass er gemeinsam mit der Purgstaller Landjugend veranstaltet wird und die Zusammenarbeit so gut ist. Ohne die Jungen ginge es gar nicht.“