Erstellt am 19. Dezember 2017, 05:00

von Jutta Streimelweger und Claudia Christ

Wondraczek: „Wirte sind keine Gesundheitspolizei“. Ärzte appellieren an Regierung, Entscheidung zu überdenken. Bezirks-Wirtesprecher Sepp Wondraczek setzt auf Eigenverantwortung.

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Die schwarz-blaue Regierung plant das vereinbarte Rauchverbot in der Gastronomie zu kippen. Ärzte sind entsetzt, viele Gastronomen atmen auf.

Bezirks-Wirtesprecher Sepp Wondraczek wünscht sich freie Hand für die Wirte.  |  NÖN

„Wir Lungenfachärzte sind bestürzt“, macht der Melker Lungenfacharzt Reinhold Neuwirth seinem Ärger Luft. Für den Unterstützer der Rauchverbot-Online-Petition hat sich das bereits in vielen EU-Ländern eingeführte Verbot bewährt.

„Dort konnte die Asthma- und Lungenkrebsgefahr vermindert werden“, weiß Neuwirth. Derzeit rauchen 26 Prozent aller Österreicher, darunter viele Schüler und Lehrlinge. Auch die Gefahr von Passivrauch ist wissenschaftlich erwiesen. „Am ärmsten sind Kinder, Schwangere, Herzpatienten und alle Menschen, die anfällig für Erkältungen sind“, so Neuwirth. Der Scheibbser Lungenfacharzt Rudolf Hofinger war zu einer Stellungnahme übrigens nicht bereit.

„Passivrauchen darf aus medizinischer Sicht keinesfalls unterschätzt werden.“Birgit Jung, NÖ Ärztekammer

Kritisch sieht auch die Ärztekammer das Vorhaben der neuen Regierung: „Eine Aufweichung der bestehenden Gesetze ist ein Rückschritt, der uns im internationalen Vergleich sehr schlecht dastehen lässt“, appelliert Sprecherin Birgit Jung.

„Viel wichtiger als unser Ansehen im Ausland ist allerdings die Gefahr durch Zigarettenrauch, dem wir junge Menschen und Angestellte in der Gastronomie aussetzen.“ Es sei eine Illusion, zu glauben, dass sich ein Kellner oder ein junger Mensch, der sich in der Gastronomie sein Studium finanziert, aussuchen kann, ob er im Raucherbereich arbeiten wolle oder nicht. „Passivrauchen darf aus medizinischer Sicht keinesfalls unterschätzt werden.“

Dass Rauchen schädlich ist, bekräftigt auch das Landesklinikum Scheibbs: „Lungenerkrankungen werden bei uns in großer Anzahl auf der Internen Abteilung behandelt“, erklärt Sprecherin Isabella Karner. Abteilungsleiter Karl Moyses erkennt einen Anstieg an bösartigen Bronchialkarzinomen, insbesondere bei Frauen, sowie ein Plus bei chronischen Lungenerkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen.

Wondraczek zweifelt an Dauer der Lösung

Positiver fallen die Meinungen zum gekippten Rauchverbot bei der Gastronomie aus. „Ich denke, dass jeder erwachsene Mensch selbst für sich verantwortlich ist und entscheiden kann, ob er raucht oder nicht“, pocht Bezirks-Wirtesprecher Sepp Wondraczek auf Eigenverantwortung. „Wir Wirte sind keine Gesundheitspolizei. Wir wollen auch selber entscheiden, ob bei uns im Lokal geraucht werden darf oder nicht.“

Zudem haben in den letzten Jahren viele Gastronomen eine Menge Geld in die Hand genommen, um Umbauten für einen Nichtraucherbereich zu machen.

Bei Eisenstraße-Wirtesprecher Markus Stadler darf geraucht werden.  |  NÖN

„Der Gesetzgeber prügelt uns Wirte seit 15 Jahren, man denke nur an getrennten Raucherbereich oder die Registrierkasse, den zusätzlichen Mehrwertsteuersatz mit 13 Prozent, das verpflichtende Anmelden von Aushilfen vor Arbeitsbeginn und vieles mehr. Das würde hier den Rahmen sprengen“, ärgert er sich.

Dass die jetzige Lösung eine endgültige ist, glaubt Wondraczek nicht: „Ich zweifle daran, dass das jetzt das letzte Mal war, dass wir mit dem Thema Rauchverbot zu tun haben. Schließlich handelt es sich um ein populistisches Thema und wer weiß, wie das die nächste Regierung sieht.“

Differenziert betrachtet Eisenstraße-Wirtesprecher Markus Stadler die Sache: „Es wäre gut, wenn es eine einheitliche Lösung gäbe. Jetzt ist der benachteiligt, der ein reines Nichtraucherlokal hat.“ In seinem Lokal in Reinsberg werde das Rauchen übrigens weiter wie bisher geregelt: „Unter der Woche kann beim Stammtisch geraucht werden, am Wochenende nicht – da sind dann auch keine Aschenbecher am Tisch.“ Generell habe da aber jeder Wirt eine eigene Linie.

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