Erstellt am 04. April 2017, 04:00

Zu alt für neuen Job. 58-jähriger Scheibbser steht trotz 125 Bewerbungen noch ohne Job da.

Rudi Zellhofer und seine Mappe mit den über 125 Bewerbungsschreiben und den vielen Absagen  |  CE

Rudi Zellhofer (58) aus Scheibbs ist gelernter Tischler, war Ende der 70er-Jahre vier Jahre lang am Bau in Deutschland tätig, ehe er zu einer großen Firma ins Mostviertel wechselte. Von 1981 bis 2015 arbeitete er sich dort vom Monteur zum Montageleiter für Großbaustellen hoch. Er verdiente sehr gut, vor allem auch bei Auslandsmontagen. Doch dann kam plötzlich die Wende.

Die Firma kündigte den damals 56-Jährigen so wie etliche Kollegen Zellhofers wegen wirtschaftlicher, struktureller Veränderungen. Seit Mai 2015 ist Rudi Zellhofer nun arbeitslos. Trotz Arbeitsstiftung sowie Unterstützung vom Arbeitsmarktservice, dem „Verein Initiative 50“ oder dem Verein „Jugend & Arbeit“ und persönlicher Betreuung durch Mp3.

"Schon 125 Bewerbungen geschrieben"

„Alle haben versucht, mir zu helfen – aber vergebens. Ich habe schon 125 Bewerbungen an die unterschiedlichsten Firmen geschrieben, von großen Unternehmen bis zu kleineren Firmen oder Institutionen. Ich bin auch bereit, als Quereinsteiger neu anzufangen und noch einmal etwas Neues zu erlernen. Doch bislang bekam ich nur Absagen, wenn überhaupt. Denn 40 Prozent der Firmen antworten gar nicht“, zeigt sich Rudi Zellhofer im NÖN-Gespräch frustriert.

Der häufigste Absagegrund: „Sie sind zu alt oder durch den Kollektivvertrag einfach zu teuer, auch wenn das die wenigsten Firmen so deutlich sagen. Meist heißt es: Sie passen nicht ganz in unsere Suche“, schildert Zellhofer und weiß, dass der Spruch „Mitarbeiter mit Erfahrung sind viel wert“ in Wahrheit nichts zählt.

Im Gegenteil. „Wenn bei einem Bewerbungsgespräch Abgänger höherer Schulen oder einer FH und ich nebeneinandersitzen, weiß ich, wer den Job bekommt“, sagt Zellhofer und kann es den Firmen gar nicht verübeln. In manchen Branchen hemmt auch der Kollektivvertrag zusätzlich. Denn da verteuern Zellhofers Berufsjahre das Einstiegsgehalt um ein Vielfaches.

„Meist spielen mehrere Faktoren zusammen“

Dieses Problem kennt AMS-Geschäftsstellenleiter Sepp Musil nur allzu gut. „Bei der Altersgruppe 50+ spielen meist mehrere Faktoren zusammen. Das Alter, oft verknüpft mit manch körperlichen Beschwerden, teilweise festgefahrene Qualifikationen, bis hin zum relativ teuren Gehalt“, weiß Musil.

Das AMS gewährt derzeit für die Gruppe 50+ einen 40%-igen Lohnzuschuss für Männer und 66,7%-igen Lohnzuschuss für Frauen als Eingliederungsbeihilfe. Diese Beihilfe muss vor Beginn eines Dienstverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitsmarktservice vereinbart werden. Dennoch ist jeder Dritte Arbeitslose im Bezirk der Gruppe 50+ zuzurechnen. Und diese Gruppe wächst am stärksten. Ende Februar waren im Bezirk Scheibbs 372 Über-50-Jährige arbeitslos, 258 waren davon Männer. Um acht Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Noch dramatischer wird die Situation, da auch die durchschnittliche Verweildauer dieser Gruppe in der Arbeitslosigkeit mit 200 Tagen deutlich höher liegt als etwa im Haupterwerbsalter (147 Tage). Dennoch haben 14.205 Niederösterreicher der Gruppe 50+ im Vorjahr über das AMS einen Job gefunden. „Wir versuchen, zwischen den beiden Seiten zu vermitteln so gut es geht. Doch leider klafft oft ein Loch zwischen Angebot und Nachfrage“, weiß Musil.
Rudi Zellhofer probiert es weiter, sucht die Stelleninserate ab und schreibt die nächste Bewerbung: „Ich will arbeiten, gerne bis 66 Jahre, wenn es der richtige Job ist. Aber es ist die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“