Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:02

von Claudia Stöcklöcker und Christian Eplinger

„Geisterwaggon“-Unfall : Verschubleiter verurteilt. Nach tödlichem „Geisterwaggon“-Unfall im Juli 2013 in Wieselburg wurde 62-jähriger Verschubleiter aus Deutschland wegen fahrlässiger Tötung zu acht Monaten bedingt verurteilt.

Am 20. Juli 2013 hatte sich der tödliche Unfall ereignet, für den sich der deutsche Verschubleiter nun vor Gericht verantworten musste.  |  NOEN, Plutsch/Archiv

Es war der 29. Juli 2013. Der zweifache Familienvater Leopold L., 55-jähriger Mitarbeiter der Firma StoraEnso aus St. Leonhard am Forst, war kurz nach 10 Uhr auf der Manker Straße in Richtung „Moser-Kreuzung“ unterwegs. Als er mit seinem Auto die Gleise der Erlauftalbahn überqueren wollte, brauste von links ein führerloser Güterwaggon, beladen mit zwölf Tonnen Erdreich und Gleisschotter daher.

3.120 Euro Strafe und acht Monaten bedingt 

Der „Geisterwaggon“ prallte in die Fahrerseite, schleifte das Auto 33 Meter weit mit. Wo die Schienen aufgrund der damaligen Bauarbeiten bei der Großen Erlaufbrücke endeten, überschlug sich das Fahrzeug und wurde unter dem Gewicht des insgesamt 25 Tonnen schweren Waggons regelrecht zerquetscht. Für Leopold L. kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch an der Unfallstelle.

„Dass ich nicht sorgfältig genug gehandelt habe, werfe ich mir vor. Aber wenn ich ausreichende Sicherheitsmittel von der ÖBB zur Verfügung gestellt bekommen hätte, wäre das nicht passiert“, sagt der 62-jährige Kleinwagenführer, der am Unglückstag als Verschubleiter für eine von der ÖBB beauftrage Firma tätig gewesen ist.

Er ist laut Staatsanwaltschaft für den Tod des St. Leonharders verantwortlich. Wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen wurde er im Prozess am Landesgericht St. Pölten zu 3.120 Euro Strafe und acht Monaten bedingt verurteilt (nicht rechtskräftig).

„Der Angeklagte ist der Unterste in der Reihe“

Bereits heuer im Juli hatte der Prozess gegen den 62-Jährigen Deutschen begonnen. Damals der Arbeiter erzählt, auf den Schotterwagen aufgesprungen zu sein und vergeblich versucht zu haben, den Waggon zu stoppen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, einen Klemmkeil zur Sicherung des Waggons zu lose angezogen zu haben und kein zweites Sicherungsmittel (Druckluftbremse) verwendet zu haben.

Der Prozess war damals vertagt worden, nun wurde ein Schulungsleiter einvernommen. „Klemmkeile dürfen seit 2006 nicht mehr verwendet werden“, sagte dieser. Mit Hemmschuhen hätte der Angeklagte sichern müssen. „Diese werden an ÖBB-Betriebsstellen bereitgestellt“, meint der Streckenschulungstrainer. Und: „Der Angeklagte wurde vor Arbeitsbeginn eingeschult. Er hätte es also besser wissen müssen.“

Richterin Doris Wais-Pfeffer sagt zum Angeklagten: „Sie sind der Unterste in der Reihe, wussten aber über Ihre Pflichten Bescheid. Sie haben sich nicht davon überzeugt, welche Sicherheitsmittel Sie brauchen. Deshalb haben Sie den tödlichen Unfall zu verantworten.“

Die NÖN berichtete: