Erstellt am 18. März 2016, 13:46

von Christian Eplinger und Jasmine Buchegger

StartUp punktet mit sechs Bier in 7 Sekunden. Österreichisches StartUp-Unternehmen erobert deutsche Fußballstadien. Mittendrin zwei Geschäftsmänner aus dem Bezirk Scheibbs.

Der Beejet zapft sechs Bier in sieben Sekunden, bis zu 1.000 Bier in einer Stunde und revolutioniert damit die Schanktechnik.  |  NOEN, Beerjet GmbH
Du bist im Fußballstadion und holst eine Runde Bier. Eine lange Schlange vor dem Kiosk. Du musst warten. Just in dem Moment schießt deine Mannschaft das Tor – ärgerlich, sehr ärgerlich. Wäre da nur die Schlange nicht gewesen ...

Genau da setzt das österreichische StartUp-Unternehmen „Beerjet GmbH“ mit seiner vollautomatischen Zapfanlage, dem Beerjet, an. Was kann dieser? Sechs Bier in 7 Sekunden ausschenken, bis zu 1.000 in einer Stunde. In immer gleicher Qualität, in immer gleicher Geschwindigkeit und in immer gleicher Menge – auf Knopfdruck.

„Wir brillieren überall dort, wo viele durstige Kehlen mit Bier zu stillen sind“, lächelt Max Weigl. Der Wieselburger weiß, wovon er spricht. Seit mehr als zehn Jahren verdient er mit Bier sein Geld – zuerst als Verkaufsleiter und Prokurist der Firma Stiegl, nun als Vertriebsleiter der Beerjet GmbH.

x  |  NOEN, zVg

Technische Know-How fehlte anfangs

Dabei war es am Anfang nur eine Idee. Im Jahr 2003 „banderten“ Thomas Schuller aus Weyer, der Reinsberger Ludwig Kleinlehner und Max Weigl in der Garage etwas herum. „Wir wollten die Zapftechnik revolutionieren. Aber uns fehlte etwas das technische Know How“, erinnert sich Max Weigl an die Anfänge.

2012 holten die Drei den Techniker Ernst Koller aus Bad Leonfelden ins Boot und gründeten ein Jahr später die Beerjet GmbH. Auf der Wiener Wiesn im Festzelt von Ludwig Kleinlehner hatte der damals noch 300 Kilogramm schwere Prototyp seine erste Bewährungsprobe. Weitere Testläufe im Echtbetrieb folgten.

Das Feedback wurde ausgearbeitet, der Beerjet adaptiert. „Wir haben in die Entwicklung rund 1,3 Millionen Euro gesteckt. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt gab es kein Zurück mehr, weil schon zu viel Geld im Spiel war. Im Februar 2015 hatten wir schließlich die Serienreife erlangt und begannen mit der Markt-Aquise in Österreich“, schildert Weigl.

Vertrag mit Rapid war die „Eintrittskarte“

Nur ein Monat später schloss man die ersten großen Deals ab: Mit der Stieglbrauerei in Salzburg, der Stützner Gruppe (unter anderem Wieselburger Volksfest-Wirt) und dem SK Rapid. „Der Vertrag mit Rapid und die Ausstattung für das neue Stadion, die Allianz-Arena, war unsere Eintrittskarte in die Fußball-Welt“, weiß Weigl.

Mit dem SK Rapid als Referenzprojekt begann man den deutschen Markt zu bearbeiten. „Wir hatten im Herbst in mehreren Stadien Teststellungen und bekamen überall positives Feedback. Der Durchbruch gelang uns aber mit dem Start der Frühjahrsrunde. Wir sind seitdem im Millerntor-Stadion vom FC St. Pauli und seit zwei Heimspielen auch im Signal Iduna Park von Borussia Dortmund vertreten“, erzählt Weigl stolz.

Ab sofort spielt Beerjet damit in der Champions League. Die Anfragen von deutschen Fußballstadien und großen Event-Veranstaltern – die Anlage gibt es auch in der mobilen Version für den temporären Einsatz – nehmen laufend zu. Eine N24-Reportage aus St. Pauli wurde auf Facebook innerhalb von 24 Stunden über 630.000 Mal angesehen.

Mittels der aktuellen CrowdInvesting Kampagne auf der Plattform Conda (www.conda.at) hat das in St. Florian situierte Unternehmen bereits über 500.000 Euro als weiteres Kapital beisammen, mit dem man die Internationalisierung vorantreiben will. Bis 23. März kann man noch online investieren.

Große Biermärkte im Visier

„Als nächstes haben wir die Märkte Tschechien, Belgien und Spanien im Visier. Aber Beerjet gibt es mittlerweile auch schon in Australien. Unser Vorteil: Wir können den Beerjet auf jede Biermarke, Biersorte und auch auf die gewünschte Schaumkrone oder die Außenbedingungen genau einstellen – und das, egal ob im Becher oder Glas, von 0,2 bis zu einem Liter“, erklärt Weigl – na dann: Prost!