Erstellt am 15. März 2016, 03:14

von Christian Eplinger

Täglich 217.000 m Wasser. Zusammenschluss des ein Kilometer langen neuen Stollens in Neubruck an II. Wiener Hochquellenleitung ist erfolgt. 17-Millionen-Euro-Projekt, eineinhalb Jahre Bauzeit.

Der Stollenneubau der II. Wiener Hochquellenleitung in Neubruck ist nach eineinhalbjähriger Bauzeit abgeschlossen. Täglich fließen rund 217.000 m3 Wasser durch diese Leitung vom steirischen Hochschwabgebiet in die Bundeshauptstadt.  |  NOEN, Wiener Wasser/Novotny

Die II. Wiener Hochquellenleitung ist eine der wichtigsten Lebensadern der Bundeshauptstadt und versorgt die 1,84 Millionen Wiener mit frischem Wasser bester Güte. In der Vorwoche erfolgte nach eineinhalbjähriger Bauzeit die Fertigstellung des 1,1 Kilometer langen Ersatzstollens „Neubrucker Lehenstollen“ und der Zusammenschluss an die II. Wiener Hochquellenleitung.

Irreparable Schäden am ursprünglichen Stollen, verursacht durch natürliche Hangbewegungen während der vergangenen Jahrzehnte, machten den Neubau notwendig. Nach der Fertigstellung und der Aufnahme des Normalbetriebs, strömen täglich rund 217.000 m³ Wasser durch den neuen Stollen nach Wien.

„In 36 Stunden von der Steiermark nach Wien.“

„Der Projektumfang ist ebenso beeindruckend wie die rasche und planmäßige Umsetzung. Die Wasserversorgung für die Wiener ist damit auf Jahrzehnte hin gesichert“, freute sich Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke, die sich beim Zusammenschluss persönlich vor Ort einen Eindruck verschaffte.

Der neue Stollen beginnt am längsten Aquädukt der Hochquellenleitung in Neubruck bei Scheibbs, und läuft tief in den Wolfsgrubkogel hinein, wo er mit der ursprünglichen Leitung zusammentrifft. Insgesamt wurden für den rund 1 km langen Stollen 20.000 m³ Ausbruchmaterial ausgehoben und 6.000 m³ Spritzbeton zur Stabilisierung aufgetragen. Die Innenschale mit einem Durchmesser von 2,4 Metern besteht aus 3.500 m³ Beton. Die Gesamtbaukosten betragen 17 Millionen Euro.

Übrigens: Die Fließzeit des Wassers vom steirischen Hochschwabgebiet ins über 180 Kilometer weit entfernte Wien beträgt 36 Stunden.
 


Zur Geschichte

Die Eingemeindung der Wiener Vororte in den Jahren 1890 bis 1892 führte zu Versorgungsschwierigkeiten mit Trinkwasser. So erfolgte im Jahr 1900 die Grundsteinlegung für die II. Hochquellenleitung. Bis zu 10.000 Arbeiter waren mit dem Bau der über 180 km langen Wasserleitung von den Quellen im steirischen Salzatal im Hochschwabgebiet bis nach Wien beschäftigt.

Am 2. Dezember 1910 wurde die II. Hochquellenleitung durch Kaiser Franz Joseph I. im Festsaal des Wiener Rathauses eröffnet. Seit damals werden auch die Springbrunnen im Rathauspark mit Hochquellenwasser betrieben.