Erstellt am 28. September 2015, 17:22

von Andrea Panzenböck

Ute Zechner-Gjeci: „Vielfalt macht reicher“. Die Schule ist ein Raum zum Üben. Ute Zechner-Gjeci und die Schüler der 5B des Gymnasiums Wieselburg üben sich seit Schulbeginn in Integrations- und Hilfsbereitschaft.

Ute Zechner-Gjeci, Biologin am Gymnasium Wieselburg, hat seit September drei Syrer in ihrer Klasse. Foto: privat  |  NOEN, privat

„Ihr bekommt drei neue Mitschüler“ – ein Satz, den man als Schüler durchaus öfter zu hören bekommt.

Dennoch war der Schulbeginn für die 5B-Klasse des BG/BRG Wieselburg heuer besonders: Hamza Al Hatem, Mohsen Alwakaa und Ayman Al Hatem, drei junge syrische Männer, die als unbegleitete Flüchtlinge nach Österreich kamen, erweitern nun die Klassengemeinschaft.



Die NÖN sprach mit Klassenvorstand und Integrationshelferin Ute Zechner über Integration, die Überwindung von Sprachbarrieren und darüber, wie schön es ist, helfen zu können.

NÖN: Wie hat die Klasse reagiert, als sie von den drei neuen Mitschülern erfuhr?
Ute Zechner: Am ersten Schultag sagte ich meinen Schülern, dass ab heute drei syrische Flüchtlinge in unserer Klasse sein werden. Ich erklärte ihnen grob die momentane Flüchtlingsproblematik und wie wir helfen können. Unsere Aufgabe ist es, die Jugendlichen beim Lernen der deutschen Sprache zu unterstützen, sie zu integrieren und ihnen unsere Werte zu vermitteln. Meine Schüler waren von Anfang an offen und nahmen die drei Burschen herzlich auf.

x  |  NOEN, privat

Wie funktioniert die Integration bis jetzt und wie gelingt es, die Sprachbarrieren zu überwinden?
Die erste Phase des Ankommens ist nun vorbei – die drei haben sich schon sehr gut eingelebt. Anfänglich wurde vor allem mit Englisch, wildem Gestikulieren (lacht) und der Hilfe eines Oberstufenschülers, dessen Muttersprache Arabisch ist, kommuniziert. Mittlerweile geht es auch schon auf Deutsch, wenn man sehr langsam spricht und alles wiederholt. Die drei Burschen haben täglich mindestens eine Deutsch-Stunde mit sehr engagierten Lehrern.

Gibt es Konflikte/Differenzen? Wenn ja, wie gehen Sie als Klassenvorstand damit um?
Konflikte würde ich es nicht nennen. Die drei fühlen sich halt mittlerweile so wohl, dass sie einige Eigenarten durchblicken lassen, was jedoch völlig normal ist. Es treffen hier zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander, weshalb es nun wichtig ist, den Jugendlichen unser Wertesystem näherzubringen. Alle zwei Wochen führen wir sogenannte „Feedback-Gespräche“ – die Jungs sind sehr offen und willig, Neues zu lernen. Meinen Schülern sage ich immer, dass sie auch ihre persönlichen Grenzen kommunizieren müssen. Jeder soll in dem Maße helfen, wie es für ihn/sie möglich ist. Sie handhaben das sehr professionell und mit viel Herz. Darauf bin ich stolz!

Ihr Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass wir Österreicher die Angst verlieren, durch Hilfsbereitschaft etwas zu verlieren. Das Gegenteil ist der Fall: Vielfalt macht immer reicher. Ein Beispiel aus der Biologie: Wie fad ist ein Weizenfeld, es bringt zwar kurzfristig mehr Ertrag, aber langfristig ist die vielfältige Blumenwiese sehr viel schöner und vor allem nachhaltiger und reicher! Natürlich darf man nicht blauäugig sein und seine Grenzen aus den Augen verlieren, aber es ist unsere Pflicht, zu helfen. Die derzeitige Situation kann auch als Chance gesehen werden – wir müssen es nur richtig angehen.