Erstellt am 07. Juli 2016, 05:00

von Karin Katona

Im Gespräch mit Suzie Heger. In ihrem 20. Jahr sind die wellenklaenge lunz am see frischer und lebendiger denn je zuvor. Intendantin Suzie Heger führt im NÖN-Gespräch durch die Geschichte des Festivals.

 |  wellenklaenge

Bald wird wieder Musik über die spiegelglatte Oberfläche des Lunzer Sees schweben – von 8. bis 30. Juli finden bereits zum 20. Mal die wellenklaenge lunz am see statt. Intendantin Suzie Heger warf für die NÖN einen Blick zurück in die Anfänge des außergewöhnlichen Kulturfestivals.

NÖN: 20 Jahre wellenklaenge – hätten Sie sich das je träumen lassen?

Heger: Aber nein, ich habe immer nur an das nächste Jahr gedacht. Dass es schön wäre, wenn es gut ankommen und weiter gehen würde. Wenn ich am Anfang schon gewusst hätte, wie groß das alles wird, hätte es mich wohl eher erschreckt (lacht). Nicht im negativen Sinn natürlich.

Woher kam damals die Idee zu einem Sommer-Kulturfestival in einer kleinen Gemeinde wie Lunz?

Heger: Entstanden ist der Wunsch aus den schönen Kindheitserinnerungen an Hauskonzerte in der freien Natur. Mich hat der Gedanke nie losgelassen, wie schön es ist, nach einem Konzert durch eine Wiese nach Hause zu gehen und nicht gleich mit dem Trubel der Großstadt konfrontiert zu werden. Ich hatte immer diese Verbindung von Kunst und Natur im Kopf. Ich finde, Kunst sollte man nicht in Museen wegsperren, sie muss leben.

Wie hat der Weg von der Idee zur Realisierung ausgesehen?

Heger: Vor 20 Jahren hat es kaum Sommer-Kulturfestivals gegeben, aber dann sind plötzlich so kleine Sachen aufgetaucht wie die Festspiele Reichenau oder Pürbach, und ich habe mir gedacht, warum sollte so etwas in Lunz nicht funktionieren?

Wie haben die Lunzer auf Ihre Festival-Idee reagiert?

Heger: Unterschiedlich. Ich bin buchstäblich von Tür zu Tür gegangen. Natürlich hat es die gegeben, die gesagt haben, wozu braucht man das, das interessiert doch keinen. Aber ich habe doch etliche Mitstreiter bekommen, zu allererst meinen Mann, der immer hinter mir gestanden ist. Ziemlich bald ist es dann zur Vereinsgründung gekommen, wo sich auch Martin Ploderer, der damals noch nicht Bürgermeister war, sehr engagiert hat.

Wie schafft man aus dem Nichts einen Kultur-Betrieb?

Heger: Ohne Vision geht nichts. Aber eine Vision allein ohne Bezug zur Realität führt unweigerlich ins finanzielle Debakel. Wenn man so etwas macht, muss man gut rechnen können. Aber ich bin Sternzeichen Jungfrau und daher gut im Organisieren. Ich war außerdem bei der Gründung des Theaters Drachengasse in Wien dabei und habe dort viel gelernt.

Und wie organisiert man Kultur ohne Veranstaltungsort?

Heger: Wir sind herum zigeunert, haben in Stadeln und auf Wiesen gespielt. Später haben wir dann sehr lang und ausführlich über einen fixen Veranstaltungsort nachgedacht. Es sollte etwas sein, das nichts kostet, wenn es nicht bespielt wird. 2004 haben wir dann die Seebühne bekommen. Damit hat für die wellenklaenge eine neue Ära begonnen.

Warum ist die Seebühne so besonders wichtig?

Heger: Sie ist nicht nur für das Publikum schön, sondern auch für die Künstler, die sie zu vielem inspiriert, was sie sonst nirgends machen. Hier spielen sie noch schöner als sonst (lacht).

Sie sind dafür bekannt, Ihre Künstler sehr zu verwöhnen ...

Heger: Ich habe größte Liebe und Respekt vor denen, die draußen auf der Bühne stehen und vor dem Publikum ihre Kunst zeigen und immer wieder dieses Wagnis eingehen. Es steckt so viel Arbeit dahinter! Wir wollen unseren Künstlern die besten Bedingungen bieten – das beste Klavier, den besten Tonmeister, die beste Tonanlage. Das ist ein Zeichen der Wertschätzung, das sie auch zu schätzen wissen. Das zeigt sich in den Konzerten. Und daran, dass sie gern wiederkommen.