Erstellt am 29. Mai 2012, 00:00

Wenn es nicht um die Schuldfrage geht. HISTORIE / Kammerstätter-Trilogie „Tragbares Vaterland“ zeigt auch die hoffnungsvolle Geschichte der Juden im Mostviertel.

Präsentierten die Trilogie „Unsere jüdischen Landsleute und ihr tragbares Vaterland“ sowie die weiterführenden Projekte: Buchautor und Initiator Johannes Kammerstätter, Moderatorin Daniela Zeller, Verleger Dieter Lahnsteiner, Schauspieler Erwin Leder, der Passagen des Buches vortrug, sowie Benjamin Humpelstetter, Johann Burgstaller und Sandra Binderlehner von der IT-HTL in Ybbs (von links), die als erstes Projekt die Homepage www.tragbaresvaterland.at gestalteten.EPLINGER  |  NOEN
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VON CHRISTIAN EPLINGER

WIESELBURG / Donnerstagabend im Festsaal des Schlosses Weinzierl. Dr. Johannes Kammerstätter, pensionierter Lehrer des Francisco Josephinums, und Dieter Lahnsteiner präsentieren ihre Buch-Trilogie „Unsere jüdischen Landsleute und ihr tragbares Vaterland“. Fred Antscherl sitzt gemeinsam mit seiner Frau in der ersten Reihe, direkt neben den Ehrengästen der hohen Politik. Er ist 1930 in Scheibbs geboren und mit acht Jahren mit seiner Familie vor den Nazis geflüchtet. „Wir hatten Glück. Anders als viele andere jüdische Familien, die es heute nicht mehr gibt“, erinnert sich Antscherl, der heute mit seiner Frau in London lebt, aber immer wieder in seine alte Heimat zurückkommt. Jetzt umso lieber, da es dank Kammerstätter neue Kontakte mit jüdischen Familien aus dem Mostviertel gibt.

„Ich liebe trotz all dem, was mir widerfahren ist, diese Region. Allerdings kommen die Bilder unserer Flucht, die der Hakenkreuz-Fahnen in den Scheibbser Straßen und die Beschimpfungen meiner Familie immer wieder einmal hoch“, weiß Antscherl, dass er das Erlebte nie vergessen wird.

Genau diesen Erlebnissen und Familiengeschichten, die sowohl die dunkle als auch die hoffnungsvolle Seite der Geschichte der Juden im Mostviertel zeigten, widmet Johannes Kammerstätter seine Trilogie „Tragbares Vaterland“. Dabei geht es ihm und allen Mitwirkenden nicht um die Schuldfrage, sondern um ein Zusammenführen und Aufarbeiten der Geschichte(n). „Wir sind nur die Katalysatoren, aber wir dürfen die Geschichte nicht stören“, betonte Kammerstätter, der sich seit dem FJ-Schulprojekt der Restaurierung des jüdischen Friedhofs in Ybbs im Jahr 2002 mit der Geschichte der Juden im Mostviertel auseinandersetzt. So auseinandersetzt, wie es noch keiner vor ihm getan hat. Und das Schöne daran ist: Diese Auseinandersetzung geht weiter.

www.tragbaresvaterland.at