Erstellt am 25. April 2017, 04:01

von Christian Eplinger und Johannes Reiterits

Schneefräse statt Rasenmäher. Der Frühling legte eine Pause ein. Der April macht, was er will. Schneemassen teilten den Bezirk.

Schnee ist im heurigen Winter in der Region sicherlich keine Mangelware gewesen. Und dennoch: So viel Schnee innerhalb so kurzer Zeit, wie es am vergangenen Mittwoch und Donnerstag – immerhin der 19. und 20. April – in Göstling, Lunz und Gaming schneite, hat es den ganzen Winter nicht gegeben. Dabei wurde der Scheibbser Bezirk zweigeteilt. Denn während es von Wieselburg bis Scheibbs – zumindest in den niedrigeren Lagen – grün blieb, glich die Landschaft ab Kienberg beziehungsweise St. Anton einer wunderschönen Winterlandschaft. Einziges Manko: Frau Holle hatte sich in der Jahreszeit vertan.

Dauer-Schneefall am Mittwoch & Donnerstag

Während in den letzten Wochen schon die ersten Spaziergänger und Radfahrer unterwegs waren, griff man am Mittwoch eifrig zu Schneeschaufel oder Schneefräse anstatt zum Rasenmäher. Der Schneefall hatte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch begonnen und dauerte bis Donnerstagmittag an. Erst gegen Donnerstagnachmittag begann sich die Lage zu beruhigen.
Alle Schneeräumfahrzeuge – egal ob seitens der Straßenmeisterei, der Gemeinden oder von Privaten waren im Einsatz, um die Straßen so gut es geht zu räumen. Doch ganz ohne Behinderungen im Nahverkehr und Schneematsch selbst auf den Hauptverkehrsverbindungen ging es an diesem Tag nicht. Auch die Buslinien meldeten größere Verspätungen.

„Wir waren natürlich durch die Wettervorhersagen gewarnt und vorbereitet. Aber mit diesen Massen hatten wir ehrlich gesagt um diese Jahreszeit nicht mehr gerechnet. So viel Schnee innerhalb von 24 Stunden gab es heuer im gesamten Winter nie. Am Zellerrain waren es bis zu 150 Zentimeter“, weiß auch der Gaminger Straßenmeister Erich Pfeffer.

Schwierige Räumung ohne Schneestangen

Seine Mannschaft war mit allen Fahrzeugen – sieben Lkws und drei Unimogs – Mittwoch und Donnerstag praktisch rund um die Uhr im Einsatz. Das Schwierige daran war, dass in vielen Bereichen auch die Schneestangen bereits abmontiert wurden. „Am Anfang konnten wir uns noch an den Straßenpflöcken orientieren, aber dann war die Erfahrung und das Können unserer Schneepflugfahrer gefragt“, weiß Pfeffer.
Auf der B71 Zellerrain und der B20 Winterbach herrschte am Donnerstag Kettenpflicht. Die B71 war auch über das Wochenende zwischen Holzhüttenboden und Nestelberg wegen Lawinengefahr noch gesperrt. Ebenso die Hinterleiten zwischen Lackenhof und Lunz.

Insgesamt konnten die Göstlinger am Donnerstag rund einen Meter Schnee vor ihrer Haustür messen – wohlgemerkt im Ortskern. Ähnlich auch die Situation in Lunz am See und Lackenhof. Hier ist die Schneedecke in etwa gleich hoch. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) betreibt in Lunz eine Messstation. „In Lunz am See lagen am Donnerstag in der Früh 86 Zentimeter Schnee. Das gab es hier in der zweiten Aprilhälfte seit Messbeginn im Jahr 1896 noch nie. Der Rekord für den gesamten April liegt in Lunz bei 170 Zentimeter am 1. April 1944“, erklärte ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik.

Sehr ungewöhnlich sind in Lunz laut Orlik auch die Neuschneemengen in 24 Stunden. Von Dienstag auf Mittwoch schneite es hier 21 Zentimeter, von Mittwoch auf Donnerstag 65 Zentimeter. Ähnlich starken Schneefall in so kurzer Zeit gab es in der zweiten Aprilhälfte in Lunz zuletzt in den Jahren 1980 und 1973.

Schnee stört auch Fußballmeisterschaft

Problematisch ist der Wintereinbruch für die Fußballvereine im südlichen Teil des Bezirks. Das Heimspiel des FC Raika Göstling gegen Wallsee am Sonntag musste wegen der Schneelage am Platz abgesagt werden. Auch der ASKÖ Lunz und der ASV Kienberg zittern um ihre Heimspiele in der kommenden Woche.