Erstellt am 22. März 2016, 05:04

von Christian Eplinger

Würdiges Leben bis zuletzt. 211 Patienten wurden im Vorjahr auf der Palliative Care-Station in Scheibbs betreut. Für viele ist es die letzte Phase ihres Lebens – diese soll möglichst angenehm sein.

Im Raum der Stille haben Angehörige die Möglichkeit, sich ein letztes Mal von ihren geliebten Menschen zu verabschieden.  |  NOEN, Eplinger

Der Schmetterling als Symbol der Auferstehung ist ein Motiv der Palliative Care-Station im Landesklinikum Scheibbs. Eine Station, in der sich Patienten, Angehörige, Ärzte und Pflegeteam 365 Tage im Jahr mit dem Tod auseinandersetzen, in der aber dennoch das Leben im Mittelpunkt steht. Ein Leben in einem Zimmer mit Balkon, mit Aussicht auf den Patientengarten und einer Dachterrasse mit Ötscherblick.

„Viele unserer Patienten kommen in ihrer letzten Lebensphase zu uns. Die meisten leiden an einem unheilbaren Tumor oder anderen chronischen Krankheiten. „Wir bemühen uns, den Patienten und ihren Angehörigen in jeder Phase der Erkrankung zur Seite zu stehen und Beschwerden zu lindern“, schildert Stationsärztin Alexandra Egger.

"Es wird auch viel gelacht"

Eine entsprechend friedvolle Atmosphäre herrscht auf der Palliativstation. Alles läuft ein wenig ruhiger, weit weniger hektisch als in anderen Bereichen des Klinikums ab. „Trotzdem wird auch viel gelacht. Lachen gehört zur Lebensqualität und diese wird bei uns großgeschrieben“, weiß Stationsleiterin Petra Schweighofer.
So steht die Erfüllung bestimmter Wünsche der Patienten oft auch im Vordergrund. Erst vor Kurzem wollte eine jüngere Frau nochmals Sekt mit Erdbeeren genießen. Eine andere wollte noch einmal den Schnee spüren. Andere beginnen in dieser Phase zu malen oder zu töpfern oder haben bestimmte Lieblingsspeisen, die vom Küchenteam nochmals zubereitet werden. Es gab sogar schon standesamtliche Trauungen auf der Palliativstation.

„Erfüllung der Wünsche der Patienten steht im 
Vordergrund – egal ob Sekt mit Erdbeeren, den 
Schnee spüren oder auch mal eine Zigarette.“
Petra Schweighofer

„Alles natürlich in enger Abstimmung mit den Angehörigen. Viele Patienten haben aber ein bestimmtes Ziel vor Augen, für das sie die letzte Kraft aufbringen und das sie meist auch erreichen“, erzählt Schweighofer.
Das Palliative Care-Team ist stets bemüht, die Bedürfnisse des Patienten und der Angehörigen in Gesprächen zu erkennen, gemeinsame Ziele zu finden und so weitere Schritte oder Therapiemaßnahmen zu planen. 

Hier ist die Zusammenarbeit zwischen Pflege- und Ärzteteam entscheidend. Unterstützung gibt es dabei von zwei Psychologinnen, einer Diätologin, Physiotherapeuten und einer Seelsorgerin. „Es gibt jeden Tag mittags eine interdisziplinäre Besprechung aller anwesenden Mitarbeiter. Der gegenseitige Austausch ist gerade bei unserer Station enorm wichtig“, weiß die ärztliche Leiter in Birgit Kum-Taucher – und für viele auch persönlich eine Hilfe.

Denn der Umgang mit dem Tod fällt nicht immer leicht – vor allem, wenn man Patienten persönlich kennt. Im Vorjahr starben 63 der 211 Patienten auf der Palliative Care-Station. „Im Raum der Stille können sich Angehörige zurückziehen und sich von verstorbenen Patienten verabschieden oder gemeinsam beten“, schildert Petra Schweighofer.

Das Scheibbser Palliative Care-Team agiert nicht nur stationär, sondern auch mobil – sowohl im Klinikum als auch außerhalb. „Da ist die Zusammenarbeit mit den anderen Stationen, den Hausärzten, der Hauskrankenpflege und auch dem ehrenamtlichen Hospizverein für uns ganz wichtig. Denn gerade der Erstkontakt mit der Palliativstation ist für viele eine Hemmschwelle“, erklärt Kum-Taucher.

Übrigens: Die acht Palliativbetten im Landesklinikum Scheibbs sind fast durchgehend belegt. Es gibt Wartelisten.