Retz

Erstellt am 13. April 2017, 11:55

Viele Raritäten im Fahrradmuseum in Retz. Von Laufrädern und Waffenrädern bis hin zu Hochrädern und Kinderrädern – all diese und mehr Rad-Raritäten sind, liebevoll restauriert, im Fahrradmuseum in Retz ab 1. Mai zu bestaunen.

„Kommen Sie nur rein. I bin gleich fertig“, ist aus der hintersten Ecke des Museums zu hören. Das Gesicht zur Stimme ist gar nicht so leicht zu finden zwischen den vielen Rädern. Doch plötzlich steht er da, Fritz Hurtl, in seinem Reich, dem Fahrradmuseum unter dem Schüttkasten im Schloss Gatterburg in Retz. Es ist Ende März und für den umtriebigen Chef des Museums gibt es schon allerhand zu tun und zu reparieren, bevor die neue Saison am 1. Mai startet.

225 Räder ausgestellt

Auf sage und schreibe 225 Räder ist die Sammlung seit der Eröffnung 1999 und der Vergrößerung 2016 angewachsen. Zu sehen sind unter anderen Hochräder, Waffenräder, Sporträder und auch ein kleines, feines Sortiment von Highrisern, die bei so manchen rund um die 50 sofort Kindheitserinnerungen an wilde Ausfahrten und zerschundene Knie wach werden lassen.

"Hobby-Horse" ohne Pedale

Altersmäßig sind die Stars der Ausstellung zwei Laufräder aus Holz, nicht über Pedale und Kette angetrieben, sondern durch Abstoßen mit den Füßen von der Straße. Beide Räder stammen aus der Zeit um 1820. Eines, das Laufrad der Marke Burg, wurde in Wien hergestellt, das andere, das Hobby-Horse, in England. Den Weg ins Fahrradmuseum hat es aber über Frankreich gefunden. Ein Wiener Antiquitätenhändler hatte es dort bei einem Besuch der Großmutter entdeckt und schließlich Hurtl verkauft. „Zu einem sehr fairen Preis“, betont er.

"Jung und Alt kommen zu uns"

Immer noch auf der Suche nach besonderen zweirädrigen Kostbarkeiten setzt sich Hurtl so um die 150-mal im Jahr ins Auto, um dann die eine oder andere Rarität mit nach Retz zu nehmen. Oft ist es auch so, dass Besucher sich an ein altes Zweirad auf dem Dachboden zu Hause erinnern und es vorbeibringen. Bevor die Räder dann ausgestellt werden, legt Fritz Hurtl erst einmal Hand an und bringt es auf Vordermann für die rund 2.000 Besucher Jahr für Jahr. „Jung und Alt kommen zu uns, wobei ich mir wünschen würde, dass mehr Schulklassen dabei wären“, so Hurtl.

Sonderausstellung zum Jubiläum

Und wie hat eigentlich alles für den gelernten Landmaschinenschlosser und Automechaniker begonnen? „Ich wollte vor 35 Jahren aus alten Rädern etwas basteln“, erzählt er. Über ein Inserat hat er in Folge nach fehlenden Bestandteilen gesucht. Bekommen hat er aber binnen kürzester Zeit 15 alte Fahrräder. „Ab diesem Zeitpunkt war ich mit dem Sammelvirus infiziert!“

Ein Besuch beim Herrn der Räder und dem Team von ehrenamtlichen Helfern des Vereins „’s Fahrradl im Schloss“ lohnt allemal, nicht nur, weil es zum 200-Jahr-Jubiläum des Fahrrades 2017 eine Sonderausstellung gibt. Dabei erfährt man mehr über den allseits bekannten Rad-Erfinder Karl Freiherr von Drais, aber auch über eine Zeichnung eines Herren auf einem Laufrad aus dem Jahr 1791 (also einige Jahre vor Drais) und was es damit laut Hurtl auf sich hat ...