Erstellt am 26. April 2017, 13:37

von Christiane Buchecker

Raxblick und Hundeglück. Irish Terrier Cilli ging erstmals auf Wanderschaft. Der Hündin gefiel’s bei Kaiserwetter am Raxplateau, ebenso ihren Freundinnen Kathi und Christiane.

Tagwache: 5 Uhr in Langenlois! Früh aufstehen muss sein, denn: Der Berg, die Rax, ruft! Während die Zweibeiner Kathi und Christiane sich noch den versäumten Schlaf aus den Augen reiben, ist Vierbeiner Cilli, eine eineinhalbjährige Irish-Terrier-Hündin, schon bewundernswert aufgeweckt und voller Tatendrang. Halsband, Leine, Beißkorb und Hundeproviant hat ihr Frauerl, die Winzerin Barbara Öhlzelt, für die geplante Eintages-Wandertour schon griffbereit zusammengepackt.

Los geht’s! Für Barbara heißt das leider zu Hause bleiben, um ihre Weingärten zu hegen und zu pflegen, für das Wandertrio Kathi, Christiane und Cilli die Fahrt nach Reichenau an der Rax anzutreten. In St. Pölten: dunkle Wolken und Nieselregen. In Lilienfeld: dunkle Wolken und Starkregen. Das geht gar nicht! Wo sind die von der Wetter-App versprochene Sonne und der blaue Himmel? Ein Telefonat mit Bernd Scharfegger, dem Besitzer der Rax-Seilbahn und als Einheimischer vor Ort, beruhigt: „Bei uns reißt es schon auf.“

Diesem Mann kann man glauben. Kaum aus dem Auto in Hirschwang, einer Katastralgemeinde von Reichenau, ausgestiegen, erfreut Postkartenwetter. Einzig finster ist nur mehr der Blick von Cilli beim Anlegen des Beißkorbes für die Fahrt mit der Seilbahn rauf zum Raxplateau. Acht Minuten geht es aufwärts, von 528 auf 1.547 Höhenmeter. Das hat was. Gänsehautfeeling beim Blick ins Tal und in die Weite bis zum Horizont.

Paradies für Hund & Mensch

Oben angekommen, das Obensein und Hinunterschauen noch bei einem Häferlkaffee genießen und kräftig durchatmen. So lange, bis Cilli nach Terriermanier die Langeweile überkommt und sie ungeduldig zum Aufbruch bellt. Gut, soll so sein. Auch wenn heute nur die leichte Familienstrecke (Variante 4 beim Hüttenhüpfen, Länge: zehn Kilometer, Dauer: rund vier Stunden, nicht zu steil rauf und runter, keine schmalen Wege und Stege, die Trittsicherheit voraussetzen) auf dem Wanderprogramm steht, muss doch der erste Schritt einmal getan werden. 

Auf einem Schotterweg geht es Richtung Ottohaus. Latschen, Wiesen und Nadelbäume rechts und links des Weges, Paragleiter am Himmel und zwei ältere Herren mit Walkingstecken, die flotten Schrittes vorbeiziehen. Die Oma ist mit ihrem Enkerl unterwegs, Familien mit Kindern aller Altersschichten sind in Ausflugsstimmung und lassen es sich an diesem Spätsommertag einfach gut gehen. Viele haben ihre Wanderschuhe geschnürt, aber nicht zu viele. Und alle sind, so der Eindruck, guter Dinge und Stimmung. Und Cilli? Ihr gefällt’s auch, obwohl sie nicht von der Leine gelassen wird. Die Tour ist hundefreundlich, außerdem trifft sie vom Golden Retriever bis zum Spaniel viele ihrer haarigen Artgenossen und es gibt Neues zu sehen und zu erschnüffeln.

Nach einer Stunde ist das Ottohaus (1.644 Meter Seehöhe) erreicht. Hier hat sich schon Sigmund Freud niedergelassen und gestärkt. Die Eierschwammerlsauce mit Knödeln wird geteilt, denn nicht der große Hunger muss gestillt werden, nur der Gusto. Kaum ist der Teller leer, wird er von Hemji abgeräumt. Der zierliche Mann mit dem freundlichen Lächeln kommt aus Nepal und hat dort als Sherpa schon mehrmals 8.000er bestiegen. Seit einigen Jahren arbeitet er in der Hochsaison hier im

Ottohaus. Heimweh? Mit der Rax und dem Schneeberg vor der Haustür, die seinen Bergen in Nepal ähnlich sind, nur ein bisschen niedriger, sei es leichter, sagt er. Und lächelt wieder.

Nach einem Abstecher zum sehenswerten Alpengarten mit rund 200 Pflanzen führt der Seeweg weiter bis zur Neuen Seehütte. Neben den Latschen und auch schon alpinem Gelände schadet es nicht, die Beschilderung im Blick zu haben. Diese zeigt übrigens auch Wanderern mit Orientierungsschwächen klar den Weg. Und beim notwendigen Entschleunigen hilft der Hund, denn Wasserpausen müssen immer wieder mal sein.

Orange, gelb, blau – wie bunte Stecknadeln sehen sie von der Ferne aus, die Kletterer in der Preinerwand. Zu viert erklimmen sie gerade den steil aufragenden Fels, Höhenangst ein Fremdwort. Dann doch lieber sicheren Pfades zur Seehütte. Die tibetischen Gebetsfahnen vor der Hütte wehen im Wind. So tragen sie, sagen Gläubige, bis sie vollständig verwittert sind, die Gebete dem Himmel zu. Das Dreimäderlhaus erfreut sich mehr an den irdischen Genüssen. Der hausgemachte Apfelstrudel muss sein, auch ein Weizenbier. Der Blick auf die Uhr mahnt schließlich ein paar Minuten nach 15 Uhr zum Aufbruch. Man gelangt auch über den Kammweg mit Preinerwandgipfel und Jakobskogel zurück zum Ottohaus. Da Cilli aber doch schon etwas müde dreinblickt, geht es langsam, aber doch stetig wieder über den Seeweg zurück zum Ottohaus und dann zur Bergstation. Seilbahnchef Bernd wartet schon und fährt mit hinunter ins Tal. „Nicht im Westen wurde die erste Personen-Seilschwebebahn Österreichs auf einen Berg gebaut. Nein, hier auf der Rax hatte man die Nase vorne“, blickt er zurück, um gleich wieder im Jetzt mit einem stolzen Rundumblick in der Kabine seiner Seilbahn zu sein: „Zum 90-Jahr-Jubiläum haben wir sie saniert und modernisiert.“ Das alles interessiert Cilli nicht mehr – die Sommerfrische auf der Rax hat sie hundemüde gemacht. www.raxalpe.com

Wandern mit dem Hund

Vorbereitung auf die Tour: Man informiert sich im Vorfeld, ob der Hund auf die ausgewählte Wanderung überhaupt mitgenommen werden darf. Wenn ja, muss man Infos einholen, ob die Tour überhaupt hundetauglich (schmale Stege, ...) ist.

Ausrüstung: Für kürzere Wanderungen ohne alpines Gelände kann ohne Weiteres ein Halsband verwendet werden. Für längere und schwierigere Touren eignet sich ein Geschirr besser. Die Leine sollte 2 bis 3 Meter lang sein. Ersatzleine und Halsband mitnehmen. Auf den Wetterschutz für den Hund nicht vergessen.

Ein Erste-Hilfe-Set ist einzupacken. Befüllt sollte es mit Mullbinden, Hirschtalg- und Wundsalben, Pinzette und Zeckenzange sein. Auch Hundeschuhe für die empfindlichen Ballen sollten dabei sein. Notfallsets für Hunde mit kompletter Bestückung gibt es auch im Fachhandel zu kaufen.

Verpflegung: Kalorienreiches Trockenfutter, Leckerli und viel Wasser (es gibt auch faltbare Näpfe) einpacken.

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