Erstellt am 05. Juli 2016, 14:42

von Udo Sagl

Die „wanderbare“ Wunderinsel. Ein Hauch von Kilimanjaro, ein bisschen Grand Canyon: Natur hautnah erleben – 365 Tage im Jahr.

„Great! Grande! Großartig!“ Gipfelstürmer Andrew bringt seine überschäumende Begeisterung gleich dreisprachig zum Ausdruck.

Andrew ist aus Irland angereist. Und Teneriffa hat ihn – so wie Tausende andere Wanderer aus aller Welt – gleich bei der ersten Tour voll in den Bann gezogen. „Diese Bergwelt! Zum Greifen nah. Diese herrliche Naturvielfalt. Die gibt’s einfach nur hier.“

Fürwahr: Teneriffa gleicht einem Mini-Kontinent. (Fast) alle Landschaftsformen dieser Erde scheinen auf der „Wunderinsel“ vertreten zu sein – kahle Hochgebirgswüsten, schroffe Vulkankegel, tiefe Schluchten, immergrüner Lorbeer-Regenwald, dichte Nadelwälder, von Wellen umspülte Steilküsten, fruchtbare Hänge, tropische Gärten. Und über all dem thront der mächtige Teide, mit 3.718 Metern der höchste Berg Spaniens.

Oben Schnee und unten ein Blütenmeer

Naturliebhaber vergleichen ihn gerne mit dem Kilimanjaro: Monatelang mit Schnee bedeckt, ist der Teide-Gipfel wirklich eine imposante Erscheinung, die vor allem im Frühling äußerst fotogen aus dem bunten Blütenmeer hervorsticht. Und was die Superlative betrifft, wird der spektakuläre Anblick der Masca-Schlucht, im äußersten Westen gelegen, immer wieder mit dem Grand Canyon in Zusammenhang gebracht.

Die Landschaftswunder von Teneriffa. Sie haben einst schon den deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt in schwärmerische Euphorie versetzt. Als er 1799 während einer mehrjährigen Weltreise eine Woche auf der Insel verbrachte, tat er beim Anblick des fruchtbaren Orotova-Tales den viel zitierten Spruch: „Ich muss gestehen, noch nirgends ein so mannigfaches, so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde vor mir gehabt zu haben …“

„Walking Festival“ für Gleichgesinnte

Auf den Spuren von Humboldt: Ein dichtes Netz von Wanderrouten aller Schwierigkeitsgrade durchzieht die Insel. Einmal pro Jahr werden die Routen beim „Teneriffa Walking Festival“ gleichgesinnten Wanderfreunden aus ganz Europa vorgestellt.

Neben dem Teide-Nationalpark besonders beliebt: Anaga, das wilde Gebirge im äußersten Osten, lädt zu Touren durch urwaldartigen, betörend duftenden „Niederwald“ ein. Hier sind die Berge grüner und kantiger, und die Küste wirkt schroffer als in anderen Teilen der Insel.

Auch eine Welt für sich: Teno, die abgeschiedene Bergkette, die im Westen zur wahrlich gigantisch anmutenden Steilküste „Los Gigantes“ abfällt. Auf den Panorama-Wegen des Teno-Gebirges bietet sich, vom fröhlichen Gesang der finkenartigen Kanarienvögel begleitet, eine tolle Fernsicht auf die Nachbarinseln La Gomera und La Palma. Auch auf den zahlreichen Küstenpfaden gibt es immer wieder prächtige Aussichtspunkte und gepflegte Rastplätze.

Was fast alle Wege gemeinsam haben: Sie sind 365 Tage im Jahr begehbar und von unzähligen Blumen gesäumt. Einige von ihnen gibt’s nur hier – etwa den Teide-Natternkopf, der bis zu drei Meter hoch wird. Noch ein bemerkenswertes Unikum: Der Löwenzahnbaum macht seinem Namen alle Ehre und präsentiert sich als baumgroßer (!) Löwenzahn. Und die fast ebenso große Kanaren-Wolfsmilch ragt in bizarren Formen aus Lava-Gestein hervor.

„Ich verlasse die Insel fast mit Tränen …“

Kein Wunder, dass Romantiker wie Alexander von Humboldt in ewiger Liebe mit Teneriffa verbunden sind. So schrieb Humboldt beim Abschied voller Wehmut: „Ich verlasse die Insel fast mit Tränen in den Augen. Am liebsten würde ich ständig hier leben …“

Zum Thema:

Anreise. Air Berlin/Fly Niki bietet jeden Samstag (in der Wintersaison auch Mittwoch) einen Direktflug Wien-Teneriffa-Wien an (Hinflug am Nachmittag, Rückflug am Abend). Für individuelle Urlaubsplanungen eignen sich auch Flüge via Düsseldorf mit günstigen Anschlusszeiten (Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag; www.flyniki.com). Die AUA fliegt Teneriffa jeweils am Samstag und am Donnerstag an (www.austrian.com).

Informationen. Spanisches Fremdenverkehrsamt „Turespaña“ (www.spain.info/de_AT); Tourismus-Website von Teneriffa (www.webtenerife.com).

Hoteltipps. Hotel Valle Mar **** (www.hotelvallemar.com), Puerto de la Cruz, direkt an der Uferpromenade, guter Ausgangspunkt für Wandertouren;
Finca El Patio de Tita (www.fincaelpatio.com/en), ländliche Anlage inmitten einer Bananenplantage im Orotavatal, sehr herzliche Atmosphäre.

Teneriffa Walking Festival. Nächstes Wanderer-Treffen (www.tenerifewalkingfestival.com/de) ist von 23. bis 27. Mai 2017.

Angebote. Wanderreisen nach Teneriffa werden unter anderem von „Hauser Exkursionen“ angeboten (1010 Wien, Naglergasse 7/12, ( 01/5050346, info@hauser-exkursionen.at, www.hauser-exkursionen.de).