Erstellt am 10. Oktober 2016, 14:01

von Christine Haiderer

Heinz Haberfeld fordert Verbesserungen. NÖ-Apothekerkammer-Präsident Heinz Haberfeld über aktuelle Situationen, neue Anschaffungen, erwünschte Verbesserungen und erfolgreiche Aktionen.

Heinz Haberfeld, Präsident der NÖ Apothekerkammer, sieht in verschiedenen Bereichen Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel, was die von Spitalsärzten verschriebenen Medikamente betrifft.  |  NOEN, NÖN

NÖN: Bisher durften neue Apotheken in Österreich nur eröffnen, wenn den Nachbarapotheken je 5.500 zu versorgende Personen blieben. Diese Grenze war dem Europäischen Gerichtshof zu starr. Sie durfte dann nach einer Gesetzesnovelle nur in ländlichen und abgelegenen Gebieten unterschritten werden, was nun wieder kritisiert wurde. Wie ist der Stand der Dinge?

Haberfeld: In zwei Drittel aller EU-Länder gibt es eine Bedarfsprüfung nach demografischen und geografischen Bedingungen. Das ist EU-konform. Doch: Der Europäische Gerichtshof verlangt eine Unterschreitungsmöglichkeit der starren Grenze auch im städtischen Bereich, auch wenn Stadt und Land in Bezug auf die Infrastruktur nicht vergleichbar sind. Hier muss es eine Novelle geben. Wir hoffen, dass das bis Jahresende passiert.

Ein anderes Thema im Gesundheitswesen ist die elektronische Gesundheitsakte ELGA. Was bedeutet diese für Apotheken?

Mit Ende 2017 soll österreichweit ELGA auch in den Apotheken Einzug finden. Das bedeutet eine massive Aufrüstung, was die EDV anbelangt. Eine weitere Herausforderung ist die Fälschungsrichtlinie der EU. Bis 2019 müssen dabei neue Scanner angeschafft werden, damit jede Arzneimittelpackung kontrolliert werden kann. Die Industrie muss jede Packung mit einer eigenen Seriennummer codieren. Mit dem Scanner wird dann in der Apotheke jede Packung authentifiziert, das heißt auf Fälschung geprüft. Da fällt wahrscheinlich für die Apotheker viel mehr Arbeit an.

Und dann gibt es da auch noch die Gesundheitshotline Teweb, die Anrufer informiert, bei welchen Gesundheitsanbieter sie mit ihrem individuellen Problem am besten aufgehoben sind, beim Arzt, im Krankenhaus, in der Apotheke … Was sagen Sie dazu?

Ein Anliegen von mir wäre, besser in das Teweb eingebunden zu werden. Wenn es nicht notwendig ist, dass der Arzt extra zum Patienten fährt, sondern zum Beispiel ein Medikament nur erneut benötigt wird, könnte der Arzt vom Teweb ein Rezept ausstellen und das online an die Apotheke übermitteln.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach noch Verbesserungspotenzial im Gesundheitswesen?

Ein dringender Bedarf besteht darin, dass die Krankenkasse Rezepte, die vom Krankenhaus ausgestellt werden, automatisch anerkennt. Zurzeit muss ein Patient mit dem Arztbrief aus dem Krankenhaus zu seinem Hausarzt gehen, damit er in der Apotheke seine Medikamente holen kann. Das führt regelmäßig zu Problemen. Zum Beispiel, wenn der Patient am Freitag entlassen wird und sein Hausarzt aber keine Ordination mehr hat. Eine automatische Anerkennung erspart den Patienten viel Zeit und wäre eine Maßnahme des Bürokratieabbaus.

Ich wünsche mir mehr klinische Pharmazeuten in Krankenhäusern. Diese stellen viele Produkte für die Patienten selber her, zum Beispiel für ältere Personen, Säuglinge und Kleinkinder, Krebspatienten …, begleiten Ärzte bei der Visite, sind teils bei der Aufnahme und Entlassung der Patienten mit dabei, kümmern sich um Suchtmittelpatienten …

Und: Ich wünsche mir eine einheitliche Regelung bei den Zustelldiensten. Wenn jemand zum Beispiel eine Lungenentzündung, eine akute Blasenentzündung oder ein fieberndes Kind hat und nicht selbst in die Apotheke kommen kann, können Medikamente zugestellt werden. Kann der Apotheker selbst nicht weg, weil er Nachtdienst hat, ist er zwar immer telefonisch erreichbar, um die Einnahme zu erläutern, das Medikament bringen aber kann jemand anderer. Zurzeit gibt es in NÖ je nach Region unterschiedliche Lösungen, Kooperationen, mit Rettungsdiensten, Taxiunternehmen … Hier wäre eine einheitliche Regelung gut.

Im Sommer gab es etwa die Aktion „10 Minuten für meine Lunge“ mit Tests zu Asthma für 18- bis 40- Jährige und COPD für alle ab 40. Wie lief die?

21.000 Personen haben sich der Testung unterzogen. 15 Prozent zeigten Ergebnisse, die daraus schließen lassen, dass die Lungenfunktion nicht optimal ist. Ihnen wurde empfohlen, einen Lungenfacharzt aufzusuchen. Alle, die damals keinen Test gemacht haben, können zu einer weiteren Aktionswoche, von 14. bis 20. November, in Niederösterreichs Apotheken kommen.

Eine andere Aktion beschäftigte sich mit Bluthochdruck, oder?

Es ging darum, herauszufinden, inwieweit Patienten mit Hypertonie, die schon in Behandlung sind, den Zielwert von 140/90 trotz Medikamente übersteigen. Nur 41 Prozent der Hypertoniker waren richtig eingestellt. Dabei macht es einen Unterschied, ob sie von einem praktischen Arzt oder einem Internisten oder Kardiologen behandelt werden, welchen Bildungsgrad sie haben … Frauen sind besser eingestellt. Je älter die Patienten, desto weniger erreichen sie gute Werte. Und: Es ist zu hinterfragen, ob sich die Patienten an die Anordnungen ihres Arztes halten. Die Ergebnisse wurden in einem europäischen Top-Journal publiziert.