Erstellt am 14. April 2016, 06:14

von Christine Haiderer

Demenz in der Familie. In NÖ leben 22.000 Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Mehr als 80 Prozent werden von den Angehörigen gepflegt.

Hunderttausende Menschen in Österreich widmen sich der Pflege eines Angehörigen. Viele wegen Demenz.  |  NOEN, De Visu/Shutterstock.com

„Wenn ein Mensch, mit dem Sie eine Beziehung haben, Sie eines Tages nicht mehr erkennt, beleidigt oder kränkt, ist das eine ganz schwierige Situation“, beschreibt Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger. Bei Demenz aber kommt das vor. Und: „Oft gelangen Erkrankte und ihre pflegenden Angehörigen in Isolation.“ Umso mehr brauchen pflegende Angehörige Beratung, Hilfe und zeitliche Freiräume für sich.

Im Herbst wurde die Demenzstrategie für Österreich präsentiert. Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Roten Kreuzes, erscheinen drei Ziele besonders wichtig: Mehr Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zu entwickeln (etwa durch eine bundesweite Kampagne), Angehörige mehr zu entlasten (etwa durch Alltagsbetreuungsangebote) und österreichweit flächendeckend Demenzservicestellen zu schaffen.

Kompetenzstelle informiert, berät und schult

In NÖ gibt es vieles davon bereits. „NÖ arbeitet schon voll an der Umsetzung der Strategie“, so Lea Hofer-Wecer, Leiterin der Kompetenzstelle Demenz der Caritas Diözese St. Pölten. Die Kompetenzstelle informiert, berät und schult bereits seit zehn Jahren. Wichtig dabei: „Wir besuchen Angehörige und Menschen mit Demenz auch zu Hause.“  Immerhin fällt es vielen schwer hinauszugehen. Weil sie immer ein Auge auf ihre Angehörigen haben müssen oder diese nicht das Haus verlassen wollen. Neben Vorträgen, Schulungen usw. gibt es auch Angehörigen-Stammtische. Und: „In Arbesbach im Waldviertel haben wir eine Demenzgruppe.“ Einmal im Monat werden Betroffene hier drei Stunden lang betreut. Damit die Angehörigen Zeit für sich haben. Es wird gekocht, der Pfarrer schaut vorbei …

In der Erzdiözese Wien wiederum gibt es in Wr. Neustadt und Grafenbach bei Neunkirchen „Treffpunkt Zeitreise“. „Ein Angebot für beide“, so Norbert Partl von der Caritas. Während Demenzerkrankte singen, kegeln usw., können Angehörige sich austauschen, Fragen stellen und ihre Sorgen besprechen.

www.ig-pflege.at , www.caritas.at ,

www.selbsthilfenoe.at