St. Pölten

Erstellt am 05. Juli 2017, 12:08

von APA Red

"Ragweedfinder" soll Pollenallergiker warnen. In St. Pölten ist am Mittwoch der erste "Ragweedfinder" vorgestellt worden. Dadurch soll das Vorkommen des Unkrauts dokumentiert werden, um Pollenallergikern zu helfen.

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In Ostösterreich seien rund 20 Prozent der Allergiker betroffen, erläuterte Uwe E. Berger von der Medizinischen Universität Wien, die mit dem Pollenwarndienst kooperiert und als Informationsdrehscheibe fungiert.

Die Bevölkerung wird eingeladen, Funde des Unkrauts, das optisch dem Beifuß ähnelt und eine stark reizende Wirkung hat, im Internet bekannt zu geben und Fotos mitzuschicken, die für die Dokumentation genau kontrolliert werden. Verifizierte Funde werden in einer Ragweed-Fund-Landkarte eingetragen - ein Ragweed-Symbol mit roter Wolke bedeutet zum Beispiel eine sehr hohe Belastung, erläuterte Berger.

Die Website enthält darüber hinaus Informationen zu der Pflanze sowie eine Anleitung, Ragweed anhand seiner Merkmale zu erkennen. Noch seien die Bestände schlecht dokumentiert, sagte Berger. Man brauche auch die Symptomdaten, und es gehe darum, Bewusstsein für die Bekämpfung des potenten Allergieauslösers zu schaffen. Die Pollen können Heuschnupfen, Bindehautentzündungen und Asthma hervorrufen. Mithilfe der Landkarte könne ein Allergiker vermeiden, sich in einem Gebiet mit hoher Konzentration aufzuhalten.

Das nach 1945 aus Nordamerika eingeschleppte Unkraut aus der Familie der Korbblütler wird bis zu zweieinhalb Meter hoch. Es hat sich in Österreich breitflächig im Burgenland, in der Steiermark, Kärnten und Wien ausgebreitet, auch aus Tirol gebe es bereits Meldungen, hieß es in der Pressekonferenz. In Niederösterreich sei das Vorkommen - vor allem an Straßenrändern, Bahndämmen, auf "Gstettn", aber auch Feldern - vor allem im Weinviertel, Marchfeld sowie im Raum Neunkirchen massiv, sagte Landesrat Maurice Androsch (SPÖ). Im Bundesland setze man auf die mechanische Entfernung der Pflanzen und habe damit bereits erste Erfolge. Gesetzliche Maßnahmen zur Eindämmung von Ragweed gebe es bereits in Ungarn, Frankreich oder der Schweiz.

Während der Blühperiode - Ragweed hat unscheinbare, gelbgrüne Blütenkerzen - von Juli bis Oktober bilden einzelne Pflanzen bis zu 100 Millionen Pollenkörner, die vom Wind 200 Kilometer weit getragen werden. Die Pollen sind im August und September in der Luft feststellbar.

Wer Ragweed selbst ausreißen will, sollte unbedingt Handschuhe tragen und eventuell eine Atemmaske, wurde geraten. Da die Samen Jahrzehnte überdauern können, dürfe die Pflanze keinesfalls kompostiert werden, sondern sollte in einem Plastiksack im Restmüll entsorgt werden.

In der Pressekonferenz wurde neben dem volkswirtschaftlichen Schaden durch steigende Kosten im Gesundheitswesen aufgrund zunehmender Allergien auch auf mögliche Ernteausfälle in der Landwirtschaft verwiesen. Bauern seien verpflichtet, Ragweed-Bestände aus den Feldern - betroffen sind Äcker, Sonnenblumen-, Mais- und Kürbisfelder - zu entfernen.