Erstellt am 21. Juni 2016, 12:43

von APA/Red

Hitze ist "unterschätzte Gefahr". Passend zum kalendarischen Sommerbeginn hat Gesundheitslandesrat Maurice Androsch (SPÖ) am Dienstag in St. Pölten ein neues "Hitze-Warntool" präsentiert

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Vor Hitzewellen verschickt die ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) Warnungen an Krankenhäuser, Altersheime, Kinderbetreuungseinrichtungen, Freiwilligen- und Blaulichtorganisationen sowie die Ärztekammer.

Damit könne in der Planung und Patientenbetreuung rechtzeitig reagiert werden. Ähnliche Hitzeschutzpläne laufen laut Aussendung der ZAMG auch in Wien, Kärnten und der Steiermark.

Androsch sprach von einem Instrument, um präventive Maßnahmen einzuleiten und gleichzeitig für den Ernstfall gerüstet zu sein. Es gehe auch um die Sensibilisierung dafür, dass "Hitze ein gefährdendes Element für die Gesundheit ist und man vorbeugen soll."

Luftfeuchtigkeit spielt entscheidende Rolle

Als Grundlage für die Hitzewarnungen dienen hochauflösende Wettervorhersagemodelle der ZAMG auf einem 1x1-Kilometer-Raster, die einen speziellen Hitzeindex auf sehr regionaler Basis berechnen. ZAMG-Direktor Michael Staudinger beschrieb das System: "Neben der Temperatur spielen die Luftfeuchtigkeit, der Wind und die Sonneneinstrahlung eine entscheidende Rolle, wie die Hitze empfunden wird und welche negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus damit verbunden sind.

Dabei haben auch die Jahreszeit und vor allem die Dauer einer Hitzewelle einen entscheidenden Einfluss. Einen einzigen Hitzetag übersteht man leichter als eine mehrtägige Hitzeperiode."

Die Zahl der Hitzetage - von 30 Grad Celsius und mehr - und auch der Tropennächte (wärmer als 20 Grad) hat sich der Aussendung zufolge in Niederösterreich in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelt, in einigen Regionen sogar verdreifacht.

Hitzewelle 2003: rund 70.000 Todesfälle

So registrierte die ZAMG in den 1950er-Jahren in St. Pölten durchschnittlich neun Hitzetage pro Jahr, seit 2010 seien es durchschnittlich 19. Seit Beginn des neuen Jahrtausends kam es erstmals in der Messgeschichte vor, dass einige Regionen Niederösterreichs mehr als 40 Hitzetage verzeichneten.

Da es im Großteil Europas immer heißer werde, Hitze als Gefahr aber oft unterschätzt werde, seien effektive Warnroutinen zu installieren, so Staudinger. "Die besonders gut untersuchte Hitzewelle im Jahr 2003 wird in Europa mit rund 70.000 Todesfällen in Zusammenhang gebracht."

Besonders durch Hitze belastet sind ältere Menschen ebenso wie Kleinkinder. Vorbeugende Tipps sind u.a., luftige Kleidung und Kopfbedeckungen zu tragen, größere Anstrengungen zu vermeiden und sich vor allem zur Mittagszeit im Schatten aufzuhalten.

Wichtig ist, viel zu trinken - Erwachsene mindestens drei Liter. Als Getränke eignen sich Wasser und Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte und Früchte/Kräutertees.