Erstellt am 23. Oktober 2015, 06:02

von NÖN Redaktion

Landesrätin Schwarz: „Lebens- qualität in jedem Alter wichtig“. Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz über den „Mehrwert“ der Pflege in Niederösterreich, über ein neues Forschungsprojekt in den Landesheimen und warum auch hier Freiwillige wichtig sind.

Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz  |  NOEN, Büro LR Schwarz

Eine Studie der WU Wien hat eben den gesellschaftlichen Mehrwert der Pflegeheime in Niederösterreich errechnet?

Schwarz: Eine sogenannte Social Return on Investment (SROI)-Analyse hat ergeben, dass jeder in Niederösterreich in die Pflege investierte Euro dreifach wieder zurückkommt. Im Jahr 2013 (Basisdaten der Studie) flossen 406 Millionen Euro in die NÖ Pflegeheime, die ökonomische Wirkung wurde von den Wissenschaftern mit 1,2 Milliarden Euro errechnet.

Das heißt: Pflege kostet nicht nur Geld, sie bringt im Gegenzug auch einen erheblichen gesellschaftlichen und ökonomischen Mehrwert. Diesen positiven Effekt müssen wir auch der Öffentlichkeit vermitteln, um die Furcht vor explodierenden Kosten zu nehmen. Niederösterreich geht hier ohnedies seinen eigenen Weg. Rund 50 Prozent des NÖ-Gesamtbudgets fließen in den Gesundheits- und Sozialbereich.

Positive Effekte zeigt auch die Übergangspflege?

Schwarz: Die errechneten Entlastungseffekte für den Krankenhausbereich hängen auch mit dem erfolgreichen Ausbau der rehabilitativen Übergangspflege im Heim zusammen. Ein Angebot übrigens, das es so nur in Niederösterreich gibt. Vielen Menschen ist es ja gerade nach einem Spitalsaufenthalt noch nicht möglich, den Alltag zu Hause alleine zu bewältigen.

Dafür gibt es die Übergangspflege bis zu zwölf Wochen lang, wie beispielsweise in den 20 Übergangspflegezentren in den Landesheimen. Diese wird sehr gut angenommen, auch weil es hier weder eine Altersgrenze noch das Erfordernis einer Pflegestufe gibt.

Bieten Heime immer mehr Spezialisierung?

Schwarz: Pflegeheime werden immer mehr zu Kompetenzzentren mit den unterschiedlichsten Angeboten. Entwicklungen zeigen schon heute die kürzer werdenden Aufenthalte im Bereich der Langzeitpflege bei gleichzeitig steigender

Nachfrage nach zeitlich begrenzten und auch speziellen Pflegeformen, wie eben Übergangspflege, Schwerst- oder Hospizpflege. Aber auch die Zunahme von Demenzerkrankungen und (geronto)psychiatrischen Krankheitsbildern sprechen für eine Spezialisierung der Heime.

Wie sieht das Angebot im Bereich Demenz aus?

Schwarz: Demenz ist heute leider noch nicht heilbar und nimmt mit zunehmendem Alter signifikant zu. Aus den NÖ Landespflegeheimen wissen wir, dass bereits jede zweite Bewohnerin bzw. jeder zweite Bewohner leicht bis schwer an Demenz erkrankt ist. Sowohl in baulicher, räumlicher wie pflegerischer Sicht gehen wir daher gezielt auf die Bedürfnisse dieser Menschen ein.

So sind etwa die Betreuung in eigenen Demenzgruppen, kleinere gemütliche Wohnbereiche, Erinnerungsräume sowie eigens gestaltete Demenzgärten bereits „state of the art“ in den 48 Landesheimen. Das Personal ist entsprechend ausgebildet (Validation), mehr als die Hälfte der Häuser hat eigene Demenzkonzepte oder spezielle Pflegeangebote.

Die Landespflegeheime arbeiten hier auch mit der Wissenschaft zusammen?

Schwarz: Wir wissen, dass eine alltagsorientierte Betreuung mit z. B. gemeinsamem Kochen, Essen, Gartenarbeit, Gedächtnistraining oder ein fixer Tagesrhythmus Verbesserungen bei demenzkranken Menschen bewirken kann. Gemeinsam mit dem Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Wien erarbeiten wir in einem – in dieser Form bislang einzigartigen – Forschungsprojekt zentrale Indikatoren für hohe Lebensqualität im Alter bzw. bei Demenz.

Aus Bewohnersicht geht es dabei im Wesentlichen neben einer wohnlichen Umgebung um Individualität, Selbstbestimmung, Alltagserleben und soziale Teilhabe.

Es geht um hohe, auch neue Qualitätsstandards?

Schwarz: Qualität ist uns als Land Niederösterreich ein großes Anliegen. Wir setzen auf permanente Weiterentwicklung und auf Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Viele der Landesheime sind auch nach national wie international höchsten Standards zertifiziert, etwa „Qualitätshäuser“ nach dem EU-gültigen E-Qalin-Programm. Was aber noch viel wichtiger ist: 94 Prozent der Bewohnerinnen bzw. Bewohner und ebenso 94 Prozent der Angehörigen empfehlen die Landespflegeheime anderen Personen weiter.

Noch eine abschließende Frage mit einem Themenwechsel: Was Freiwillige zu leisten im Stande sind, zeigt die aktuelle Flüchtlingskrise. Freiwillige sind aber auch in der Pflege gern gesehen?

Schwarz: Selbstverständlich. Freiwilliges Engagement ist auch in der Pflege unverzichtbar und wird weiter ausgebaut und gebraucht. Die Ehrenamtlichen bereichern den Alltag unserer Bewohnerinnen bzw. Bewohner und sind in allen Häusern herzlich willkommen.