Erstellt am 10. März 2016, 05:04

Lieblings-Sportart finden und Spaß haben. Der Frühling weckt bei vielen wieder die Bewegungsfreude. Auch Menschen, die schon lange keinen Sport gemacht haben, können sich davon inspirieren lassen.

Jeder Mensch mag andere Formen der Bewegung. Wichtig ist, dass es Spaß macht.  |  NOEN, Monkey Business Images /Shutterstock.com
Wenn die Tage länger werden, Dunkelheit und Kälte langsam verschwinden und die ersten Sonnenstrahlen nach draußen locken, schreit so mancher Körper wieder nach Bewegung.

Auch jene, die vielleicht schon lange Zeit nicht mehr aktiv waren. Hat man sich erst einmal vorgenommen, wieder aktiv zu werden, empfiehlt sich ab einem gewissen Alter zunächst ein Besuch beim Arzt.

Immerhin: „Das Leben hat kleine Schrammen und Narben hinterlassen“, so der Bewegungsexperte Werner Schwarz aus Wiener Neustadt. Und die sollte man unter die Lupe nehmen. Dabei stellt sich bei Menschen ab 50 Jahren vor allem die Frage, wie belastbar man ist. Wie belastbar die Organe (allen voran das Herz, aber auch Darm, Leber usw.), das Immunsystem, die Gefäße, aber auch Knochen, Sehnen, Gelenke und Muskulatur sind. „Das kann man im Rahmen einer Gesundenuntersuchung machen“, so der Trainer und Sportwissenschafter.

Bewegung, die Spaß macht

Ist geklärt, wie es dem Körper geht, kann man sich der Frage widmen, wie man sich eigentlich bewegen will. Hierbei gilt: „Das Maß der Dinge ist der Sporttreibende.“ Um herauszufinden, welcher Sport der richtige ist, kann man sich laut Schwarz fragen: m Der Spaßfaktor: Welche Sportarten hab ich früher gemacht? Welche sind mir jetzt möglich? Vor allem aber: Was macht mir Spaß? Immerhin: „Wenn man es nicht mag, macht man es auch nicht.“

Die Persönlichkeit: Wer bin ich? Was tut mir gut?

Die Ziele: Wenn ich diese Bewegung länger mache, was mache ich dann genau? Was will ich erreichen?
Hier lohnt es sich Schwarz zufolge, einige Punkte zu notieren, wie man sich die eigene sportliche Zukunft vorstellt, was man etwa in einem Jahr machen könnte. Wie zum Beispiel: Gewicht reduzieren, mit dem Enkelkind eine Radtour unternehmen, bei Hausarbeiten nicht mehr aus der Puste kommen …

Die Visualisierung des Zieles: Und dann kann man sich vorstellen, wie es sein wird, wenn man das macht, was man sich vorgestellt hat, welches Gefühl man dabei haben wird, wenn man zum Beispiel sechs Kilo abgenommen hat, mit dem Enkerl rund um den See geradelt ist …

Die Mitwisser. Dann heißt es, Freunde, den Ehepartner, die Kinder oder Enkelkinder usw. zu Mitbeteiligten zu machen, ihnen zu erzählen, was man machen will und welche Ziele man hat usw. Grund dafür: Hört man dann nämlich auf, sich zu bewegen, fragen diese nach, was los ist, warum man nicht weitermacht …

Der Vertrag. Der nächste Schritt ist es, mit seinen Mitbeteiligten Verträge zu machen, in denen man festlegt, was man tut, wenn man es nicht schafft. „Dann wird das, was man sich vorgenommen hat, verbindlich“, erläutert Schwarz.

Ausdauer, Kraft und Koordination

Mit dem Wissen um die eigene Gesundheit und der richtigen Motivation kann es dann auch endlich losgehen. „Wir brauchen Sportarten für drei Trainingswirkungen“, erläutert Schwarz.

Ausdauer: zwei bis drei Mal pro Woche. Um die Organe zu kräftigen, die Blutwerte zu verbessern usw. Fürs Ausdauertraining gut sind Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Wassersport … Wer sehr belastbar ist und das O.k. des Arztes hat, kann auch laufen. Schwarz empfiehlt dabei, sich Lösungen für indoor und outdoor zu suchen. Wie zum Beispiel ein Trekkingrad für draußen und einen Ergometer für den Keller. Davor, so der Tipp des Trainers, kann man sich einen Notenständer stellen, ein Buch drauf, gute Musik auflegen und schon kann man losradln! Auch wenn es draußen in Strömen schüttet.

Kraft: ein bis zwei Mal pro Woche. Krafttraining ist besonders wichtig. Denn: „Unsere Muskeln werden schwächer und schwächer.“ Mittlerweile gibt es viele Geräte, mit denen man Rumpf, Beine und Arme kräftigen kann. Auch Übungen nur mit dem eigenen Körpergewicht sind möglich. Allerdings: „Krafttraining will gelernt werden“, so Schwarz. Er plädiert daher dafür, derartige Übungen in Vereinen oder Kursen zu lernen. Wie zum Beispiel in LeBe-Gruppen.

Gruppen wie diese bieten viele Vorteile. Zum Beispiel. „Ich treffe jemanden, ich kann plaudern“, so Elisabeth Klenkhart, LeBe-Übungsleiterin in St. Pölten-Viehofen. Zum anderen steigt durch Gleichgesinnte die Motivation. Und: „Auf Neulinge wird Rücksicht genommen“, erläutert Klenkhart. Die Bewegung soll Spaß machen und danach kann man mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, weil man aktiv war. LeBe-Kurse starten heuer übrigens Anfang April bei 85 Partnervereinen in 23 Bezirken. Mehr Infos wird es auf www.sportlandnoe.at, im ORF- TXT auf Seite 660 und in der NÖN geben.

Koordination: ein bis zwei Mal pro Woche. Egal ob Badminton spielen mit den Enkelkindern, Boccia spielen mit den Nachbarn oder Darts werfen mit den Kinder. Oder vielleicht entsteht auch ein Bewegungsparcours, bei dem man auf Schnüren oder Holzbrettern durchs Wohnzimmer balanciert …  „Keine Spielchancen auslassen!“, so Schwarz.

Koordination ist vor allem auch für den Kopf wichtig. „Bewegung ist für unseren Kopf schwer zu steuern.“ Milliarden von Nervenzellen müssen aktiv werden. „Wenn jemand Koordination trainiert, werden Nervenzellen leistungsfähiger und sogar ein bisschen größer.“
Für alle, die jetzt überlegen, wie sie aktiv werden wollen: Es gibt übrigens eine Sportart, die alle drei Bereiche – Ausdauer, Kraft und Koordination miteinander vereint: Skilanglauf.

Übrigens: In jungen Jahren zählt im Sport für viele der Wettbewerb, der Vergleich mit anderen. Später aber kann diese Sichtweise auch ein Hindernis darstellen. Statt dessen sollte das Motto lauten: „Wir machen’s für uns, wir machen’s mit anderen und nie und nimmer gegen andere“, so Schwarz. „Wir müssen Rücksicht auf uns nehmen. Wir sollen uns nicht verhätscheln, aber auch nicht überfordern.“