Erstellt am 28. September 2015, 11:39

von NÖN Redaktion

Mehr Filialapotheken. Heinz Haberfeld, Präsident der NÖ Apothekerkammer und Apotheker in Baden, über eine Novelle, Erfolge, Verhandlungen und Projekte rund um die Gesundheit.

Heinz Haberfeld: »Zukünftig sollen mehr Filialapotheken möglich sein, um die Patienten noch besser versorgen zu können.«  |  NOEN, Foto: NÖN

Welches Thema steht in NÖ Apotheken derzeit im Mittelpunkt?
Haberfeld: Großer Schwerpunkt diesen Herbst ist eine Bluthochdruck-Studie. Eine Woche lang werden dabei Bluthochdruck-Patienten in Niederösterreichs Apotheken befragt und ihre Blutdruckwerte gemessen.

Und bei politischen Themen? Bald soll es eine Novelle des Apothekengesetzes geben. Welche Schwerpunkte und Forderungen haben dabei die Apotheker?
Die Zufriedenheit mit den Apotheken in der Bevölkerung ist grundsätzlich sehr hoch. Bei der Österreichischen Gemeindestudie 2015 etwa liegen die Apotheken in Sachen Versorgungslage und Zufriedenheit auf Platz 1. Unser Ziel ist es aber, die Versorgung weiter zu verbessern. Derzeit dürfen öffentliche Apotheken ihre Filialapotheken nur maximal vier Kilometer entfernt aufsperren. Wenn aber etwa ein Arzt seine ärztliche Hausapotheke zwischen vier und sechs Kilometern Entfernung aufgibt, entsteht eine Versorgungslücke. Daher soll es in Zukunft auch möglich sein, eine Filialapotheke bis zu sechs Kilometern Entfernung zu errichten.

Zu den Zustelldiensten: Wie sieht es da derzeit in NÖ aus?
51 Prozent der Apotheken haben einen Zustellservice für Notfälle. Also, wenn etwa jemand bettlägerig ist und keine Angehörigen hat, werden die Medikamente von der Apotheke nach Hause geliefert. Derzeit ist das auf freiwilliger Basis. Die Frage ist, ob es verpflichtend wird. Und wenn ja, welchen Beitrag die öffentliche Hand dann leistet.

Eine weitere gesundheitspolitische Entwicklung ist die Umsetzung der Gesundheitsreform. Welche Ziele verfolgen Sie aktuell in diesem Bereich?
Im Rahmen des telefon- und webbasierten Erstkontakt- und Beratungsservices, des TEWEB, sollen in Zukunft Patienten über eine Hotline erfahren, zu wem sie am besten mit ihren gesundheitlichen Problemen gehen könnten. Wir wollen integraler Bestandteil des Netzwerkes werden. Damit Patienten auch dort erfahren, wo die nächste Apotheke ist, wenn sie sie brauchen. Zusätzlich zum Apothekenruf 1455 und der kostenlosen Apo-App, die schon jetzt Infos zu Apotheken und Medikamenten liefert.

Gibt es andere Bereiche, in denen Verbesserungen möglich sind?
Zum Beispiel bei Rezepten. Erfreulich ist ein Pilotprojekt mit der NÖ Gebietskrankenkasse in Baden. Wenn ein Wahlarzt ein Medikament verschreibt, muss in der Regel das Rezept zuerst von der Krankenkasse umgewandelt werden, bevor sich der Patient das Medikament in der Apotheke abholen kann. In der Praxis kümmerten sich aber meist die Apotheken darum und ließen die Rezepte im Nachhinein umwandeln. Dabei kam es auch immer wieder vor, dass Medikamente nicht genehmigt und damit auch nicht von der Kasse bezahlt wurden. Wir haben daher schon lange eine Rezeptbefugnis für Wahlärzte gefordert. Dank des Projektes in Baden gibt es nun bereits knapp 200 Wahlärzte, bei denen keine Umwandlung mehr nötig ist. Zunächst müssen die Wahlärzte der Ökonomierichtlinie zustimmen. Diese hat das Ziel, den Anteil an Generika im Vergleich zu Originalpräparaten anzuheben. Dann können sie Rezepte ausstellen. Die Apotheke hat damit die Garantie, dass das Medikament auch bezahlt wird.

Apropos Medikamente, gibt es Neuigkeiten beim Entlassungsmanagement?
Das funktioniert nach wie vor nicht optimal. In NÖ bekommen Patienten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus einen Arztbrief. Mit diesem gehen sie zu ihrem Hausarzt, damit dieser ein Rezept ausstellen kann. Wenn der Arzt am Wochenende aber nicht da ist, geht das nicht. Im Gegensatz etwa zu Wien oder Oberösterreich, wo auch Krankenhäuser Rezepte ausstellen können.

Welche Probleme bewegen die Apotheker übrigens zurzeit noch?
Der Pharmarahmenvertrag mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger läuft aus. Zur Sanierung der Sozialversicherung haben Pharmaindustrie, Großhandel und Apotheken in den vergangenen Jahren einen Solidaritätsbeitrag abgeliefert. Sechs Millionen Euro pro Jahr kamen von den Apotheken. Im Rahmen der Vertragsverhandlungen will der Hauptverband nun mehr. Das aber gefährdet die Apotheken in ihrer Existenz. Es gibt Betriebe, deren Besitzer weniger verdienen, als man einem Angestellten zahlen müsste, und Betriebe, die schon jetzt ins Schleudern kommen. Ein Grund dafür ist etwa, dass die Handelsspannen in den vergangenen Jahren stark gesunken sind. Von über 20 auf unter 17 Prozent.

Neben der Abgabe von Medikamenten und Beratungen gibt es auch immer wieder Aktionen in Apotheken. Welche zum Beispiel?
In den vergangenen Monaten standen der Allergierisiko-Check, ein Schwerpunkt zur Masern-Impfung, eine Aktion zu Sarkopenie (Muskelschwäche) und ein Gesundheitstag auf der Garten Tulln auf dem Programm. Dort, in der Naturapotheke, gab es wieder Führungen rund um die pflanzliche Medizin, die es auch 2016 wieder geben wird. Ein weiteres Thema wird im Frühling „Asthma und COPD“ sein.