Erstellt am 08. Februar 2018, 12:04

von Gila Wohlmann

Und plötzlich war die Oma weg …. Die Bevölkerung wird immer älter. Demenzfälle nehmen zu. Es gibt aber auch immer mehr Angebote und Unterstützung für Betroffene.

Demenz: immer mehr Betroffene.  |  Photographee.eu/Shutterstock.com

„Mein Mann zerlegte alles. Auch gut funktionierende Maschinen“, erinnert sich Romana Kittel aus Sittendorf. „Das kann er mittlerweile nicht mehr.“ Inzwischen braucht er rund um die Uhr Hilfe.

„Man braucht lange, um die Krankheit zu akzeptieren“

„Als es angefangen hat, war er 65 Jahre alt.“ Bis zur Diagnose dauerte es aber einige Zeit. Vergesslich ist doch jeder. „Man braucht lange, um die Krankheit zu akzeptieren.“ Vor allem Angehörigen fällt das oft schwer. Hilfe und Unterstützung holt sie sich unter anderem beim Angehörigenstammtisch in Furth. „Der Stammtisch hat mir sehr geholfen.“

Man erfährt mehr über die Krankheit, die Situation von anderen Betroffenen und kann sich austauschen. Zum Beispiel darüber, dass viele Freunde aufhören, zu Besuch zu kommen, weil sie damit nicht umgehen können. Obwohl man, so sagt sie, ja nichts falsch machen kann. Oder darüber, dass Demenzbetroffene – etwa bei Fremden oder Freunden – oft den Eindruck erwecken können, dass alles ok ist. Kaum ist der Besuch weg, ist die Demenz aber wieder da.

„Es ist uns wichtig, den Angehörigen den Rücken zu stärken“, betont die Demenzexpertin Lea Hofer-Wecer von der Kompetenzstelle Demenz der Caritas. Solche Situationen sind besonders belastend.
„Die Caritas hat sich schon vor elf Jahren dazu entschieden, eine Kompetenzstelle aufzubauen“, erläutert Caritas-Direktor Hannes Zeiselberger. Jede Situation ist anders.

Individuelle Unterstützung für die Betroffenen

Jeder Betroffene braucht andere Unterstützung und Beschäftigung. Im Demenzrucksack der Caritas findet man etwa viele Hilfsmittel dazu, von denen jeder ein anderes gut nutzen kann. Da gibt es beispielsweise was zum Schrauben, was besonders Männer anspricht, was zum Greifen und Fühlen.

Ziel ist es, dass Demenzerkrankte in ihrer Welt gut leben können. Gut wäre es, sagt sie aber, wenn sich Angehörige schon früher Unterstützung holen würden. „Wenn Menschen zu uns kommen, brennt es meist schon“, so Hofer-Wecer. Und dann wird es schwieriger.

Mehr Infos & Tipps

Seit etwa einem halben Jahr gibt es in Niederösterreich das Demenz-Service NÖ beim NÖ Gesundheits- und Sozialfonds. „Ziel ist die Vernetzung und Abstimmung der Angebote“, so Landesrat Ludwig Schleritzko.

Demenz-Service NÖ:
Demenzhotline (Montag bis Freitag 8 bis 16 Uhr): 0800/700300
www.demenzservicenoe.at

Kompetenzstelle Demenz bei der Caritas:
www.caritas-stpoelten.at

Buchtipp: Die MAS Alzheimerhilfe hat bereits drei Bücher veröffentlicht: „Greta ist nicht mehr da“, „Gut leben mit Demenz“ und „Motivieren, aktivieren, stärken. Tipps und Grenzen für Beschäftigung und stadiengerechtes Training mit Menschen mit Demenz“. Erhältlich im Buchhandel sowie bei der MAS Alzheimerhilfe 06132/21410-0.
www.alzheimer-hilfe.at