Erstellt am 01. Juni 2016, 07:45

von Christine Haiderer

Die Zeit danach. Für Eltern beginnt einlanger Weg, wenn ihr Kind nach der Geburt nicht lebt.

Der Verlust eines Kindes braucht Zeit.  |  NOEN, Oleg Golovnev/Shutterstock.com

„Sie hat nicht geschrien“, erinnert sich Rita Maria Nikodim. Alles hat sie von der Geburt ihrer Tochter nicht mitbekommen. Das aber schon. Trotz hohen Fiebers und einer schweren Infektion. Wie auch den Schmerz, die Tränen und wie sie ihre Tochter gehalten hat.

„Es gab keinen Alltag mehr, den ich leben konnte, ich musste mir erst wieder einen erarbeiten“, schreibt die Sängerin und Schauspielerin, die in Breitenfurt aufgewachsen ist, in ihrem Buch „Mein Lichtkind (erschienen im Ennsthaler Verlag). Dazu gehörte auch, auf eine neue Art und Weise Verantwortung für sich zu übernehmen, sich besser abzugrenzen … Und dazu gehörten viele Erlebnisse.

Schon im Krankenhaus hatte sie ein Bild von einem Lichtstrahl vor Augen, der sich durch eine Art Kirchenkuppel mit dem Licht von außen verbindet. Ein Licht, wie ein Liebesband zwischen ihr und ihrer Tochter, das ihr in verschiedenen Situationen Frieden bringt. Wichtig ist ihr eine Schachtel mit Erinnerungsstücken (wie dem Fußabdruck, den die Hebamme im Krankenhaus gemacht hat …). Aber es sind viele Stationen auf dem Weg des Loslassens.

Gespräche und Zeit

Für Judith aus dem Weinviertel waren auch Gespräche sehr wichtig. Sie und ihr Mann haben in der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Sohn Kilian nicht überleben wird.

„Wichtig war, dass es am AKH psychologische Betreuung für Sternenmamas gab.“ Und: „Mir hat es geholfen, mit anderen zu reden, die dasselbe durchgemacht haben, weil ich gar nicht wusste, wie ich weitertun sollte.

Alles war weg, worauf wir uns gefreut hatten.“ Auch das Organisieren der Abschiedsfeier und viele weitere Punkte waren wichtig. „Man muss sich dem stellen, um es zu verarbeiten. Und: Das braucht Zeit“, so die Weinviertlerin. Vielen, wie auch einer Freundin von ihr, steht diese Zeit nicht genauso zur Verfügung.

Kein Anspruch auf Mutterschutz

Kommt ein Kind unter 500 Gramm tot zur Welt, hat es offiziell nie gelebt. Die Mutter hat keinen Mutterschutz. Daher haben sich einige Betroffene schon vor einem Jahr im Parlament für Änderungen eingesetzt, damit alle Mütter einen rechtlichen Schutz erhalten.