Erstellt am 14. März 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Wir kümmern uns um die Seniorinnen und Senioren. Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz über die zunehmende Alterung der Bevölkerung, Angebote für SeniorInnen und das Pflegesystem in Niederösterreich.

Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz: »Gezielte Initiativen und Aktionen werden für die Seniorinnen und Senioren in NÖ angeboten.«  |  NOEN, Schnabl

Welche Bedeutung hat ein Miteinander der Generationen?
Schwarz: Ein gut funktionierendes Miteinander der Generationen ist gerade in Familienkonstellationen enorm wichtig. Ältere Menschen können ihre Lebenserfahrung an Jüngere weitergeben und profitieren selbst von den Ansichten und Zugängen der nachkommenden Generationen. Wer in Wertschätzung und gegenseitigem Respekt miteinander lebt, kann ungeheuer profitieren.

Die meisten unserer älteren Menschen in NÖ zeichnen sich durch Vitalität und Lebensfreude aus. Welche Maßnahmen setzt die Seniorenpolitik in NÖ?
Aktuell leben in unserem Bundesland rund 409.000 Menschen über 60 Jahre, das sind 25 %. Bis 2025 wird erwartet, dass ca. 30 % der Bevölkerung in NÖ über 60 Jahre alt ist. Für diese Menschen werden gezielte Initiativen und Aktionen angeboten. Das Land Niederösterreich arbeitet hier eng mit verschiedenen Organisationen und Vereinen zusammen, wie etwa mit den NÖ Senioren.

Welche Initiativen setzt das Land NÖ selbst?
Einerseits ist das Land NÖ Fördergeber verschiedenster Senioren-Organisationen. Andererseits werden seitens des Generationenreferates des Landes NÖ in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern diverse Aktionen angeboten. So gibt es etwa die regelmäßig stattfindende SeniorInnenUNI aktiv plus. Die online aktiv plus-Börse steht älteren Personen für verschiedenste Anliegen rund um Nachbarschaftshilfe zur Verfügung.

Ein weiteres beliebtes Angebot ist der Familienpass – eine Servicekarte, die bei ausgewählten Vorteilsgebern in ganz NÖ gilt und gleichzeitig Versicherungsschutz bietet. Diese soll in Zukunft verstärkt allen Generationen – also auch Oma und Opa – zur Verfügung stehen. Auch generationenübergreifende Projekte im Bildungsbereich werden stark vorangetrieben. So gibt es immer mehr Vorleseprojekte zwischen Kindergärten und Pflegeheimen.

Ein Thema, das unsere älteren Menschen auch stark beschäftigt, ist die Pflege. Demographische Entwicklungen zeigen, dass unsere Bevölkerung immer älter wird. Dementsprechend groß ist der Bedarf an Betreuung und Pflege für ältere Menschen. Wie wird in Niederösterreich darauf reagiert?
Wir wissen, dass laut Umfragen rund 85 % der Menschen lieber zuhause alt werden möchten. Daher liegt ein Schwerpunkt auf der ambulanten und mobilen Betreuung. Durch verschiedene Angebote zusätzlich zur stationären Pflege (Heimpflege) wie mobile Pflege, Kurzzeit-Pflege, 24-Stunden-Betreuung und Betreutes Wohnen sticht Niederösterreich mit einer Quote von lediglich 7,4 stationär betreuten Menschen pro 1.000 Einwohnern im Bundesländervergleich hervor.

Erst wenn es gar nicht mehr anders geht, sollen pflegebedürftige Personen in ein Heim kommen. Seit Jahren schaffen wir durch gute Planung, dass wir die Akutvormerkungen für einen stationären Pflegeplatz konstant niedrig halten können. Das heißt, wir können innerhalb kürzester Zeit die Nachfragen auch bedienen.

Der Pflegebereich ist nicht nur ein wichtiger Beschäftigungsmotor, sondern stützt sich auch auf das Engagement von Ehrenamtlichen. Wie sieht es hier in Niederösterreich aus?
Bereits mehr als zehn Prozent aller Beschäftigten in Niederösterreich arbeiten im Gesundheits- und Sozialbereich, diese Tendenz ist steigend. Der Pflege- und Betreuungssektor ist ein ganz wesentlicher Beschäftigungsmotor. Alleine in den letzten zehn Jahren wurden durch die Investitionen der öffentlichen Hand zusätzlich rund 3.400 dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen.

In Summe zählen wir aktuell rund 17.500 Beschäftigte im Sozialbereich. Ein wichtiger Pfeiler im Pflegebereich ist auch die Ehrenamtlichkeit: Im letzten Jahr haben rund 1.900 Ehrenamtliche in den NÖ Landespflegeheimen ca. 280.000 Einsatzstunden auf freiwilliger Basis erbracht. Das ist eine immense Leistung, auf die jeder Einzelne stolz sein kann und für die wir dankbar sind.

Wo liegen im Pflegebereich die Ziele und Arbeitsschwerpunkte für die nächsten Jahre?
Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenzerkrankungen, zu denen auch Alzheimer als eine der häufigsten Ausprägungen gehört, ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Daher erarbeitet das Land Niederösterreich eine eigene Demenzstrategie, um die betroffenen Menschen sowie deren Angehörige noch besser unterstützen zu können.

In Niederösterreich leiden heute rund 22.000 Menschen an einer demenziellen Erkrankung, im Jahr 2050 werden es laut Prognosen mit rund 44.000 doppelt so viele sein. In den NÖ Landespflegeheimen begegnet man dieser Entwicklung mit eigens entwickelten (Wohn-)Konzepten und besonderen Initiativen. Sowohl in baulicher, räumlicher wie pflegerischer Sicht geht man gezielt auf die Bedürfnisse demenzkranker Menschen ein.