Erstellt am 12. März 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Zielorientiert durch alle Lebensabschnitte. Nicht verharren, sich ein Ziel setzen und motiviert darauf hinarbeiten: Gerade nach dem Pensionsantritt, wenn man die Arbeit als wichtige Säule der Selbstbestätigung verliert, ist es von großer Bedeutung, weiterhin Ziele und Aufgaben anzustreben.

Norman Schmid ist Psychologe und Leiter des Berufsverbandes österreichischer Psychologen, Landesgruppe NÖ.  |  NOEN, zVg

„Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg“, sagt schon ein altes Sprichwort. Ob Jung oder Alt – Vorsätze sind wichtig: „Wenn wir uns keine Ziele setzen, dann treiben wir wie ein Blatt Papier im Wind herum“, sagt Norman Schmid, Psychologe und Leiter des Berufsverbandes österreichischer Psychologen, Landesgruppe NÖ.
Das Alter macht dabei keinen Unterschied:

„Der Mensch braucht Aufgaben und Ziele“

„Der Mensch braucht Aufgaben und Ziele“, betont Schmid. Manche Menschen wissen nicht, was sie eigentlich wollen, und leben einfach in den Tag hinein. „Dabei wird oft unterschätzt, wie wichtig es ist zu reflektieren – was ist für mich von Bedeutung, wer bin ich, was möchte ich umsetzen, welche Ziele habe ich“, führt Schmid aus. Hier ist die ältere Generation der jüngeren einen Schritt voraus, denn während junge Menschen oft alles sofort haben wollen, agieren ältere mit größerer Geduld.

Dennoch wirft der Pensionsantritt die bisherige Balance zwischen Arbeit und privatem Leben in ein Ungleichgewicht. „Die Selbstbestätigung, die man durch den Beruf erlangt hat, wird oft unterschätzt und deshalb dann im Freizeitbereich gesucht“, erklärt der Psychologe und weist darauf hin, dass der größte Teil der Senioren Probleme mit der Umstellung in die Pension hat.

Für die Wiederherstellung der Balance gibt es einige Möglichkeiten: Zeit für die Familie (besonders für Enkelkinder) haben, reisen, verstärkt auf Gesundheit und Fitness achten, sind die häufigsten Aktivitäten, die in der Pension fokussiert werden. Stark sinnbildend wirken Aktivitäten, wo man das berufliche Wissen und Erfahrungen miteinbringen kann.

„Offen sein und auch Neues ausprobieren“

Lethargie, aber auch das Gegenteil, hoher Aktivismus, können Reaktion auf die veränderte Lebenssituation und gleichzeitig Flucht in Folge dieser Umstellung sein. Sollte die Motivation auf der Strecke bleiben, ist es wichtig, sich aus der Antriebslosigkeit zu ziehen und sein Leben wieder anzupacken. „Wenigen gelingt das jedoch alleine“, berichtet Schmid. Psychologische Therapie, Couching, aber auch Fachbücher, Familie und Freunde bieten hier Unterstützung.

Dabei hat sich das Bild der Senioren in den vergangenen Jahrzehnten verändert, weiß Norman Schmid: „Früher wurden Pensionisten mehr über die Familie definiert.“ Heute genießen Senioren meist unbeschwerter ihre Pension und neue Entwicklungen, wie beispielsweise Neue Medien, werden mit deutlich weniger Abneigung in Angriff genommen. Und das ist auch wichtig: „Generell rät es sich, offen zu sein und Neues auszuprobieren“, empfiehlt der Psychologe. Und: „Bei Neuem einkalkulieren, dass auch wenn es nicht gleich der Hit ist, trotzdem eine wertvolle Erfahrung darstellt.“

Einer Umstellung muss sich auch die Beziehung unterziehen: „Viele Paare gehen sich auf die Nerven, weil sie so viel Zeit miteinander verbringen“, so Schmid und führt weiter aus, dass „Männer meist anstrengender sind, weil sie stark auf ihre Frau, die es in der Regel besser versteht, sich soziale Netzwerke zu schaffen, fixiert sind.“ Wichtig ist, „dass man für sich alleine Freiräume schafft, diese aber auch dem anderen zugesteht“.