Erstellt am 17. November 2015, 06:13

von Michael Nowak

Mit Vielfalt zum Erfolg. Seit 25 Jahren kämpft der Verein Arche Noah für Pflanzen-Vielfalt – Familie Mayr-Lamm lebt davon.

Gerade die vielen verschiedenen Paradeisersorten sind sehr gefragt - bei der Arche Noah ebenso wie bei Familie Mayr-Lamm.  |  NOEN

Als sie von einer Großtante ein paar Tausend Quadratmeter Land bei Allhaming in Oberösterreich erbten, machten Margit Mayr-Lamm und ihr Ehemann Josef im Jahr 2007 ihren Traum wahr und wechselten von der Privat- in die Landwirtschaft.

Dabei hatten sie eine klare Vorstellung davon, wie ihr Betrieb aussehen sollte. „Für uns war von Anfang an klar, dass wir auf Vielfalt setzen. Gleich ganz am Anfang sind wir nach Niederösterreich zu einem Arche Noah-Kurs gefahren“, erklärte die Landwirtin beim Symposium zum Arche Noah-Jubiläum.

Vielfalt bedeutet in diesem Fall, auf samenfeste Sorten zu setzen. Dem gegenüber stehen die Hybridsorten, diese basieren auf Inzuchtlinien und sind einer der Gründe, warum die Sortenvielfalt beim Gemüse stark gesunken ist. Laut einer Schätzung der UNO sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts etwa 75 Prozent der landwirtschaftlichen Vielfalt verloren gegangen. Sie zeichnen sich aber durch höhere Erträge und Einheitlichkeit aus. Bei samenfesten Sorten hingegen bleibt die Vielfalt, außerdem sind sie zumeist gesünder und schmackhafter.

Hohe Nachfrage bei alten Pflanzenarten

Der Verein Arche Noah kämpft bereits seit 25 Jahren gegen den Verlust der Vielfalt an. Ziel ist es, vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten zu erhalten. Dieser Philosophie verschrieb sich auch Familie Mayr-Lamm und züchtet etwa den roten Mangold und andere seltene Arten. Die Nachfrage bestätigt den eingeschlagenen Weg. „Die Leute haben unser Gemüse gekostet und waren so begeistert, dass sie immer wieder kamen. Auch die Medien wurden bald auf uns aufmerksam, uns ging das anfangs fast ein bisschen zu schnell“, erinnert sich Margit Mayr-Lamm an die Anfangszeit.

Schnell hatten sie und ihr Mann die Möglichkeit zu expandieren. Sie entschieden sich jedoch, ein Kleinbetrieb zu bleiben. Mittlerweile betreiben sie aber auch eine Buschenschank im Sommer, vermieten einen Festsaal und führen mit zwei anderen Familien große Marktstände in Steyr und Linz.

Die Entscheidung, auf Artenvielfalt statt sicheren Ertrags zu setzen, bereut die Landwirtin nicht und vor Konkurrenz hat sie keine Angst, im Gegenteil: „Es ist unökologisch, wie weit die Leute teilweise fahren, um unser Gemüse kaufen zu können. Die Nachfrage ist viel höher als das Angebot, das wir liefern können. Wer sich dazu berufen fühlt, sollte es versuchen. Viel kann nicht schief gehen.“


Arche Noah Schiltern: 25 Jahre Vielfalt

Der gemeinnützige Verein Arche Noah entstand 1990 auf Initiative von Gärtnern, Bauern und Journalisten. Zuerst hatte er seinen Sitz in Krems an der Donau, 1994 übersiedelte er in den Garten des Schlosses Schiltern bei Langenlois. Der Verein setzt sich seit jeher für den Erhalt von alten Pflanzenarten ein, die in den letzten hundert Jahren durch die zunehmende Industrialisierung bedroht wurden. Gentechnik, Saatgut-Monopole, Klimawandel und Kriege sind die Themen, mit denen sich der Verein heute auf politischer und gesellschaftlicher Ebene in Bezug auf die gefährdeten Pflanzenarten beschäftigen muss. Mittlerweile hält man bei etwa 11.000 Mitgliedern und zahlreichen Förderern.