Erstellt am 19. Mai 2016, 05:54

von Michaela Fleck-Regenfelder

Die Oase im Kraftwerk. Über 50 gefährdete Tier- & Pflanzenarten leben rund um das Dampfkraftwerk Dürnrohr – vom Kreiskraut bis zum Kammmolch.

Steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten in Österreich: die in Dürnrohr heimische Rotbauchunke.  |  NOEN, Wikimedia/Marek Szczepanek

Der nie ans Netz gegangene Reaktorblock von (Nieder-)Österreichs einzigem Kernkraftwerk ist gleich nebenan. Und das nach wie vor laufende Dampfkraftwerk mit Österreichs längster Fernwärmeleitung direkt nach St. Pölten ist mittendrin. Und rundherum? Blüht die Artenvielfalt.

Rotrückenwürger, Blaukernauge, Alpenkammmolch oder Rotbauchunke leben hier. Frühlingskreiskraut oder Dreifingersteinbrecht wachsen hier. Und das auf dem rund 140 Hektar großen Gelände eines Kraftwerks.

Über 500 verschiedene Arten haben Biologen schon 2009 in und um Dürnrohr gezählt. 50 davon stehen auf der so genannten Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten in Österreich.

"Heimische Artenvielfalt ist etwas Besonderes!

Eine „Sensation“ ist das für Gerhard Heiligenbrunner vom Umweltdachverband. Und: „Die hier heimische Artenvielfalt ist für das Tullnerfeld und für Niederösterreich etwas ganz Besonderes!“

Wieso sich die gefährdeten Tiere und Pflanzen gerade in unmittelbarer Nachbarschaft eines Dampfkraftwerks wohl fühlen? „Der Grund für die sehr spezielle Artenvielfalt in Dürnrohr“, erklärt Biologe und Projektleiter Alexander Mrkvicka, „liegt vor allem darin, dass dieses Gelände seit vielen Jahrzehnten umzäunt ist. Hier werden die Spezies weder durch ihre natürlichen Feinde noch durch Straßenverkehr gestört.“

Daher hat man jetzt, sieben Jahre nach der letzten, großen, biologischen Untersuchung eine neue Forschungsreihe gestartet, bei der rund 20 Experten die Tier- und Pflanzenwelt in Dürnrohr buchstäblich unter die Lupe nehmen sollen. Erste Ergebnisse werden noch vor dem Sommer erwartet.

Tag der Artenvielfalt

Seit 2000 wird der 22. Mai alljährlich als Internationaler Tag der Artenvielfalt gefeiert. Er erinnert an die UN-Vereinbarung zur biologischen Vielfalt, die 1992 unterzeichnet wurde. Mit über 190 Vertragsstaaten ist sie eines der erfolgreichsten Übereinkommen der Vereinten Nationen.

Garten Tulln:

22. Mai, 9 bis 18 Uhr, Themen-Führungen und Exkursionen, Familienprogramme im Bauern- und Forschergarten, Pflanzenverkauf

www.diegartentulln.at