Erstellt am 23. März 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Naschen strengstens erlaubt!. Himbeeren, ganz frisch vom Strauch gepflückt, haben einen Charakterzug: Sie schmecken doch süßer! Die Wertigkeit einer Nasch(h)ecke wissen viele wieder zu schätzen.

 |  NOEN, Shutterstock.com / Sergey Novikov
Das Landespflegeheim Retz hat ein Herzstück: den Gemeinschaftsgarten für jedermann, direkt vor der Haustür.
Möchte jemand die Institution besuchen, muss er praktisch an der Naschhecke vorbeigehen. Wer gerät da nicht in Versuchung, eine Himbeere zu stibitzen? Öffentliche Gärten „zum Essen“ sind keine Seltenheit in Niederösterreich – im Gegenteil. Ganz innovative Ideen gedeihen da.

Die Landjugend Kilb nennt das „Garten Starten“ und bringt’s mit dem Zusatz „pflanzen – lachen – selber machen“ noch mal ordentlich auf den Punkt. Im April wurden Erdäpfelknollen in den gepflügten Boden gelegt. Im Mai sah man grün sprießenden Schnittlauch. Im Juni war der Salat so groß, dass die Landjugend stolz ein Foto im Internet veröffentlichte. Im September hieß es: Hol dir dein Gemüse!

Die jungen Mitglieder legten mitten in der Ortschaft einen Garten an. Die Marktgemeinde wollte sowieso ein Blumengestaltungsprojekt ins Laufen bringen. Das erzählten im Februar 2015 zwei Gemeinderäte, die zugleich Landjugend-Mitglieder waren: Der Enthusiasmus war entfacht, auch wenn’s keine Blumen wurden. Man entschied sich für nahrhafte Kost.

„Die meisten Kinder kennen das gar
nicht: Erdäpfeln ins Feuer schmeißen.“
Matthias Gram, Leiter der Landjugend Kilb

Die Marktgemeinde hatte einen Baugrund, der sich schlecht verkaufen ließ. Die Landjugend nahm ihn mit offenen Armen. Alles wurde selbst gemacht: das Zimmern der Beete und Kistln, das Anlegen des Zauns, die Bodenbearbeitung, regelmäßige Pflege und Ernte. Eins führte zum anderen: „Wir haben immer mehr und immer mehr gemacht“, erzählt Leiter Matthias Gram. Ein Rastplatz entstand zum Beispiel. Ein Komposthaufen wird demnächst angelegt.

Fachwissen erhielten die Hobbygärtner beim Bau der Kräuterschnecke. Alles andere war ein Erfahrungsprozess: „Jeder hat a bissl etwas gewusst.“ HLW-Schülerinnen wussten, wie das Pikieren der Pflanzen funktioniert. Vorkenntnisse im Erdäpfel-Anbau hatte ein junger Mann, der die erforderlichen Gerätschaften zu Hause hatte.
Warum tut man das? Die Landjugend wollte der Bevölkerung zeigen, wie vielfältig ein Garten sein kann –  und wie leicht es ist, die Radieschen und Paradeiser zum Wachsen zu bringen. Die Ortsbewohner haben etwas davon: Sie dürfen sich gegen eine freiwillige Spende am frischen Gemüse bedienen. Sogar die Gartengeräte werden dabei von der Landjugend zur Verfügung gestellt.

„In weiterer Zukunft wollen wir das Projekt zur kostenlosen Bewirtschaftung an die Kilber übergeben, sodass wir etwas Neues beginnen können. Wann genau, wissen wir noch nicht“, erklärt Gram. Wie kommt der „Garten zum Zulangen“ an? „Am Anfang haben sich die Leute nicht so recht drüber getraut und zum Schluss sind wir nicht mehr zum Nachsetzen gekommen.“ Der Platz wurde zu klein für den Bedarf: Zwei weitere Gründe werden nun in Gärten verwandelt.

Kinder lernen Pflanzen kennen

Die Landjugend bringt den Kindern außerdem die Geschenke des Gartens näher: Sie waren zu einem Ferienspiel geladen. „Die meisten kennen das gar nicht, dass man Erdäpfeln ins Feuer schmeißen kann.“ Oft braucht‘s kein großes Tamtam, um Kinder zum Staunen zu bringen. Der Lerneffekt ist ein großer, findet auch die Stadtgemeinde Klosterneuburg. Der erste Naschgarten entstand 2012 – und zwar in einem Spielplatz. Die Kinder sollten sich mit Gleichaltrigen an der frischen Luft vergnügen und Erdbeeren oder Weintrauben genießen. Das Grün mit den farbigen Akzenten peppt nicht nur den Schelhammerpark auf.

„Der pädagogische Wert, dass die Kinder die Pflanzen kennenlernen, ist ein weiterer positiver Effekt“, steht im Amtsblatt. Sie lernen weiße Ribisel (eine absolute Rarität), Stachelbeeren (gibt’s in grün, rot und gelb) und Preiselbeeren (ja, die herb-sauren Früchte kann man roh essen) kennen. „Unter dem Motto ‚Naschen strengstens erlaubt‘ wird gesunde Ernährung nicht nur selbstverständlich, sondern macht auch Spaß.“
Der Reiz des Naschens ist Kindern quasi angeboren und geht später nicht wirklich verloren – ganz zu Recht. Der Körper scheint dem Menschen zu sagen, was ihm guttut. Früchte sind gut und gesund, mit einem hohen Mineral- und Ballaststoffgehalt. Die Biophenole halten uns die Viren vom Leib und wirken entzündungshemmend.

Das „Forum Gesundheit“, die Plattform der Gebietskrankenkassen, weist außerdem darauf hin: Der Zuckergehalt ist in Beeren gering und daher gut für Diabetiker geeignet.Eine gute Nachricht gibt’s noch, für alle Genießer: Beeren können beim Abnehmen helfen. Sie beinhalten einen hohen Wassergehalt und wenig Kalorien. Also: Zugreifen und frisch verzehren! Denn so geht der Vitamingehalt nicht verloren.