Erstellt am 16. September 2015, 13:03

Vernetzte Landwirtschaft. Drohnen, Sensoren oder Handy-Apps erobern heimische Höfe. Heinrich Prankl, Forschungsleiter am Francisco Josephinum in Wieselburg, über „Smart Farming“.

Heinrich Prankl, leitet den Bereich Forschung und Entwicklung am Francisco Josephinum in Wieselburg und weiß: »Trotz aller Technik wird der Mensch nie ersetzt werden.«  |  NOEN

NÖN: Wie würden Sie Smart Farming einem Laien definieren?
Prankl: Smart Farming könnte man mit intelligente, vernetzte oder auch digitale Landwirtschaft übersetzen. Dabei kommen moderne Technologien, wie Sensoren, Datenmanagement und Datenvernetzung zum Einsatz, um Arbeitsvorgänge präziser zu steuern. Dazu zählt etwa die automatische Datenerfassung und Arbeitsdokumentation oder die Parallelfahrtechnik. Auch in der Tierhaltung sprechen wir bereits von intelligenter Landwirtschaft.

Kommen in der NÖ Landwirtschaft auch bereits Drohnen zur Beobachtung von Feldern zum Einsatz?
Drohnen, also kleine unbemannte Flugzeuge oder Helikopter, sind nicht nur für Zustelldienste interessant. In der Forstwirtschaft oder in der Vermessungstechnik werden sie längst eingesetzt. Aber auch in der Landwirtschaft finden sich interessante Anwendungsgebiete. So kann mit Wärmebildkameras aus der Vogelperspektive Wild im Grünfutter entdeckt oder mit Multispektralkameras der Bewässerungs- oder Düngerbedarf ermittelt werden.
 

x  |  NOEN, RWA



Technisch ist es möglich, dass Zugmaschinen und Mähdrescher per GPS gesteuert werden und damit quasi „von selbst“ fahren. Gibt es das schon in der Praxis?

GPS-Navigation, auch „Parallelfahrsysteme“ genannt, setzen sich immer mehr durch. Wobei wir hier – im Gegensatz zum Navi im Auto – von hochgenauem GPS sprechen. Dabei kann der Traktor entlang einer virtuellen Spur auf wenige Zentimeter genau selbsttätig lenken. Die Traktorenhersteller bauen derzeit flächendeckende Netze dafür auf. Neben dem Gewinn an Fahrkomfort eröffnen sich damit neue Möglichkeiten, zum Beispiel Strip-Till, also die streifenweise Bodenbearbeitung. Ein Fahrer ist aber auf jeden Fall notwendig, schon alleine aus Sicherheitsgründen.

Welche Möglichkeiten bietet die Technologie noch, um Landwirtschaft effizienter und für den Menschen einfacher zu machen?
Bei der mechanischen Unkrautbekämpfung mit einem Hackgerät ist eine präzise Spurführung wichtig. Dazu werden Kamerasysteme eingesetzt, die die Reihe erkennen und das Hackgerät exakt in der Spur führen. Dadurch wird eine zweite Person eingespart und es kann viel schneller gefahren werden.
Welche Landwirtschafts-Apps kommen häufig zum Einsatz? Prankl: Insbesondere Ackerschlagkarteien, also die Anbauplanung, werden mobil als App fürs Smartphone angeboten. Es gibt sehr professionelle Programme, die sogar für die Auftragsverwaltung verwendet werden können. Das Angebot ist aber unüberschaubar groß: Ob Pflanzen, Schädlinge oder Krankheiten bestimmen, Flächenvermessung, Dünge-Apps, Maschineneinstellungen – und vieles mehr. Manche Apps sind sinnvoll, andere nur Spielerei.

 

x  |  NOEN



Gibt es landwirtschaftliche Tätigkeiten, die in Zukunft von Robotern erledigt werden könnten?
Roboter haben in der Landwirtschaft schon längst Einzug gehalten! Der Melkroboter übernimmt das automatische Melken der Kühe und entlastet den Landwirt von einer mühevollen Tätigkeit. In der Feldwirtschaft wird noch etwas Zeit vergehen, bis ein Roboter alleine den Acker bearbeitet. Wir haben aber heuer auf der Wieselburger Messe „Franc“ vorgestellt, einen Prototypen, der zukünftig im Biogemüsebau die mechanische Unkrautbekämpfung übernehmen könnte.

Welche Aufgaben müssen auch in Zukunft trotz aller Technologie vom Bauern erledigt werden?
Trotz aller Technik wird der Mensch nie ersetzt werden. Eine kluge, umsichtige und nachhaltige Betriebsführung ist durch Technik nicht zu ersetzen. Und der verantwortungsbewusste Umgang mit der Natur ist jedem Landwirt ins Herz geschrieben!

Woher kommen all die neuen Technologien – aus dem Ausland, oder sind hier auch heimische Unternehmen beteiligt?
Prankl: Viele Technologien werden international entwickelt. Aber auch in Österreich gibt es Firmen, die Enormes leisten: So entwickelt derzeit ein Wieselburger Start-up namens Farmdok eine App, mit der landwirtschaftliche Tätigkeiten lediglich mit einem Smartphone vollautomatisch dokumentiert werden können, sozusagen ein „Runtastic für die Landwirtschaft“!


Drohnen und Sensoren in der Landwirtschaft

Luftbildaufnahmen
Die Drohne bietet aus der Luft eine völlig neue Perspektive. Dank der Luftbildaufnahmen von Feldern können Hagel- oder Frostschäden besser abgeschätzt werden. Auch Abweichungen vom optimalen Zustand der Pflanzen sowie Wildschäden lassen sich dadurch erkennen. Die Übersichtsaufnahmen eignen sich zudem für den Forstbereich – etwa, um Entscheidungen bezüglich Aufforstung zu treffen. Auch Silos, Lagerhallen oder Windräder lassen sich mit einer Drohne umfliegen. So können Schäden oder Auffälligkeiten aufgespürt werden. Mit Hilfe einer Drohne können zudem Schädlinge aus der Luft bekämpft werden. So kann etwa durch die gezielte Anbringung von Schlupfwespenlarven der Maiszünsler bekämpft werden.

Nahinfrarotaufnahmen (NIR)
Nahinfrarotaufnahmen machen Vegetationsunterschiede sichtbar, denn Pflanzenarten lassen sich durch ihre Nahinfrarot-Spektren in unterschiedlichen Farben darstellen – sowohl im Ackerbau, im Grünland, aber auch in der Forstwirtschaft. Unkrautanteile, Anomalien im Pflanzenwachstum oder Laub-/Nadelbaumverhältnisse sind mit einem Blick ersichtlich. Daraus lassen sich Maßnahmen, wie eine punktgenaue, bedarfsgerechte Pflanzenschutzausbringung zur Schädlingsbekämpfung ableiten.
 

Dank der Wärmebild-Technologie kann Wild aufgespürt werden, das Schäden an der Ernte anrichten könnte. Angebracht an Drohnen, können die Kameras auch Rehkitze, Junghasen oder Fasane aufspüren, die in weiterer Folge aus dem Gefahrengebiet gebracht oder vertrieben werden können. Zudem lassen sich fehlerhafte Einzelmodule bei Solar- oder Photovoltaikanlagen erkennen.