Erstellt am 18. September 2015, 12:27

von Anton Johann Fuchs

Kontrollen: Lästig, aber wichtig. Michael Göschelbauer ist Rinderhalter, hat Milch- und Zuchtvieh im Stall. Natürlich kosten auch ihn die zahlreichen Kontrollen viel Zeit, sind aber wegen der Verkaufsstrategie notwendig.

Michael Göschelbauer im Stall mit Bruder Martin (l.) und Praktikant Markus Kleinrath (r.) aus Oberschlatten: Die meiste Arbeit machen Tierkennzeichnung und Bestandsdokumentation  |  NOEN, Anton Johann Fuchs

NÖN: Die Agrarlandesräte wollen die Kontrollen am Bauernhof reduzieren, indem ein Kontrollor für mehrere Kontrollstellen die Arbeit erledigt. Sehen Sie das als Fortschritt?
Göschelbauer: Die Kontrollen am Bauernhof sind ein wichtiges Qualitätsmerkmal, auf das wir österreichische Bauern, die AMA und der Handel die Verkaufsstrategie ausgelegt haben. Wenn die Kontrollen dazu beitragen, dass die landwirtschaftlichen Produkte besser vermarktet werden können, sollen sie selbstverständlich auch öfter zugelassen werden. Dass in den letzten Jahren der Kontrolldruck auf den Bauernhöfen, auch für viele Direktvermarkter und selbst für Handel betreibende Betriebe gestiegen ist, liegt auf der Hand. Bei den Kontrollen soll alles passen, egal wer kommt. Wer diese bezahlt, ist eine andere Sache. Dass die Agrarlandesräte die Kontrollen verringern wollen, werte ich naturgemäß als positiv.

Wer verursacht für Sie die meiste Bürokratie?
Für uns als Milchvieh- und Zuchtbetrieb liegt die meiste Bürokratie im Bereich der Tierkennzeichnung, Bestandsdokumentation, dem Tiergesundheitsdienst und der Futterdokumentation. Verglichen mit einem Direktvermarktungsbetrieb ist die Bürokratie (vergleichsweise) geringer, jedoch mittlerweile auch ein Zeitaufwand, der uns fast täglich fordert.

Heute ist alles bis ins kleinste Detail reglementiert. Wie weit kann ein Bauer heute noch selbstständige Entscheidungen treffen?
Die Entscheidung, an welche Regeln man sich im Rahmen seiner wirtschaftlichen Tätigkeit später halten muss, trifft man selbstständig, aber meistens unter Beratung der Bezirksbauernkammern. An die Spielregeln der Agrarprogramme muss man sich in der Folge halten, außer es treten mögliche höhere Gewalten zutage, wo Regeländerungen erlaubt sind.

Die Regelwut hat auch Vorteile: Hält man sich an alle Vorschriften, ist man auf der sicheren Seite und vor Kritik von dritter Seite geschützt.
Stimmt meistens.

Ist die Kritik an Ihrer Wirtschaftsweise Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren gestiegen? Immer mehr Bürger hinterfragen die landwirtschaftliche Praxis.
Ich glaube, die Wahrnehmung der Wirtschaftsweise und der landwirtschaftlichen Produktion steigt deshalb, weil in den Medien und speziell in der Werbung unserer Handelskonzerne die Landwirtschaft eine wesentliche Rolle spielt. Jedoch kritisiere ich schon, dass die gezeigten Bilder eine Wirtschaftsweise zeigen, die mindestens 60 Jahre alt ist, und ich bezweifle, dass der idyllische Charakter damals vorherrschend war.
Es ist auch heute möglich, vom Traktor zu steigen, sich unter einen Baum zu setzen und die von uns geprägte Landschaft zu genießen. Auch könnte man, so wie damals, niemals die Menge produzieren, die unseren Konsumenten die Sicherheit gibt, fast jeder Zeit ungehindert Zugriff in vollgefüllte Supermarktregale zu haben und verhältnismäßig günstig Grundnahrungsmittel einkaufen zu können. Dass das Beständigste der Geschichte immer der Wandel ist, ist bekannt. Auch die landwirtschaftliche Praxis verändert sich.

Welche Entscheidungen soll ein Bauer selber treffen können, ohne in Vorschriften blättern zu müssen.
Ich kann die Entscheidung, was heute am Hof gearbeitet wird, selber treffen – außer Personen, die am Hof leben, unsere Tiere und das Wetter beeinflusst uns hierbei niemand. Die vorgegebenen Zeitpunkte wie z. B.: Begrünungszeiträume, Düngerzeiten etc. gelten immer, da muss man sich an die Vorschriften halten.