Erstellt am 16. Oktober 2015, 08:16

Boxspringbetten auf dem Vormarsch. Warum die „Kiste mit Federn“ der klassischen Matratze den Rang abläuft.

 |  pixabay.com, ErikaWittlieb (CCO-Lizenz)

Eine Faustregel lautet, dass der Durchschnittsmensch rund 1/3 seines Lebens im Bett verbringt. Eine Menge Zeit. Und die wird momentan in Europa immer lieber auf den amerikanischen Boxspringbetten verbracht. Das zumindest berichtet die deutsche Konsumforschungsgesellschaft GfK. 650.000 Stück der hohen Schlafgelegenheiten konnten die Händler 2014 an die Deutschen absetzen – die Zahlen für Österreich sind prozentual gesehen sogar noch etwas höher. Was vor einigen Jahren ob des Preises noch der Upper Class vorbehalten war, ist nun beim Normalverdiener angekommen.

Das bedeutet auch, dass die Kaltschaummatratze mit Lattenrost, die in den vergangenen zehn Jahren der Renner in Österreichs Schlafzimmern war, immer mehr zurückgedrängt wird – durch die sprunghafte Zunahme der Boxspring-Verkäufe mussten sogar erste Hersteller von regulären Betten Konkurs anmelden. So hart diese letzte Tatsache für die Betroffenen auch ist, so verständlich ist aber auch, warum diese in den USA und Skandinavien beheimatete Bettform auf dem Vormarsch ist.

Trend erfreut auch Mediziner

Denn wer einmal in einem Boxspringbett gelegen hat, der kann schwerlich den Komfort abstreiten. Die Konstruktion selbst ist schnell erklärt: Im Prinzip besteht ein solches Bett aus einem stabilen kistenförmigen Unterbau, der Box. Darin sitzen tonnenförmige Federn, die Springs. Auf dieses Gestell kommen zwei nebeneinander liegende, besonders dicke Matratzen. Gekrönt wird diese Konstruktion vom Topper, einer dünnen zusätzliche Matratze, die über das ganze Bett verläuft und so eine durchgehende Liegefläche schafft. Dieses nicht-Vorhandensein einer „Besucherritze“, wie der Volksmund den Spalt zwischen den Matratzen nennt, ist für viele schon Haupt-Kaufgrund.

Hinzu kommt, dass sich durch die zwei Matratzen in der Mitte der Schicht trotzdem unterschiedliche Härtegrade realisieren lassen. Nicht zuletzt die im Vergleich zu normalen Betten deutlich gesteigerte Höhe macht Boxspring auch für ältere Menschen interessant, die so wesentlich komfortabler ein- und wieder aussteigen können. Und auch die Mediziner freut dieser Trend: Sie fordern nämlich für Leute, die auf der Seite schlafen, eine mindestens 20 Zentimeter dicke Matratze, damit die Wirbelsäule im Schlaf nicht übermäßig beansprucht wird. Das Boxspringbett schafft diese Dicke spielend. Übrigens: Auch auf dem bequemsten Bett ist die Liegeposition wichtig, denn nicht jede ist auch für jeden Menschen geeignet.

Die Zubehörindustrie brummt

Die Industrie hat sich mittlerweile auf diese sprunghaft angestiegene Kauflaune eingestellt, damit reduzieren sich die Wartezeiten auf ein erträgliches Maß von wenigen Wochen. Auch die Zubehörindustrie brummt: Wer es gänzlich amerikanisch haben will, der kauft sich zum Boxspringbett auch eine einzige große Bettdecke. Das erhöht zum einen den Kuschelfaktor, zum anderen wird es winters unter der Decke wesentlich schneller warm, als wenn ein Körper eine Decke heizen muss. Der Nachteil: Wer Pech hat, dem wird unter Umständen nachts die Decke vom sich drehenden Partner geklaut.

Allerdings hat diese bequeme Gemütlichkeit auch einen Nachteil:  Der Preis für ein gutes Boxspringbett geht bei rund 1000 Euro los – nach oben hin mit viel Luft. Zudem sind die Matratzen-Maße nicht normiert. Manche Hersteller bauen nach Dezimalsystem, andere importieren aus den USA wo Strecken in Zoll und Fuß gemessen werden. Das macht es im Vergleich etwas schwieriger, auch nach einigen Jahren noch neue Matratzen für das Bett zu finden, lässt sich aber vermeiden, indem man sich vorher eingehend informiert und beraten lässt.

Übrigens: Wer sparen möchte, verlässt für die „Bettenschau“ nicht mal mehr das Wohnzimmer und bestellt etwa bei betten.de. Diese Online-Händler bieten nämlich eine gleichwertige Beratung wie der Verkäufer im Möbelhaus vor Ort. Der Vorteil: Dadurch, dass keine Filialen vorhanden sind, schlägt sich das in einem niedrigeren Bettenpreis nieder.