Erstellt am 16. Dezember 2015, 16:43

Niederösterreich laut Statistik am unsichersten. Wie in den meisten Ländern ist die Bevölkerungsdichte auch in Österreich nicht gleichmäßig verteilt. Drei Bundesländer weisen eine besonders hohe Dichte auf: Nieder-, Oberösterreich und Wien.

 |  pixabay.com, McLac2000 CC0 1.0

In Niederösterreich kommen auf eine Grundfläche von rund 19.180 Quadratkilometern 1.636 Millionen Einwohner. Darüber hinaus kann Niederösterreich auch bei einer anderen Statistik sehr hohe Werte aufweisen, denn nirgends werden so viele Einbrüche verübt wie hier. Ist dies eine erschreckende Entwicklung, oder wirken Statistiken schlimmer als sie in Wahrheit sind? Hier wird ein kleiner Überblick präsentiert.

 |  NOEN, Immobilienscout24.at

Einbruchsquoten in Österreich, Grafikquelle: Immobilienscout24.at

Die Einbruchs- und Kriminalitätsrate in Niederösterreich

Niederösterreich hat zuletzt vor allem durch eine hohe Quote an Einbrüchen von sich reden gemacht. Über achtzig Einbrüche je 10.000 Einwohner sind in Niederösterreich in dem vergangenen Jahr gemeldet worden. Damit ist das Bundesland der unangefochtene Spitzenreiter und schlägt sogar die Bundeshauptstadt Wien. Besonders auffällig ist hier vor allem der riesige Abstand zu den anderen Bundesländern:

  • Niederösterreich: 80 Fälle pro 10.000 Einwohner
  • Wien: 50 Fälle pro 10.000 Einwohner
  • Alle anderen Bundesländer: unter 30 Fälle pro 10.000 Einwohner 

Gerade der statistische Ausreißer bei den Einbrüchen ist sehr interessant, denn laut einer Statistik des Bundeskriminalamtes ist die Zahl der Fälle in punkto Gesamtkriminalität im Jahr 2014 sogar um 1,2% zurückgegangen. Insgesamt wurden bei der Polizei 75.352 Anzeigen aufgegeben. Es dürfte diesbezüglich also sehr spannend werden, wenn die zuständigen Behörden Ursachenforschung betreiben.

Gründe für die hohe Zahl an Einbrüchen

Welche Ursachen liegen der Einbruchszahl zugrunde? Diese Frage ist für Personen, die sich nach einer Wohnung in Niederösterreich umsehen, natürlich interessant. Grundsätzlich gibt es zwar vielfältige Erklärungsansätze, die jedoch alle keine befriedigende Antwort liefern. Auch wenn eine hohe Kriminalitätsrate oftmals mit Phänomenen wie hoher Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit in Verbindung gebracht wird, kann dies keineswegs pauschalisiert werden. Folgende Ursachen liegen hingegen durchaus im Bereich des Möglichen:

  • Ein bedeutender Bevölkerungsanteil ist laut Wirtschaftskammer deutlich über 60 Jahre alt, sodass Einbrecher eventuell auf wenig Gegenwehr hoffen.
  • Da sich die Singlehaushalte gleichzeitig erhöhen, haben Einbrecher nochmals ein leichteres Spiel. Zudem leben viele Menschen in Niederösterreich in Einfamilienhäusern, die den Einbruch erleichtern.
  • Ein Großteil der Einbrüche findet beispielsweise durch das Kellerfenster statt, welches schlichtweg nicht ausreichend gesichert ist.

Aus diesem Grund ist es wichtig, bei der Wahl der Wohnung auf verschiedene Aspekte zu achten:

  • Lässt sich das Einfamilienhaus auch in etwas einsamer Lage entsprechend absichern? Können unter Umständen ohne rechtliche Probleme auch Überwachungskameras installiert werden?
  • Kann man in ländlichen Gegenden bei längerer Abwesenheit Nachbarn oder Freunde bitten, die Immobilie im Auge zu behalten?
  • Achten die Mitmieter im Haus auf elementare Sicherheitsmaßnahmen? (z.B. abendliches Abschließen der Tür, keine Fremden im Hausflur)

Gründe für Einbrüche nicht klar erkennbar

Der hohe Anteil an Einbrüchen in Niederösterreich lässt sich gar nicht so einfach erklären.  |  pixabay.com, ClkerFreeVectorImages (CC0-Lizenz)

Weshalb gerade Niederösterreich mit negativen Schlagzeilen aus der Statistik schlägt, bleibt weiterhin unklar. Selbst die ansässigen Behörden können die Ursachen nicht ausreichend erklären. Experten vermuten jedoch, dass die Kriminalität gar nicht gestiegen ist, sondern die mediale Berichterstattung stärker auf das Thema eingeht. Stimmt diese Erklärung, wären die Einbruchszahlen nicht unbedingt gestiegen, es würden nur mehr Fälle gemeldet.

Da die Polizei bislang nur wenige Einbrüche verhindern konnte, haben sich erste Bürgerwehren gebildet, die in den betroffenen Gebieten Streife fahren und die Nachbarschaft im Auge behalten. Offenbar mit Erfolg: In einigen Bezirken Niederösterreichs sank die Einbruchsquote drastisch ab. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie diese Entwicklung weitergeht und ob das Modell der Bürgerwehren nicht zu juristischen Problematiken führt. Immerhin haben solche Aktionen kein öffentliches Mandat.