Erstellt am 21. Dezember 2015, 09:55

Weihnachtsbräuche in Österreich. Wenn sich am 24. der Vorweihnachtsstress in Besinnlichkeit verwandelt, dann bedenken viele gar nicht, dass die Traditionen, die heute untrennbar mit dem Christfest verbunden werden, teilweise Jahrhunderte alt sind.

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Adventskranz

Adventskränze gibt es erst seit dem Jahr 1833.  |  NOEN, KleeKarl (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Die mit Kerzen verzierten Kränze entstanden 1833: Der Pfarrer Johann Johann Wichern aus Hamburg betreute damals eine Jugendanstalt, in der er bettelarme Kinder versorgte. Diese fragten ihn im Advent immer wieder, wann denn der große Tag endlich da wäre. Wichern, der Fragerei etwas überdrüssig, besorgte einen Tannenkranz und befestigte 19 kleine Kerzen für die Wochentage und vier dicke für die Adventssonntage.

Jeden Tag wurde im Beisein der Kinder eine davon entzündet. Um 1860 verschwanden die kleinen Kerzen. Die Dicken wurden auf Kronleuchter gesetzt und so zum Adventskranz, der auch heute noch in vielen Stuben zu finden ist.

Barbarabrauch

Der Barabaratag, der am 4. Dezember gefeiert wird, soll laut Ottoversand in der dunklen Jahreszeit einen kleinen Vorgeschmack auf den Frühling geben. Die heilige Barbara war der Legende nach eine Frau, die auf der Flucht vor der Heirat mit einem Heiden verraten wurde: Als man sie aus ihrem Versteck abführte, verfing sich ein Kirschzweig in ihrer Kleidung, den sie in Gefangenschaft in einen Krug mit Wasser stellte. Bei ihrer Hinrichtung erblühte der Zweig. Diesem Schicksal gedenken die Österreicher heute noch, indem sie Kirsch- und Apfelbaumzweige am Barbaratag schneiden und in eine Vase stellen. Am oder um den Heiligen Abend erblühen diese dann.

Krampus

Krampusmasken sollen vor allem erschrecken.  |  NOEN, Rivercrest (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Während die meisten anderen österreichischen Weihnachtsbräuche einen festlich-freundlichen Charakter tragen, sticht der Krampus heraus: Die auch als Kramperl bekannte Schreckfigur in Tiergestalt ist der Begleiter des heiligen Nikolaus. Während letzterer braven Kindern Geschenke bringt, bestraft Krampus unartige Kinder.

Zu den Krampusumzügen, die am Abend des 5. Dezember stattfinden, gehört auch, dass sich viele Krampusse zu ganzen Horden zusammenfinden, um mit lautem Glockengeläut, Ruten und ihren gehörnten Masken Leute zu erschrecken. Die Krampus-Tradition wird in vielen Teilen Österreichs recht unterschiedlich gehandhabt. Dazu gehört in manchen Gemeinden auch das Kramperlstauben: Eine Mutprobe für Kinder, bei der diese den Krampus ärgern, ohne von ihm gepackt oder mit der Rute geschlagen zu werden. Die Krampus-Tradition steht allerdings wegen der Ängste, die sie bei manchen Kindern auslöst, auch in der Kritik.

Christkindlmarkt

Der Christkindlmarkt hat die längste Tradition als vorweihnachtlicher Brauch.  |  NOEN, Gellinger (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Die Wurzeln des Weihnachts- oder Christkindlmarktes liegen in grauer Vorzeit: Im Mittelalter hatten viele Stadtbewohner weder Platz noch Zeit, sich Nutztiere zu halten. Da trotzdem aber im Winter viel Bedarf nach wärmenden Fellen und haltbarem Fleisch vorhanden war, etablierten sich um 1100 in Europa zu Beginn des Winters in vielen Städten spezielle Märkte. Dort gab es dann dicke Felle ebenso zu kaufen, wie Wolle, Würste und warme Decken – kurzum alles, was in der mittelalterlichen Stadt den rauen Winter erträglicher machte.

Die nächsten Jahrhunderte behielten die Märkte dieses Erscheinungsbild bei. Der Christkindlmarkt, so wie wir ihn heute kennen, entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und hat sich seitdem auch nicht mehr sonderlich verändert. Eine kleine Abweichung gibt es allerdings mancherorts: Da vielen Besuchern und Städten die heutigen Weihnachtsmärkte zu kommerzialisiert wurden, gingen einige Märkte den umgekehrten Weg und bieten heute wieder nur Dinge an, die es auch im Mittelalter bereits gab.