Erstellt am 12. März 2016, 05:04

von Jutta Hahslinger

21.600 Geldstrafe für Polizeibeamten. Richter hat keinen Zweifel, dass Polizist versuchte, privates "Rausch-Malheur" im Wirtshaus auf Versicherung abzuwälzen.

Richter Helmut Neumar zur Causa: »Eine Dummheit, die aus den Ufern geraten ist!«  |  NOEN, NÖN

Beim Kirchenwirt im Bezirk Gänserndorf wurde am 20. März vergangenen Jahres der irische Nationalfeiertag gefeiert. Unter den trinkfreudigen Gästen befand sich auch ein Stammgast (38), ein Exekutivbeamter im Weinviertel.

Der Beamte hatte seine Polizeiunform abgelegt und es als Privatperson ordentlich krachen lassen: So soll er im Rausch einen Musikautomaten von der Wand befördert haben. Nach weiteren Turbulenzen wurde der Stammgast schlussendlich aus dem Lokal „hinausbegleitet, nicht rausgeworfen“, wie der 38-Jährige betont.

Er gibt zu, damals alkoholisch ziemlich „bedient“ gewesen zu sein, auch, dass er sich am nächsten Tag für sein Benehmen habe entschuldigen wollen. Da habe er von dem Einbruchsdiebstahl erfahren und sich der Sache - obwohl er krankheitsbedingt nur noch Innendienst versieht - angenommen, gesteht er ein. Er habe aber nicht in Absprache mit den Wirtsleuten eine Anzeige fingiert, um den Schaden am Musikautomaten der Versicherung aufs Auge zu drücken, beteuert er vor Gericht.

„Wir haben doch kein Motiv. Der Schaden wäre ohnehin von der Versicherung gedeckt gewesen“, sagen die Wirtsleute. „Ich bin auch versichert. Also warum sollte ich das tun?“, wirft der Polizeibeamte ein.

Nach einem umfangreichen Beweisverfahren befindet Richter Helmut Neumar den Polizisten des Amtsmissbrauches, der falschen Beweisaussage und Betrugsbeteiligung für schuldig. Er verurteilt den Beamten zu einer teilbedingten Geldstrafe: 21.600 , davon muss die Hälfte berappt werden oder ein Jahr hinter Gittern abgesessen werden. Für die Gastwirtin setzte es 2.700 (die Hälfte bedingt oder neun Monate Arrest) und für deren Gatten 24.300 Strafe, die Hälfte ebenfalls unbedingt oder neun Monate Arrest. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.