Erstellt am 29. September 2015, 08:42

von Thomas Schindler

3 Millionen Euro für das Marchfeld. Politik und Wirtschaft diskutierten über Möglichkeiten, Region mittels EU-Fördergelder „aufzupeppen“.

VP-Landtagsabgeordneter René Lobner, Katharina Maritschnig (junge Gänserndorferin), VP-Nationalrat Hermann Schultes, Unternehmerin Andrea Prenner-Sigmund, Gerald Oitzinger (Geschäftsführer Marchfeldschlösser), SP-Nationalrat Rudolf Plessl, Peter Kaltenegger (Europäische Kommission), Moderator Josef Wallenberger und Susanne Gugerell (Geschäftsführerin Leader-Marchfeld, von links).  |  NOEN, Schindler

Am Freitag ging im Festsaal der Gänserndorfer Wirtschaftskammer die Kick-off-Veranstaltung „Leader-Marchfeld 2020“ in Szene. Dabei diskutierte eine hochkarätige Expertenrunde über die Zukunft des Marchfelds und die Möglichkeiten, dieses mittels EU-Fördergelder wirtschaftlich, kulturell und touristisch aufzuwerten.

Knapp über 3 Millionen Euro stehen den 23 Gemeinden des Marchfelds in der aktuellen Leader-Periode 2014 bis 2020 zur Verfügung. Obmann Karl Grammanitsch hielt fest: „Wir müssen unbedingt mehr zusammenarbeiten und uns vom Kirchturm-Denken lösen. Auch in Hinblick darauf, dass wir uns für die niederösterreichische Landesausstellung 2021 beworben haben.“

Peter Kaltenegger von der Europäischen Kommission erklärte weiter, dass es ab sofort viel einfacher sei, EU-Fördergelder zu lukrieren: „Jetzt wird einzig und allein vor Ort entschieden, welche Projekte umgesetzt werden. Es müssen dafür lediglich zwei Voraussetzungen erfüllt sein – das Projekt muss in die Strategie passen und die Umsetzung muss natürlich rechtlich möglich sein.“

Zu wenig Gastronomie-Betriebe 

Leader-Marchfeld-Geschäftsführerin Susanne Gugerell appellierte an die Gemeinden der Region: „Es sind alle aufgefordert, Projektideen einzureichen. Unser oberstes Ziel ist es, die regionale Wertschöpfung zu steigern. Das heißt, wir müssen das Tourismus- und Freizeitangebot ausbauen, die Land- und Forstwirtschaft stärken sowie die Wirtschaft unterstützen.“

SP-Nationalrat Rudolf Plessl betonte, dass die Region – landschaftlich gesehen – sehr flach sei: „Also ideal zum Radfahren. Wir müssen nur alles besser vernetzen. Etwa 58.000 Nächtigungen pro Jahr in der ‚Kornkammer Österreichs’ sind auf jeden Fall ausbaufähig.“

Gerald Oitzinger, Geschäftsführer der Marchfeldschlösser, bemängelte, dass es zu wenig Gastronomie-Betriebe in der Region gebe: „Was nützen schöne Schlösser, wenn man nirgends essen gehen kann?“ Plessl konterte: „Wir haben viele und gute Gaststätten. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wer wann offen hat. Da sollten wir eine Liste für Touristen erstellen.“

Marchfeld bald als Obstkammer bekannt?

VP-Nationalrat und NÖ Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes unterstrich, dass man das Marchfeld nicht totreden dürfe: „Wir müssen es nur besser vermarkten. Unseren Spargel kennt jeder, wir brauchen mehr solcher Produkte, vor allem biologische.“ Himbeer-Produzentin Andrea Prenner-Sigmund wünscht sich, dass das Marchfeld nicht nur als Korn- und Gemüsekammer, sondern künftig auch als Obstkammer bekannt wird.

Als Letzter gab VP-Landtagsabgeordneter Bürgermeister René Lobner seine Gedanken preis: „Wir haben hier so viele tolle Dinge – Schlösser, Landschaft, Kultur, Tourismus, Wirtschaft – wir müssen diese nur wachküssen. Und wir dürfen nicht sagen, dass wir uns zwischen Wien und Bratislava befinden. Wir sind einfach Marchfelder.“