Erstellt am 06. November 2015, 06:02

von Ulla Kremsmayer

Abdul erzielte vier Tore. Ulla Kremsmayer berichtet über vier Asylwerber, denen sie Unterkunft gewährt. Diese Woche gab es einen Ausflug nach Wien und ein Fußballtraining.

Premiere am Sportplatz: Jugendbetreuerinnen mit Aladin und Abdul Rahman.  |  NOEN, Kremsmayer

Diese Woche war schon eine ganz besondere, voll von einprägsamen Ereignissen. Sie begann mit dem Nationalfeiertag, wo eine kleine Abordnung der Groß-Enzersdorfer Flüchtlingen samt Begleitung auf den Heldenplatz und ins Bundeskanzleramt fuhr.

Stadtbesichtigung und Turmbesteigung im Stephansdom inklusive. Ein Foto mit Bundeskanzler Faymann und Kanzleramtsminister Ostermayer gehört zur stolzen Beute. Die beiden werden sie dann auch anlässlich der Syrienkonferenz im Fernsehen sehen, über deren Ergebnis sie mir erzählen.

Kinder-Fußballtraining am Stadtler Sportplatz

Das nächste Highlight: Abdul Rahman und Aladin dürfen zum Kinder-Fußballtraining auf den Stadtler Sportplatz kommen. Wir schwingen uns bei Eiseskälte auf die Fahrräder, sie müssen den Weg kennenlernen und künftig alleine meistern. Dort werden sie von der Jugendbetreuerin rührend aufgenommen, mit Fußballschuhen und einem Trainingsball versorgt.

Den Vätern wird ein Cola spendiert. Abdul schießt auch gleich vier Tore und ist mächtig stolz. Gleich darauf die nächste Bewährungsprobe, die Heizung fällt in den Zimmern der Syrer aus. Abdul Hamid erweist sich als guter Installateur, wechselt Ventile und entlüftet, Ahmet hilft. Eine gute Fee hat in der Zwischenzeit warme Daunendecken vorbeigebracht. Und schließlich steht auch wieder ein Begegnungscafé am Programm. Die Kinder bemalen Kürbisse – es ist ja Halloween. Die Väter genießen Mehlspeisen und Gespräche.

Sehnsucht nach Familie

Sie haben ihre Pässe bekommen und sehnen sich nach ihren Familien, die in türkischen Flüchtlingslagern leben. Auch dort ist es kälter geworden, die Lebensmittel knapp, der Boden aufgeweicht, ihre Eltern sind mittlerweile dort gestorben. Doch noch gibt es keine legale Einreise für Frauen und Kinder. Sie bräuchten Visa und die bekommen sie nicht.

Sie müssten mit Schlauchboot und zu Fuß kommen. Eine Familienzusammenführung ist erst nach der Anerkennung möglich, und die wird noch lange dauern, derzeit sind die Behörden heillos überfordert.