Erstellt am 17. März 2016, 05:04

von Ulla Kremsmayer

Asyl im Stadtl: Fronten verhärten sich. Stadtgemeinde und Willkommensplattform luden zum Info-Abend über Flüchtlinge. Deeskalationsversuche trafen dabei auf bekannte Ängste und Skepsis.

Informationen gaben NÖN-Reporterin Ulla Kremsmayer, Caritas-Betreuer Michael Berger, Pfarrer Helmut Schüller, Bürgermeister Hubert Tomsic und die neue Flüchtlingsbeauftragte Michaela Krämer.  |  NOEN, privat

Der Saal im Heimatmuseum war zu klein gewählt: Über 160 Leute drängten in den Raum, der letztlich nicht alle fassen konnte. Das Thema Flüchtlinge bewegt die Menschen in Groß-Enzersdorf.

SP-Bürgermeister Hubert Tomsic gab einen Überblick: In der Großgemeinde leben derzeit 58 Flüchtlinge, davon sind 31 privat untergebracht, 27 wohnen im Integrationshaus Neu-Oberhausen und demnächst werden in einem Containerdorf im Probstdorfer Pfarrhof weitere 30 erwartet. Da sich der Gemeinderat einstimmig gegen eine Flüchtlings-Unterbringung im Hotel am Sachsengang ausgesprochen hat – man will kein Massenquartier – sucht man nach anderen Wegen.

Stadtchef hofft auf Räume von Bürgern

Denn Bund und Land könnten von ihrem Durchgriffsrecht Gebrauch machen, solange die Gemeinde nicht ihre 1,5-Prozent-Quote (rund 150 Asylwerber) erfüllt. Der Bürgermeister rief daher die Bevölkerung auf, Räume zur Verfügung zu stellen. Dazu stellte die Willkommensplattform nicht nur ihre freiherzigen Angebote – Deutschkurs, Begleitdienste, Spendenboutique, Kinderbetreuung – vor, sondern zeigte auch die Formen der Quartiergeber im Stadtl.

NÖN-Reporterin Ulla Kremsmayer als Privatquartiergeberin, Werner Hofinger vom Roten Kreuz, Philipp Janyr vom Neu-Oberhausener Integrationshaus und Michael Berger von der Caritas stellten ihre Modelle vor. Grob zusammengefasst: Während Private maximal 240 Euro pro Familie und Monat als Betriebskostenzuschuss erhalten, können Betreiber organisierter Unterkünfte bis zu 19 Euro pro Kopf und Tag für ihre Schützlinge erhalten, wenn sie diese auch voll verpflegen. Wenn sie nicht für sie kochen, müssen sie den Asylwerbern 5,50 Euro pro Tag abgeben.

FP-Azinger prangert „Asylindustrie“ an

Das gab Skeptikern – allen voran FP-Stadtrat René Azinger – Anlass, „Asylindustrie“ und Geschäftemacherei anzuprangern. Ebenso gab dies aber Gelegenheit zu widersprechen: Pfarrer Helmut Schüller unterstrich etwa die Gemeinnützigkeit der Caritas.

Auch Ängste vor Übergriffen, Vergewaltigungen oder Einbrüchen waren Thema. Kriminalstatistiken interessierten kaum, ebenso wenig wie persönliche Erfahrungen mit Flüchtlingen beruhigen konnten. Ein Polizist aus Wien-Brigittenau berichtete über eine Zunahme von Gewaltdelikten, ein Lokführer aus Schönau kam auch zu Wort.

„Ich war angetan, wie freundlich und 
offen die Atmosphäre dort ist.“
VP-Stadtrat Reinhard, Wachmann 
über seinen Besuch im Begegnungscafé

Dass ein Kennenlernen helfen könnte, versicherten nicht nur die Vertreter der Willkommensplattform, sondern auch VP-Stadtrat Reinhard Wachmann: „Kommen Sie zu einem Begegnungscafé und lernen unsere Flüchtlinge kennen. Ich war angetan, wie freundlich und offen die Atmosphäre dort ist.“ Tomsic stellte die von der Gemeinde nominierte Flüchtlingsbeauftragte Michaela Krämer, bisher allein für die Stadterneuerung zuständig, vor: An sie können sich interessierte Bürger künftig wenden.