Erstellt am 04. Mai 2016, 04:04

von Thomas Schindler

Autoknacker mit speziellem Trick. "In der Region verzeichnen wir derzeit wieder einen Anstieg an Pkw-Diebstählen"

Ein sogenannter »Smart Key« - erreicht, um die Autotür zu öffnen und den Motor zu starten, ganz ohne herkömmlichen Schlüssel. Dieses Funksystem nutzen die Täter nun aus.  |  NOEN, Schindler

"In der Region verzeichnen wir derzeit wieder einen Anstieg an Pkw-Diebstählen", erklärt Chefinspektor Gerald Reichl, oberster Kriminalist im Bezirk. Dabei setzen die Täter auch auf einen neuen Trick. Und zwar bei Autos, die über ein sogenanntes Keyless-System verfügen – also Fahrzeuge, die ohne einen Schlüssel geöffnet und gestartet werden können. Bei ihnen genügt es, wenn man den elektronischen Schlüssel bzw. einen „Smart Key“ einfach bei sich trägt.

Reichl über die Vorgehensweise der Täter: „Sie stellen aufgrund ihrer Kenntnisse fest, dass es sich um ein derart ausgestattetes Fahrzeug handelt, und suchen mit einem speziellen Scanner die nähere Umgebung ab.“ Dazu kann es erforderlich sein, dass sich der Kriminelle in die Nähe der Wohnungstür seines Opfers begibt, da er dort das Signal des „Smart Key“ besser empfangen kann. Das Signal des Schlüssels reicht mehrere Meter weit.

"Fahrzeugschlüssel in Metallbox aufbewahren"

Reichl: „Das empfangene Signal sendet Täter 1 mit seinem Gerät dann über eine beliebige Weite zum Täter 2, der in unmittelbarer Nähe des zu stehlenden Fahrzeugs steht.“ Dort setzt dieser das Signal um – der Wagen erkennt: Schlüssel ist da – und es öffnet sich automatisch die Tür. Das Auto lässt sich problemlos starten, die Wegfahrsperre und meist auch die Alarmanlage werden deaktiviert.

Die Polizei rät allen Betroffenen, bei ihren Fahrzeughändlern nachzufragen, ob es eine technische Möglichkeit gibt, derartige Diebstähle zu verhindern. Reichl: „Man könnte auch den Fahrzeugschlüssel, zumindest zu Hause, in einer Metallbox aufbewahren, wodurch es nicht möglich ist, dass die Funkwellen nach außen dringen.“

Keine Lösung für Problem in Sicht

Die NÖN fragte bei Autohändlern im Bezirk nach. Das Ergebnis: Eine Lösung für das Problem ist nicht wirklich in Sicht. Sicherer wäre ein „Smart Key“ nur, wenn man andere Frequenzen benutzen würde. Dies ist aber nicht erlaubt, weil sonst Handys und Flugzeugfunk gestört werden könnten. Der Tipp der Fahrzeughändler ist derselbe wie jener der Polizei: Den „Smart Key“ zu Hause in einer Metalldose aufbewahren.

Preis für Hacker-Equipment stark gefallen

Übrigens: Der Grund, warum jetzt immer mehr Autos mit Keyless-Systemen gestohlen werden, ist leicht erklärt – der Preis für das erforderliche Hacker-Equipment ist stark gefallen (etwa 5.000 Euro) und daher für die Täter leistbar.


Keyless-System

  • „Keyless Go“ beschreibt ein automatisches System, ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels (also „keyless“, zu deutsch „schlüssellos“) zu entriegeln und durch das bloße Betätigen des Startknopfes zu starten. Ermöglicht wird das durch einen Keyless-Go-Schlüssel mit Chip, den der Fahrzeuglenker mit sich führt.

  • Sobald sich eine Hand dem Türgriff eines mit „Keyless Go“ ausgestatteten Fahrzeugs bis auf wenige Zentimeter nähert, wird das System mithilfe eines Näherungssensors aus dem sogenannten „Sleep-Mode“ geweckt. Gewöhnlich reicht es jetzt, einen kleinen Knopf an der Tür zu drücken und diese öffnet sich. Der Motorstartvorgang entspricht im Wesentlichen dem des Türentriegelungsvorgangs, nur dass hier der Motorstart-/Stoppknopf betätigt wird.