Erstellt am 07. April 2016, 05:04

von Nina Wieneritsch

Baustelle wurde zur Grabungsstätte. In Neusiedl entsteht seit vergangenem Jahr ein neues Umspannwerk – bis Arbeiter auf Kelten-Relikte stießen.

Die Schüler der Neuen Mittelschule begutachteten die archäologischen Funde - hier ein Grubenhaus aus der Latènezeit. Für die Rekonstruktion eines solchen Grubenhauses siehe Abbildung rechts.  |  NOEN, NMS, APG

Am Nordrand des Zayatals, auf einer Geländeerhöhung, laufen seit dem Frühjahr 2015 im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) Bauarbeiten – das Umspannwerk „Zaya“ entsteht. Seit Oktober 2015 werden am selben Gelände aber auch umfangreiche archäologische Untersuchungen durchgeführt.

"Weinviertel ist die Wiege Österreichs"

Wie kam es dazu? „Wir wussten bereits zu Beginn unserer Planungsarbeiten, dass wir auf archäologische Funde stoßen werden. Das Weinviertel ist – archäologisch betrachtet – die Wiege Österreichs, da hier erstmals Ackerbau betrieben wurde und daher seit der Bronzezeit eine dauerhafte Besiedelung nachgewiesen werden kann“, so APG-Sprecherin Birgit Breiter gegenüber der NÖN.

Genau das würden auch die Ausgrabungen belegen. „Dass sich allerdings so viele Funde über einen historisch langen Zeitraum vom Grubenhaus bis zu Kreisgräbern an einer Stelle befinden, ist für uns als Projektwerber sehr beeindruckend.“

APG bietet Führungen an

Sämtliche Ausgrabungen werden als Schenkung an das Land NÖ übergeben. In welcher Form die Fundstücke Eingang in die Ausstellungen im MAMUZ/Schloss Asparn bzw. mögliche weitere Alternativen der Darstellung für die Bevölkerung finden können, wird erst nach Abschluss der Grabung (in den nächsten Wochen) und der Aufbereitung aller Fundstücke im Sommer entschieden.

Da der Ausgrabungsbereich nach Abschluss der fachkundigen Dokumentationen wieder verschlossen wird, bietet die APG Führungen an. So erkundeten auch Schüler und Lehrer der örtlichen Neue Mittelschule (NMS) die Fundstücke und Ausgrabungen. „Wir sind überrascht, dass unser Angebot so gut angenommen wird. Wir waren in den vergangenen Wochen sehr bemüht, alle Anfragen für Besichtigungen zu erfüllen“, so Breiter.


Die Funde

  • Bei den Ausgrabungen handelt es sich zum überwiegenden Teil um Gräber aus der Bronzezeit (mit Skeletten und teilweise Grabbeigaben in Form von Glasschmuck, Keramiken und Dolchen) sowie Grubenhäuser, Töpferöfen und Keramiken aus der Latènezeit.

  • Die Bronzezeit ist jene Zeit, in der Metallgegenstände aus Bronze gefertigt wurden. Sie umfasst in Mitteleuropa den Zeitraum von etwa 2200 bis 800 v. Chr. Die Latènezeit gehört zur Eisenzeit und reicht grob von etwa 450 v. Chr. bis rund um Christi Geburt. Die Latènekultur umfasst archäologische Funde keltischer Kultur.