Erstellt am 24. Februar 2016, 05:04

von Manuel Mattes und Robert Knotz

Baut Spar auf Messegelände?. Bürgerliste stellt sich gegen Verpachtung des Areals um angeblich nur 1.000 Euro pro Jahr. Ortschef Ludwig Deltl (SP) kontert: "Es gibt noch keine Verträge"

Die Bürgerlisten-Gemeinderäte Paul und Silvia Ebhart sowie Georg Dawoud (von links).  |  NOEN, Mattes

Während ein niedriger Mietpreis bei den meisten vermutlich Wohlgefallen auslöst, treibt er Strasshofs Bürgerlisten-Obmann Paul Ebhart die Zornesröte ins Gesicht. Konkret geht es um einen in der jüngsten Gemeinderatssitzung gefassten Beschluss, demzufolge das Marchfeldmesse-Areal an die Firma Spar zur Errichtung einer Filiale vermietet werden soll – „und das zu einem Spottpreis von 1.000 € pro Jahr“, so Ebhart im NÖN-Gespräch, der auch das entsprechende Sitzungsprotokoll vorlegt. Im Jahr 2017 soll der Lebensmittelmarkt eröffnen.

„Es handelt sich dabei um den wertvollsten Grund in ganz Strasshof, der sich aufgrund seiner zentralen Lage auch als Schulstandort eignen würde. Stattdessen wirft man ihn einer Supermarktkette einfach in den Rachen“, so Ebhart weiter. Die Vermietdauer betrage mindestens 55 Jahre. Zwar soll als „Gegengeschäft“ für den niedrigen Preis eine Halle im Ausmaß von 1.415 Quadratmeter entstehen, die von der Gemeinde für diverse Veranstaltungen genützt werden kann, diesem „Tauschhandel“ kann Ebhart allerdings wenig abgewinnen: „So eine Halle brauchen wir nicht. Wir haben ja ohnehin bereits zwei Turnsäle. Und ich glaube kaum, dass es sich dabei um ein hochwertiges Kulturzentrum handeln wird.“

Ebhart: „Zielpunkt soll wiederbelebt werden“

Anstatt des Neubaus eines Supermarktes und einer Halle befürwortet er die „Wiederbelebung“ der zwei Zielpunkt-Filialen, die kürzlich geschlossen wurden, da dem Ortsteil „Silberwald“ nun ein Nahversorger abhandengekommen sei und die Gemeinde nicht noch mehr leer stehende Gebäude brauche.

Wo wird künftig die Marchfeldmesse stattfinden, wenn das bisher genutzte Areal nicht mehr zur Verfügung steht? Konkrete Pläne hierzu gibt es noch nicht, allerdings soll ein großes Areal im Bereich der Antonius-Kirche (Antoniusstraße) im Gespräch sein.

SP-Bürgermeister Ludwig Deltl kontert: „Gott sei Dank treibt es dem Bürgerlisten-Obmann die Zornesröte ins Gesicht – das ist die richtige Farbe. Im Gemeinderat wurde lediglich ein Grundsatzbeschluss gefasst, ohne den ich als Bürgermeister nicht in Verhandlungen gehen kann.“ Beschlossen ist noch gar nichts. Für einen Schulstandort sei das Messegelände nicht geeignet: Erstens sei es viel zu klein und es gebe zuwenig Freiflächen.

Verhandlungen über neuen Messe-Standort

„Mit dem Betreiber der Marchfeldmesse verhandeln wir über einen Ersatzstandort. Das wird aber definitiv nicht bei der Antoniuskirche sein. Diese Fläche wurde nie ins Auge gefasst“, erklärt Deltl. Und weiter: „Die Aussage Ebharts, dass der Grund weit unter seinem Wert vermietet werden soll, finde ich verwegen. Wir bekommen als Ausgleich dafür eine Veranstaltungshalle, die wir sehr wohl brauchen. Beim Feuerwehrball, bei Musikschul- und Veranstaltungen des Kulturabos gab es im Haus der Begegnung viel zu wenige Sitzplätze.“

Zum Thema Zielpunkt erläuterte Deltl, dass er permanent in Verhandlungen mit Supermarktbetreibern und dem Grundstücksinhaber über einen neuen Nahversorger stehe. Als Bürgermeister könne er jedoch nur vermitteln.