Erstellt am 04. November 2015, 05:02

von Thomas Schindler

Bei 65 Grad in der Wüste. 16 Jahre lang war er für die OMV im Ausland tätig, jetzt will Reinhard Oswald als Chef der Gänserndorfer OMV im Weinviertel nach dem „Schwarzen Gold“ suchen.

Reinhard Oswald (47) ist seit 15. September Geschäftsführer der »OMV Austria Exploration & Production« in Gänserndorf. Privat lebt er seit dem Vorjahr mit Frau und Tochter in Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg).  |  NOEN, Schindler

Der gebürtige Südburgenländer Reinhard Oswald war schon 1988 für die OMV in Gänserndorf tätig – damals als Praktikant im Zuge seines Erdöl- und Erdgastechnik-Studiums an der Montanuniversität Leoben. 27 Jahre später sitzt er wieder in Gänserndorf, diesmal aber im Chef-Sessel der „OMV Austria Exploration & Production“. Was er dazwischen getan und erlebt hatte, erzählt Oswald im exklusiven NÖN-Interview.

NÖN: Gingen Sie nach Ihrem Studium gleich zur OMV?

Oswald: Nein. Zuerst arbeitete ich für das große deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen Hoechst. Damals lebte ich auch vier Jahre in Deutschland. 1998 begann ich meine Tätigkeit bei der OMV. Mein erster Job führte mich als Bohringenieur nach Pakistan, wo ich insgesamt sieben Jahre verbrachte. Die ersten beiden Jahre hatte ich einen Rotationsjob. Das heißt, ich war abwechselnd 28 Tage in der Wüste beim Bohrturm und 28 Tage zu Hause. 2005 ging es dann nach Rumänien, wo ich 6,5 Jahre als Manager tätig war.

Nach Rumänien wartete dann wieder die Wüste?

Oswald: Genau. Zweieinhalb Jahre verbrachte ich in Tunesien. Hier galt es, Öl- und Gasfelder in der Wüste bei Tataouine zu erschließen. Die Region erlangte bei Star-Wars-Fans Berühmtheit, weil hier diverse Filmszenen gedreht wurden. 2014 kehrte ich schließlich nach Österreich zurück. Hier war ich dann im Personal-Management der OMV in Wien tätig. Seit September dieses Jahres arbeite ich nun in Gänserndorf.

Sie waren somit gemeinsam mit Frau und Tochter 16 Jahre lang im Ausland. Zum Teil in gefährlichen Regionen?

Oswald: In Pakistan und Rumänien gab es keine Probleme, was die Sicherheit betraf. Dort konnten wir auch viel besichtigen. Schwieriger war es in Tunesien, wo wir unsere Freizeitbeschäftigung eher auf das Sonnenbaden in Tunis beschränkten. Dort hatten wir die schwierige Phase der Nach-Revolution live miterlebt – auch einen Brandanschlag auf eine Botschaft und eine Schule. Trotzdem ist mir dieses Land ans Herz gewachsen. Hier fühlte ich mich am wohlsten. Auch wenn es in der Wüste 65 Grad hat.

In Tunesien haben Sie auch eine Lehrlingsausbildungs-Werkstätte initiiert.

Oswald: Da konnte ich das Hilfswerk und den TÜV als Partner gewinnen. Dort werden Lehrlinge für die Ölindustrie ausgebildet. So etwas gab es in Tunesien zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das Projekt kam bei den Einheimischen sehr gut an.

Was haben Sie in Ihrer neuen Funktion in Gänserndorf vor?

Oswald: Ich will mit meinem Team noch einmal genau prüfen, wo im Weinviertel noch unentdeckte Öl- und Gasfelder liegen. Es gibt immer wieder neue Techniken, um Vorkommen zu finden. Diese werden wir künftig anwenden.