Erstellt am 03. März 2016, 05:04

von Nina Wieneritsch

Betrugsverdacht: Ließ sich Vermieterin den Strom mitzahlen?. Gutgläubig Haus gepachtet, das gar nicht bewohnt werden darf. Besitzerin, die auch andere getäuscht haben soll, kontert.

Ein Einfamilienhaus um 650 Euro monatlich: Was zunächst ein verlockendes Angebot war, entpuppte sich für die Mieter bald als Albtraum.  |  NOEN, Wieneritsch

Nur eine Woche lebte die fünfköpfige Familie H. in ihrem neuen Mietshaus, dann zog sie wieder aus. Grund: Bei einer Feuerschutzbegehung im Mai des Vorjahres war festgestellt worden, dass die Gebäudeheizung nicht mehr in Betrieb genommen werden darf.

„Weil im Winter aber Heizen und Wohnen gleichgesetzt werden kann, erging die Order, dass das Gebäude nicht bewohnt werden darf, bis ein positiver Bescheid erfolgt“, heißt es seitens der Gemeinde. Eine Tatsache, die die Vermieterin angeblich verschwiegen hatte.

Keine Heizung im Winter

Besonders dreist: Ebendiese lebe auf demselben Grundstück, für das es im Ganzen (inklusive Haus und Pool der Vermieterin) laut Mietern nur einen einzigen Strom- und Wasserzähler gebe.

Frau T. war die Vorpächterin und sei von der Vermieterin ebenfalls über den Tisch gezogen worden: „Ich habe ihr die Wasser- und Stromrechnungen sowie die Abfallgebühr bezahlt. Diese Frau betrügt einen nach dem anderen“, meint sie im NÖN-Gespräch.

Dem nicht genug: Die Kaution, die sie entrichtet hatte – immerhin 3.250 Euro –, ist ebenfalls weg, genauso wie Gewand und Spielzeug der Familie H.

Wie ist es dazu gekommen? Vor etwa zwei Wochen habe Familie H. bemerkt, dass es im Haus nach Gas roch, sobald sie den Festbrennstoff-Ofen im Keller in Betrieb setzte. Sie verständigte die Vermieterin, die sich aber plötzlich sehr abweisend verhalten habe.

„Schlösser waren von Anfang an defekt“

Von der EVN habe man dann erfahren, dass das Haus nicht bewohnt werden darf, und sei wieder ausgezogen. Einige Sachen, die vorerst dort gelassen wurden, seien nun weg – sämtliche Schlösser seien nämlich von Anfang an defekt gewesen, obwohl die Vermieterin versprochen habe, diese auszutauschen.

„Mittlerweile sind wir beim Anwalt, die Sache ist im Laufen“, so wiederum Frau T., die mit einer Freundin und deren Kind von Mai 2015 an ein halbes Jahr in dem Haus lebte.

Die Vermieterin (Name der Redaktion bekannt) hält die Anschuldigungen für einen „kompletten Blödsinn. Das Haus gehört meiner Mutter, es ist schön ausgemalt, hat Laminatböden.“ Der angebliche Betrug mit den Rechnungen sei nicht wahr: „Wir sind nur einmal in der Woche in Angern und haben unsere eigenen Zähler.“

Die NÖN fragte bei der EVN nach: Auf dem Grundstück gibt es tatsächlich zwei Zähler – einer sei auf Wunsch der Vermieterin aber heuer im Februar deaktiviert worden. Dieses Vorgehen sei rechtens, weil Kunden innerhalb von zwei Wochen von einem Vertrag zurücktreten können und der neue Zähler erst vor Kurzem installiert wurde. Der alte sei im Mai 2015 – wiederum auf Wunsch der Vermieterin – demontiert worden.

Familie H. zieht Mitte März übrigens in eine Genossenschaftswohnung, die Hausbesitzerin hat Gerüchten zufolge schon wieder einen neuen Mieter gefunden.