Gänserndorf

Erstellt am 06. Dezember 2017, 06:00

von Stefan Havranek, Thomas Schindler und Nina Wieneritsch

FPÖ versinkt im Chaos: Rechte Aktionen und Rücktritte. Teilnahme an Nazi-Gedenken, Rücktritte und fehlende Partei-Mitgliedschaft: In der FP-Bezirkspartei rumort es gewaltig.

Markus Ripfl (links), Mitglied der schlagenden Burschenschaft Olympia, bei der diesjährigen Kranzniederlegung für Walter Nowotny am Wiener Zentralfriedhof.  |  privat

Bei den Freiheitlichen im Bezirk Gänserndorf rumort es gewaltig: Der Orther FP-Gemeinderat war bei der Kranzniederlegung für den nationalsozialistischen Fliegerpiloten Walter Nowotny dabei – und steht im NÖN-Gespräch offen dazu: „Nowotny war und ist ein Held, dessen gedacht werden muss.“

Historiker und auch die Wiener Stadtregierung sehen dies jedoch anders: 2003 wurde Nowotny das Ehrengrab aberkannt und in ein gewöhnliches Soldatengrab umgewandelt. Begründung: Er sei ein eindeutiger Anhänger der NS-Ideologie gewesen.

FP-Bezirkschef Herbert Steindl beschwichtigt

FP-Bezirkschef Herbert Steindl, angesprochen auf den Gemeinderat seiner Fraktion: „Was in Ordnung oder nicht in Ordnung ist, bestimmt der Gesetzgeber. Solange sich jemand im rechtlich einwandfreien Rahmen bewegt, werde ich Hetzkampagnen von irgendwelchen Linken nicht kommentieren.“

FPÖ-Bezirksparteichef Herbert Steindl: „Kommentiere keine linken Hetzkampagnen.“  |  Schindler

Steindl selbst steht momentan selbst in der Schusslinie einiger Parteikollegen, obwohl er dies in der vergangenen NÖN-Ausgabe noch als „völligen Schwachsinn“ abgetan hatte. Nun verkündete aber überraschend der junge FP-Gemeinderat aus Leopoldsdorf, David Leitner, seinen Rücktritt. Er soll die angebliche Chaos-Politik Steindls nicht mehr toleriert haben, heißt es aus Insider-Kreisen.

Auch um die FP-Gemeinderätinnen Ernestine Soucek (Dürnkrut) und Gerda Busch (Strasshof) gibt es Rücktrittsgerüchte. Während sich Letztere zur Debatte noch nicht äußern wolle, gibt Soucek im NÖN-Gespräch zu, dass es „gewaltig rumort“. Ob sie tatsächlich zurücktritt, wolle sie im Laufe der Woche entscheiden.

Wlas ist gar kein Parteimitglied

Und noch ein brisantes Detail kam jetzt heraus: Hannes Wlas, der bis dato FP-Obmann von Hohenau und zudem Steindls Stellvertreter war, ist gar kein Parteimitglied. „Jeder, auch Steindl, wusste, dass ich BZÖ-Mitglied war. Trotzdem ließ er mich zweimal zum Hohenauer Parteiobmann sowie zu seinem Stellvertreter wählen.“ Erst als sich Wlas gegen Steindl stellte, sei die fehlende Mitgliedschaft thematisiert worden.

Wie es mit Wlas innerhalb der Partei nun weitergeht, warum Markus Ripfl auch beim Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) kein unbeschriebenes Blatt mehr ist und weitere Details lest ihr in der aktuellen Printausgabe und im E-Paper der Gänserndorfer NÖN.