Gänserndorf

Erstellt am 24. Mai 2017, 02:42

von Sandra Frank

Grüner Umbruch: „Muss mit Elan in die Wahl starten“. Die Grünen im Bezirk schätzten Eva Glawischnig, freuen sich aber über frischen Wind.

Die Grünen im Bezirk schätzten Eva Glawischnig  |  APA

Sie war Bundessprecherin, Klubobfrau und Nationalratsabgeordnete der Grünen: Vergangenen Donnerstag legte Eva Glawischnig alle ihre Ämter zurück. Dieser Rücktritt kam für meisten Grünen überraschend. Bei einem erweiterten Bundesparteivorstand wurde über die Nachfolge entschieden. Ingrid Felipe soll am 25. Juni beim Bundesparteitag zur neuen Chefin der Grünen gewählt werden. Ulrike Lunacek geht als Spitzenkandidatin für die Grünen in die Nationalratswahlen. Die NÖN sprach mit den Grünen im Bezirk, aber auch mit Glawischnigs Kollegen im Nationalrat über ihren plötzlichen Abgang.

Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger sieht Glawischnig als Vorreiterin.  |  Archiv

„Ja, der Rücktritt von Eva Glawischnig kam für mich überraschend“, sagt Amrita Enzinger, Landtagsabgeordnete der Grünen. Glawischnigs Entscheidung sei in jedem Fall zu akzeptieren. Dass der Zeitpunkt nur wenige Monate vor den Neuwahlen vielleicht ein besserer hätte sein können, das findet Enzinger nicht. Sie ist überzeugt: Der Zeitpunkt und das politische Geschehen sind Nebensache, wenn die persönliche Entscheidung herangereift ist. „Das ist auch die Klarheit, die Eva Glawischnig immer transoportiert hat.“

Für Enzinger nimmt die ehemalige Grünen-Chefin ganz klar eine Vorreiterrolle in der Politik ein: „Sie hat gezeigt, dass Frauen Führungspositionen übernehmen können. Ich bin sicher, dass man viele Jahre später über sie sagen wird, dass sie die Frau war, die viele Türen geöffnet hat.“

In all den Jahren in den verschiedenen Ämtern habe Glawischnig „Großartiges für die Grünen“ geleistet. Man müsse jetzt aber auch sehen, dass Bundessprecherin, Klubobfrau und Abgeordnete vielleicht doch zu viel für nur eine Person seien.

Mit Ingrid Felipe und Ulrike Lunacek sieht Enzinger zwei „sehr, sehr starke Frauen an der Führungsspitze“. Mit ihnen wird jetzt einiges anders werden, ist die Landtagsabgeordnete überzeugt, dass für die Grünen neue Zeiten anbrechen werden.

Linke: „Diese Lösung gefällt mir sehr gut“

Gänserndorfs Vizebürgermeisterin Margot Linke gefällt Frauenpower bei den Grünen.  |  NOEN

„Als ich davon gehört habe, war ich schon sehr getroffen und auch traurig“, erinnert sich Gänserndorfs Vizebürgermeisterin Margot Linke, als sie von Glawischnigs Rücktritt hörte. Doch jetzt, da die neue Führungsspitze präsentiert wurde, kann sie aufatmen: „Ich muss sagen, diese Lösung gefällt mir sehr gut.“ Mit Lunacek haben die Grünen eine erfahrne Politikerin an der Spitze, meint Linke. „Und sie hat mit Felipe eine junge, frische Person an ihrer Seite, die ihr hilft, die Partei zu managen.“ Diese Kombination hält die Vizebürgermeisterin für erfolgsversprechend. Besonders gefällt der Politikerin die Frauenpower an der Parteispitze. „Sie ist ein Gegenpol zu den anderen Parteien.“

Hermann Schultes (ÖVP) beobachtete, wie Glawischnig „stark wurde“.  |  NÖN

Linke habe Eva Glawischnig als Parteichefin sehr geschätzt, vor allem für ihre sachliche Art der Politik. In letzter Zeit habe sie aber müde gewirkt. „Man muss in eine Nationalratswahl mit Elan starten“, ist Linke überzeugt, dass der frische Wind den Grünen guttun wird.

Einer, der die ehemalige Grünen-Chefin seit Beginn an kennt, ist ÖVP-Nationalratsabgeordneter Hermann Schultes. „Ich hatte mir ihr zwar persönlich nicht so viel Kontakt, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass sie am Anfang extrem schnell gesprochen hat, weil sie so ein Mitteilungsbedürfnis hatte. Man hat sie kaum verstanden“, erzählt der Abgeordnete von Glawischnigs Anfängen. Im Laufe der Zeit sei sie sehr stark geworden. Er wünsche ihr, dass es ihr gesundheitlich gut gehe. „Die Politik ist erbarmungslos. Da muss man fit sein, vor allem, wenn man in der ersten Reihe steht.“

„Es ist ein intensiver Job, der viel Verantwortung mit sich bringt. Man muss jedem danken, der dabei war und seine Ideen eingebracht hat“, zollt Rudolf Plessl,

Rudolf Plessl (SPÖ) hofft, dass Lunacek ihre EU-Erfahrung im Parlament einbringen kann.  |  NOEN

Nationalrat der SPÖ, Glawischnig Respekt für ihren Einsatz. Er hofft, dass Lunacek, die aktuell eine der Vizepräsidentinnen des Europäischen Parlaments ist, ihre Erfahrungen aus der EU-Ebene in den Nationalrat einfließen lassen wird. „Wir müssen die EU verändern“, ist Plessl überzeugt.